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Die Reise der sanften Riesen, Teil 3: Snorri

Ihre Ankunft machte ziemlich viel Wirbel. Niemand hatte mehr geglaubt, dass Leif Erikson jemals zurückkäme. Alle liefen sie zum Strand, als das Schiff gesichtet wurde. Langsam kam das Schiff den Fjord herauf näher, bis es endlich knirschend auf den Kies auflief. Doch alle hielten respektvoll Abstand als Leif, gefolgt von Tyrkir als erster aus dem Schiff sprang. Die Katzen waren in den Häusern geblieben oder streiften in der Gegend umher. Noch interessierte es sie nicht, was die Menschen am Strand trieben.

Am Abend drängten sich die Menschen in der Versammlungshalle. Fast alle waren gekommen um Leif’s Bericht zu hören und auch einige Katzen hatten sich gemütlich eingerichtet. Sie kannten diese Versammlungen, die öfter stattfanden und kassierten viele Streicheleinheiten und auch machen Leckerbissen. Lange saßen sie in der grossen Halle, und Leif erzählte von seiner Fahrt.

Fast alle Katzen waren in der Halle, in deren Mitte ein grosses Feuer brannte. Außer Blíðfari und Geyfa waren da noch Ánægja, Bjösa, Draumsýn, Farfús, Fjölmóður, Hugljúfur und noch einige andere. Gespannt lauschen sie den Erzählungen Leif’s und seiner Männer. Bis tief in die Nacht saßen sie so in der grossen Halle und immer wieder fragten die Bewohner der Siedlung Leif nach bestimmten Dingen in seiner Saga, besonders über Vinland. Später sah man viele nachdenklich nach Hause gehen. Blíðfari hatte, genau wie Geyfa, Vinland gesehen und obwohl dort vieles anders war, würde er gerne mit Leif dorthin zurückkehren. Und vielleicht würden sie noch einige Katzen mitnehmen.

Der Winter kam und mit ihm die Kälte und die Dunkelheit. Für die Wikinger wurde die Robbenjagd jetzt schwieriger und auch die Katzen fanden kaum noch Beute. Viel unternehmen konnten sie nicht und es wurde ihnen, wie in jedem Winter ziemlich langweilig. Zwar trieben sie immer ihren Schabernack mit den Männern und Frauen, aber der Winter dehnte sich endlos. Doch auch der längste Winter geht einmal zu Ende und so kam der kurze Frühling. Das Eis war gebrochen und sie konnten wieder auf’s Meer.

Am Ende des Winters begannen die Wikinger, ihre Schiffe auszurüsten. Drei waren es, ein Lastenschiff und zwei Drachen. Alles luden sie in die Schiffe, ihren gesamten Hausrat. Auch einige Kühe wurden auf das Lastschiff gebracht. Und natürlich gingen auch einige Katzen an Bord, mehrere auf jedes Schiff. Sie richteten sich auf den Schiffen ein, alle waren sie schon auf hoher See gewesen und fürchteten das Wasser nicht. Noch etwas mussten sie warten, bis der Wind günstig stand, denn die Schiffe waren voll beladen und nur sehr schwer zu rudern und zu steuern.

Endlich war es soweit. Lange vor Mittsommer segelten sie los. Die See lag ruhig, nur der Wind lag etwas ungünstig, so dass sie am Anfang der Reise etwas rudern mussten. Immer wieder kam für kurze Zeit Nebel auf, doch sie konnten den Kurs halten.

Nach Tagen kam die Küste in Sicht, es war Markland. Richtung Süden segelten sie weiter, Vinland entgegen. Die Katzen waren ganz aufgeregt, ausser Blíðfari und Geyfa, die ja schon dort gewesen waren. Endlich konnten sie anlanden und wie vor vielen Monden ging Leif mit Blíðfari als erster von Bord. Ihm folgten Tyrkir und Thorvald, Leif’s Bruder.Nach und nach stiegen alle aus den Schiffen und schauten sich um. Auch die Katzen und alle anderen Tiere brachten sie von Bord.

Ausser für Blíðfari und Geyfa war für die Katzen das alles neu. So ein Land hatten sie noch nie gesehen. Grönland war karg, aber hier gab es Gras und Bäume, Vögel waren in der Luft und überall raschelte und bewegte sich etwas. Auch die Menschen standen erst einmal da und schauten sich um. Viele waren mit nach Vinland gekommen, ganze Familien. Die Häuser von Leifsbouir würden sie reparieren müssen, denn der Winter hatte ihnen ziemlich zugesetzt. Noch einige Grassodenhäuser bauten sie und eine kleine Versammlungshalle, sie nannten es Thinghaus. Jedes Haus wurde von einer Familie bezogen und vielen lebten Katzen. Weiden für die Kühe gab es genug und das Leben war nicht mehr so hart wie in Grönland.

Die Katzen erkundeten die Gegend und markierten ihre Reviere. Ánægja hatte sein Revier nahe am Wald, denn dort gab es reichlich Beute. Zu den Häusern war es nicht weit und wenn er ruhen wollte, konnte er sich einen Platz im Gras oder zwischen den Bäumen suchen, was er oft und ausgiebig tat. So auch an jenem Tag. Er hatte sich einen Platz neben einem Gebüsch ausgesucht, als er ein Geräusch hörte, das er nicht einordnen konnte.

Da war etwas zwischen den Bäumen. Ánægja konnte es erst nicht genau erkennen. Es bewegte sich vorsichtig. Dann erkannte sie, dass es ein Mensch war. Seltsam war er gekleidet, anders als die Wikinger. Und er schlich durch das Unterholz, als wolle er nicht entdeckt werden. Seltsam war das schon, ausser den Wikingern hatte sie in Vinland noch nie andere Menschen gesehen. Der Mensch war mit Fellen und Leder bekleidet, aber nicht wie die Kleidung der Wikinger.

Waldkatze: Sabine Menge / pixelio.de

Ánægja beobachtete den Mensche eine Weile und der entdeckte den Kater nicht. Dann schlich der Mensch wieder rückwärts in den Wald zurück und Ánægja wollte ihm nicht folgen, er wollte eher noch etwas ruhen. In den nächsten Tagen ereignete sich nichts besonderes und Ánægja hatte die Sache schon vergessen.

Plötzlich gab es ein Geschrei und die Männer liefen zusammen und starrten in Richtung des Waldes. Vier waren es, die dort standen und sie sahen genau so aus, wie der, den Ánægja vor einigen Tagen im Wald gesehen hatte. Die Männer standen alle beisammen, die Hände an den Schwertgriffen. Leif ging den Vieren entgegen. Diese hatten Speere, aber die waren zum Boden gesenkt. Stumm standen sich die Fremden und Leif gegenüber.

Nach einer Weile begann Leif zu lachen und kurze Zeit danach fielen die Fremden ein. Leif deutete auf die Fremden und sagte nur: “ Skrælingar!“ Dann lachte er wieder. Ánægja kannte das Wort, er hatte es oft gehört, wenn Wikinger untereinander in Streit gerieten. Es bedeutete „Hässlich“ oder auch „Schwächling“ und war unter Wikingern eine schwere Beleidigung. Doch die Fremden verstanden es offensichtlich nicht und lachten weiter. Dann redeten sie in einer fremden Sprache mit Leif.

Keiner verstand, was sie sagten, doch schienen sie nicht feindlich gesinnt zu sein. In der folgenden Zeit besuchten die Fremden, die von den Wikingern einfach nur Skrælingar genannt wurden, immer wieder mal Leifsbouir. Und langsam verstanden die Wikinger etwas von ihrer Sprache. Daher kam es, dass ein kleiner Tauschhandel zustande kam, meistens Felle gegen Metall, das die Skrælingar nicht kannten. So hatten sie sich eingelebt und das Leben ging einen geruhsamen Gang.

Jetzt lebten nicht nur Männer in der Siedlung, sondern einige Familien. Und bei vielen lebten Katzen. Beute gab es genug, doch nicht immer war die Jagd erfolgreich, den die Katzen kannten nur die wenigen Tiere, die es in Grönland gab, doch hier war das anders und vieles was sie als Beute ansahen, konnte sehr schnell ziemlich gefährlich werden. Kämpfen konnten sie, wenn es sein musste, doch nur dann, wenn es keinen anderen Ausweg gab. Doch wenn es einen Kampf gab waren sie mutig, stark und schnell. Sie hatten alles was sie brauchten und waren die meiste Zeit sehr friedlich. Die Menschen mochten sie und sie mochten die Menschen. Obwohl sie unter den Tieren mit der Zeit gefürchtete Jäger waren, waren sie doch den Menschen sehr zugetan und friedlich. Daher wurden sie auch „Die sanften Riesen“ genannt.

Die Tage wurden kürzer und kürzer, doch es gab keine „Endlose Nächte“ mehr. Gelegentlich erschienen einige Skrælingar und die Wikinger tauschten mit ihnen Dinge. Blíðfari blieb bei Leif, Geyfa hatte sich bei einer Familie einquartiert, bei Þorfinnur Karlsefni und seiner Frau Guðríður Þorbjarnardóttir.

Der Winter verging und Sommer verlief geruhsam, doch in der Mitte des nächsten Winters bemerkte Geyfa eine Veränderung bei Guðríður. Erst wusste sie es nicht so recht einzuordnen, doch dann konnte sie es riechen. Guðríður war schwanger. Der Winter verging und Guðríður bekam einen immer runderen Bauch. Geyfa hatte das bei den Menschen schon oft gesehen und wunderte sich deswegen nicht. Sie machte weiterhin ihre Reviergänge und kümmerte sich nicht weiter darum.

Der Sommer kam und sie sehnte sich nach einem Kater. Viele standen nicht zur Verfügung, doch Hugljúfur war ihr am liebsten. Die Dinge nahmen ihren Lauf und am Ende des Sommers, als die Tage schon kürzer wurden, gebar sie drei Junge, ein Katerchen und zwei Kätzchen. Von der Familie wurde sie in der Zeit nicht sehr beachtet, denn Guðríður stand auch kurz vor der Niederkunft. Vier Tage später war es dann soweit. Guðríður gebar einen Sohn. Sie nannte ihn Snorri. Die wenigen Kinder in der Siedlung waren alle auf Grönland geboren und so war Snorri Þórfinnsson das erste Kind, das in diesem Land geboren wurde.

Wie die meisten Katzen konnte auch Geyfa neugeborene Menschen nicht ausstehen, denn ihr Geschrei klang in Katzenohren fürchterlich. Nur wenn der kleine Snorri schlief, traute sie sich sogar in sein Bettchen aus getrocknetem Gras und legte sich neben ihn. Guðríður duldete das.

Geyfa’s Kinder wurden schnell grösser und fingen an herumzustromern. Doch der Winter kam und mit ihm die Kälte. Eines Tages kehrte eines der Kätzchen nicht mehr von seinem Streifzug zurück. Niemand wusste was passiert war und so blieben Geyfa nur noch ein Kätzchen und das Katerchen.

Im kommenden Frühling konnte Snorri schon laufen und er spielte sehr oft mit den Katzen.
Das Katerchen, das er später, als er sprechen konnte, Aldavinur nannte, begleitete ihn oft und sie spielten zusammen. Snorri wurde grösser und musste oft bei den Kühen helfen, doch Aldavinur war meistens bei ihm. Sein Vater, Þorfinnur Karlsefni, unterrichtete ihn immer häufiger in der Kampfkunst und der Schwertführung, doch Aldavinur verstand nicht, wozu das gut sein sollte. So wuchs Snorri heran und mit ihm Aldavinur. Geyfa war nun auch alt geworden und als Snorri 9 Jahre alt geworden war, starb sie. Snorri begrub sie unter einem grossen Baum im Wald. Vergessen hat er sie nie, denn sie hatte ihm Aldavinur geschenkt.

Die Sommer und Winter kamen und gingen. Immer wieder landeten Schiffe aus Grönland, brachten nützliche Dinge und fuhren wieder los, beladen mit Fracht aus Vinland. Einige Siedlungen gab es und in allen lebten Katzen. Da gab es ausser Leifsbouir noch Hop im Süden und Straum¬f¬jord im Norden.
Doch die Wikinger und auch die Katzen der Siedlungen trafen sich nicht oft, sie waren einfach zu wenige.

Snorri musste jetzt auch auf die Jagd gehen, wie alle Wikinger und Aldavinur begleitete ihn häufig. Die Männer lachten dann und nannten ihn eine Hundekatze. Doch Snorri und Aldavinur störte das wenig.

Eines Tages waren sie auf der Pirsch, als sie ein seltsames Plätschern hörten. Aldavinur, neugierig wie alle Katzen, schlich vorsichtig näher. Da war ein Bach und das Schauspiel, dass dort gerade gegeben wurde, verblüffte ihn doch sehr. Seltsame Tiere waren dort im Wasser. Fische waren das nicht, sie hatten ein dunkles Fell, waren etwa doppelt so gross wie der Kater und hatten einen spitz zulaufenden Schwanz. Sie planschten übermütig im Wasser und spielten mit irgend etwas Glitzerndem.

Jetzt konnte der Kater erkennen, dass das Glitzerding ein Fisch war. Erst hatte er sich im Gestrüpp geduckt, doch nun schaute er ganz offen zu der übermütigen Meute. Die hatte ihn jetzt auch entdeckt und unterbrach ihr Spiel. Einer kam jetzt vorsichtig aus dem Wasser und ihm näher. Er hatte wohl noch nie eine Katze gesehen und zeigte keine Furcht. Der Fremde begann zu schnuppern und Aldavinur wich etwas zurück. Doch das seltsame Wassertier drehte sich um, lief ein paar Schritte zum Bach und schaute dann wieder in Richtung des Katers, so, als wolle es ihn auffordern, mitzuspielen.

Langsam und vorsichtig kam der Kater näher. Die Tiere fingen wieder an im Wasser herumzutollen und Aldavinur sah ihnen vom Ufer aus zu. Obwohl er das Wasser, wie alle Wikingerkatzen, nicht scheute und auch manchmal damit spielte, so mochte er den seltsamen Fisch-Land-was-auch-immer-Tieren nicht in den Bach folgen.

Fischotter: angelina.s…k…. / pixelio.de

Indessen hatte Snorri den Kater vermisst und war ebenfalls am Bach angelangt. Dort setzte er sich in einiger Entfernung auch einen Stein und sah dem Treiben eine Weile zu. Erst als er wieder aufstand und dabei nicht gerade leise war, schreckten die Wasserbewohner auf und tauchten unter. Aldavinur hatte jetzt Snorri auch entdeckt und sprang mit einigen Sätzen zu ihm. Snorri lachte, als der Kater bei ihm war. „Na, mein alter Freund, hast du neue Freunde gefunden? Aber pass auf, Fischotter können gut zubeissen.“ Fischotter hiessen diese Tiere also. Aldavinur rieb sich an Snorri und schnurrte.

Von dem Tag an besuchte Aldavinur immer wieder die Fischotter und manchmal spielte er mit ihnen, denn sie waren wirklich ein lustiges Völkchen und akzeptierten ihn, als sei er einer der Ihren. Doch jetzt ging es erst einmal nach Hause. Snorri schulterte die Jagdbeute, einige Wildhühner und sie marschierten los. Schon von weitem konnten sie die Aufregung hören, die in Leifsbouir herrschte. Einige Männer hatte wirklich gute Jagdbeute gemacht. Ein riesiges Tier mit einem Geweih, auf dem sich eine Menge Katzen hätten niederlassen können. Das Fleisch würde für sehr viele Tage reichen.
Spuren dieser Riesentiere, welche die Menschen Elche nannten, hatten die Katzen schon oft gesehen, doch nie eines zu Gesicht bekommen.

Eines Tages war Snorri wieder auf der Jagd und Aldavinur begleitete ihn. Eine Weile machten sie Rast bei den Fischottern, mit denen der Kater inzwischen gut Freund geworden war, dann wanderten sie weiter den Bach entlang. Fast einen halben Tag waren sie gelaufen, als sie ein lautes Krachen hörten. Sofort duckte sich Snorri ins Unterholz und auch der Kater drückte sich ganz flach an den Boden. Dann war eine Art schleifen und ein Geraspel zu hören. Einen Reim darauf konnte sich weder Snorri noch der Kater machen.

Von Bibern benagter Baum: berggeist007 / pixelio.de

Langsam schlich Snorri in die Richtung, aus der das Geräusch kam und nach einigem Zögern folgte ihm Aldavinur vorsichtig und mit gespitzten Ohren. Das erste was der Kater sah, war ein kleiner umgestürzter Baum. Der Baum war weder alt noch morsch, warum war er umgestürzt? Da raschelte es in den Ästen und ein pelziges Etwas kam zum Vorschein. Das Tier war viel grösser als Aldavinur, und hatte lange und kräftige Schneidezähne. Am auffälligsten war sein Schwanz. Der war ganz kahl und wirkte wie plattgedrückt.

Jetzt nagte der Plattschwanz an einem Ast und hatte ihn nach kurzer Zeit vom Stamm getrennt. Den abgetrennten Ast schleppte er zum Bach, wo schon einige andere Äste im Wasser lagen, das dadurch bereits etwas gestiegen war. Snorri verhielt sich Aldavinur gegenüber mittlerweile so, als ob der ein Mensch wäre. Deshalb flüsterte er ihm zu: „Schau Aldavinur, das ist ein Biber. Er baut gerade einen Damm.“ Der Kater schaute zu dem Biber, der bereits dabei war, den nächsten Ast in Wasser zu ziehen. Eine Weile beobachteten sie noch den Biber, dann brachen sie wieder auf. Jagdbeute hatten sie noch keine gemacht und der Tag war schon weit fortgeschritten. Doch am Nachmittag erlegte Snorri zwei grosse Vögel. Die Wikinger nannten sie Truthähne. Dann machten sie sich auf den Rückweg und trafen in Leifsbouir ein, als es bereits dunkel war.

Aldavinur machte noch einen Rundgang in seinem Revier. Plötzlich stieg ein leichter und unverwechselbarer Geruch in seine Nase.Da war eine Katze und sie war rollig! Wenn das so war, würde er in der nächsten Zeit nicht mehr mit Snorri gehen, sondern hier bleiben und sich um die Katze kümmern. Zu seinem Leidwesen wusste er, dass das die anderen Kater genau so sahen. Also würde er den anderen zeigen, wer hier das Sagen hatte. Dann war es für einige Zeit vorbei sein mit der Sanftheit der Riesen. Die folgenden Nächte waren ziemlich lautstark, denn jeder der Kater versuchte sich durchzusetzen.

Wer sich schliesslich durchsetzte konnte nie geklärt werden, vielleicht waren es auch mehrere Kater. Zwei Monde später bekam Dirfska sechs Kätzchen, aber nur vier überlebten die ersten Tage.

So zogen sich die Jahre dahin und auch Aldavinur starb schliesslich. Er hatte ein hohes Alter von sechzehn Jahren erreicht. Snorri begrub ihn neben seiner Mutter Geyfa im Wald unter demselben Baum. Und sehr oft besuchte er das Grab, denn Aldavinur war ihm ein sehr guter Freund geworden.

Nach einiger Zeit nahm er Engilbjört zu sich, eines der Kätzchen aus Dirfska’s Wurf. Engilbjört blieb die meiste Zeit in ihrem Revier und begleitete Snorri selten. Nach Engilbjört kamen im Lauf der Jahre Góðráð und dann der Kater Farmóður, der sich ein riesiges Revier eroberte und auch manchmal mit Snorri auf die Jagd ging.

Manchmal wurde Leifsbouir von den Skrælingar besucht, doch obwohl sie jetzt schon viele Jahre in Vinland lebten, waren die Wikinger nur sehr wenige Male bei den Skrælingar gewesen, denn die Zogen oft mit ihrem gesamten Hab und Gut an einen anderen Ort.

Für diesen Mittsommer wollten sie ein grosses Fest machen und auch einige der Skrælingar war schon seit längerem dazu eingeladen worden. Das Fest war zwar ziemlich ausgelassen, doch die Katzen mochten den Lärm nicht und streiften daher lieber durch ihre Reviere. Farmóður war am Anfang noch bei Snorri geblieben, denn er wartete noch auf die Schale frischer Milch, die er regelmäßig bekam. Einige der Skrælingar waren schon da und beobachten das ganze erstaunt. Denn so eine weiße Flüssigkeit kannten sie nicht. Thorvald, Leif’s Bruder gab den Skrælingar auch Schalen mit Milch, doch erst als Thorvald auch einen Becher davon trank, versuchten die Skrælingar das neue Getränk. Und so, wie es aussah, schmeckte es ihnen. Das Fest nahm seinen Fortgang und Farmóður verdrückte sich. Er musste sein Revier kontrollieren und frische Markierungen setzen.

Es dämmerte schon als er zur Siedlung zurückkehrte. Noch im Wald nahm er einen üblen Geruch wahr. Zwischen den Bäumen waren dünnflüssige Exkremente und sich rochen nach Mensch. Der Kater kümmerte sich nicht weiter darum, sondern lief zu Snorri’s Grassodenhaus und suchte sich eine Ecke zum Ausruhen. Die Skrælingar waren schon fort und die Wikinger schliefen noch. Erst am Nachmittag kamen sie aus ihren Häusern und begannen, die Reste des Festes aufzuräumen. Die nächsten Tage waren ruhig und nichts besonderes geschah.

Einige Tage später war Farmóður, wie die meisten Katzen auf seinem nächtlichen Streifzug. Erst im Morgengrauen kam er zurück, als er schon von weitem ein Furchtbares Geschrei hörte und es kam aus der Siedlung. Erst schlich er sich vorsichtig näher, dann duckte er sich in’s Gras. Was er sah, entsetzte ihn. Da waren Skrælingar, sehr, sehr viele Skrælingar und sie kämpften mit den Wikingern. Diese hatten die besseren Waffen aber die Angreifer waren einfach in der Überzahl. Es hatte unter den Wikingern schon vier Tote gegeben. Farmóður verstand nicht, was da vor sich ging. Er duckte sich tiefer in’s Gras und erst als ein Pfeil sich dicht neben ihm ins Gras bohrte, flüchtete er in den Wald. Den ganzen Tag und die folgende Nacht blieb er in einem Versteck. Dann hatte er Hunger. Er würde erst auf die Jagd gehen bevor er zur Siedlung zurückkehrte und nachschaute was eigentlich passiert war.

So kam es, dass er erst am Abend des nächsten Tages nach Leifsbouir kam. Doch Snorri war nicht da. Er untersuchte die anderen Häuser. Doch niemand war da. Auch die Kühe waren weg. Einige der Katzen hatten sich in dem Getümmel auch in den Wald geflüchtet und kamen wieder zurück. Alle waren sie ratlos. Sie fanden noch zwei Katzen, die sich in den Häusern versteckt hatte. Und so erfuhren sie, dass die Wikinger noch in der Nacht alles auf die Schiffe verladen hätten. Die Schiffe! Farmóður rannte zum Strand.

Der Strand war leer, wo waren die Schiffe?
Es waren keine mehr da, die Schiffe waren weg!

Vielleicht wären die Katzen von den Wikingern mitgenommen worden, wenn sie sich nicht im Wald oder anderswo versteckt hätten. Doch es war nun einmal so und Farmóður wusste, sie waren jetzt auf sich selbst gestellt. Sie waren alle gerne mit nach Vinland gekommen und sie würden bleiben.
Vielleicht kämen ja die Wikinger wieder.

Farmóður und die anderen Katzen würden darum kämpfen, sie würden bleiben und sie würden warten.

– Fortsetzung folgt –

Teil 1 hier klicken:  http://www.tiergeschichten.de/2013/07/17/die-reise-der-sanften-riesen-teil-1/

Teil 2 hier klicken: http://www.tiergeschichten.de/2013/07/17/die-reise-der-sanften-riesen-teil-2/




Autor: Mike

champicnac@yahoo.de


Fotograf/Künstler: © Sabine Menge, angelina.s...k..., berggeist007 / www.pixelio.de

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1 Kommentar

  1. edithtg
    edithtg

    Gottseidank, die Sonderzeichen sind noch da! Ich hatte schon Bedenken, dass ich Datensalat bekomme. Aber wenn die isländischen Namen hier auf meinem Mac mit verschiedenen Browsern lesbar sind, haben sie wohl alles heil überstanden.

    Tolle Geschichte! Den Wikingern und ihren Katzen würde ich, glaub‘ ich, auch ein ganzes Buch lang folgen.

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