Vier Katzen für ein Halleluja

Drachenflugtagsnebenwirkungen

Sonntag 11.08.2013 09:30 Uhr – El Paso – Westseite – 540 m Höhe
Temperatur 23 Grad – Niederschlag 0 mm – Luftfeuchte 22 % – Luftdruck 1012 hPa

Es ist einfach zu warm, um die Fenster geschlossen zu halten. Obwohl es längst noch nicht so warm ist wie man vorhergesagt hat, denn noch überschritten die Werte tagsüber auf unserer Höhe nicht die dreißig Grad Marke. Im Süden Gran Canarias war es aber gestern bereits 38 Grad, und heute soll es bei uns auch noch wärmer werden. Die Fenster bleiben also offen und lassen somit natürlich auch den Katzen jeden Weg, sich an der einzig verbliebenen Humanquelle der Unterhaltung zu laben. Die haben das ja nun mitbekommen, dass wir wieder auf Reisestatus fahren, die Damen sind weg, und man ist mit mir hier alleine unterwegs und konzentriert somit alle Aufmerksamkeit auf mich.

Lucky legt sich ziemlich unspektakulär neben die Füße, man bekommt sie eigentlich nur mit, wenn man sich mal zu schnell umdreht im Kampf um den Schlaf, und dann eben die Füße auf sie wirft. Lucky ist kein Problem. Mops auch nicht wirklich, allerdings bleibt der nicht liegen, der marschiert auf dem Bette mehrmals auf und ab, jammert dabei wie Ulli Hoeneß und zieht schließlich wieder beleidigt ab, weil eben aus einem fast schlafenden Mensch nicht andauernd Leckerlis oder frische Hühnerbrust quellen. Die wirklichen Problemkandidaten sind Paul und Mia, denn die körpern dann doch ganz gewaltig.

Paul ist eine feuchte Bedrohung, denn der kommt mitten in der Nacht an, setzt sich neben einen und fängt an das Gesicht mit seiner rauen Zunge abzuschlecken. Zunächst meist die Haare, wobei ich glaube, da verwechselt er mich mit einer Kurzhaarkatze, aber dann geht es auch über die Augen und den Mund und spätestens dann ist Schluss mit Schlafen. Nicht nur, dass es unangenehm ist, es tut auch irgendwann weh, wenn Paul das zehnte Mal mit seinem äußerst kratzbürstigem Schleckorgan die gleiche Stelle im Gesicht bestreicht, dann meint man schon, gleich löst sich die Haut und Blut fängt an zu spritzen, also versucht man sich dem schleckenden Monster irgendwie zu entziehen.

Unter die Bettdecke rutschen ist eine Möglichkeit, allerdings taugt das nur im Winter, im Sommer ist das einfach keine Lösung, auch weil Paul längst gelernt hat, wo Bettdecken einen Eingang besitzen. Meist muss man dann einfach ein Körperteil dem Paul als Beute überlassen, wenn man Glück hat, dann genügt ihm ein Arm zum Abschlecken und wenn die Müdigkeit ausreicht, dann übermannt einen doch noch der Schlaf, auch wenn eine spätpubertierende Katze ihre nicht gelösten Kindheitstraumata im Ellenbogen schmatzend abreagiert.

Für Paul machen wir eben alles, aber noch schlimmer ist die „Bitch aus Los Llanos“ drauf, die kecke und zickige Mia, die zwar nur halb so groß ist wie eine normale Hauskatze, aber dafür dreimal so frech. Die kommt dann auch noch angesprungen, fängt aber nicht an zu jammern oder zu schlecken, sondern legt sich komplett ohne jegliche Hemmungen einem mitten ins Gesicht.

Das Schnurren macht es gerade irgendwie erträglich, zumindest 15 Sekunden lang, dann braucht man mehr Sauerstoff und schüttelt das schwarze Monster ab, wobei man aufpassen muss, dass man dabei nicht den eingeschlafenen Paul weckt, der dann natürlich sofort wieder mit seinen Schleckattacken beginnt. Lucky ist nun auch wieder dabei wach geworden und sucht nun erneut eine gute Schlafstelle an den Füßen und Mops kommt schnürend über das Bett gelaufen weil er bei der ganzen Aufregung angenommen hat, dass der zappelnde Mensch dort unter der Bettdecke jetzt gerade mit Rinderfilet um sich wirft.

Gegen Morgen, also so um die 05:30 herum gibt es die Möglichkeit, die vier Monster loszuwerden. Ich gehe in die Küche, öffne vier Portionen parfümiertes Tierkadaver und wenn die vier Katzen dann so richtig am Schmatzen sind, dann flüchte ich zurück in mein Zimmer, ziehe die Tür hinter mir zu und schlafe dann noch bis acht Uhr im felinen Frieden. Um die Uhrzeit ist das Zimmer dann bereits so weit abgekühlt, dass man nicht mehr erstickt, und ein paar Stunden Schlaf sind allerbeste Belohnung und Halleluja für eine Nacht mit vier Katzen, die einfach Langeweile haben und deren Spielwiese halt im Moment nur auf eine Person konzentriert ist.

Jetzt schlafen die Vier friedlich in irgendwelchen Ecken, die können sich das ja leisten und denken sich sicherlich gerade, wie anstrengend doch die Nacht war, um den Zweifüßer doch irgendwie bei Laune zu halten.

Alleine mit vier Katzen, aber ich gebe es zu, es gibt schlimmere Geschichten.

Bekannter und gefürchteter Felinsoziopath, Leckerschmecker Paul




Autor: Mathias Siebold

m.siebold@la-palma-urlaub.de
http://www.la-palma-aktuell.de


Fotograf/Künstler: © Mathias Siebold / privat

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1 Kommentar

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 25. August 2013 at 09:16
    • Antworten

    Das Lesen macht großen Spaß, aber erleben möchte ich eine solche Nacht nicht…(lach)!

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