Ilse, die grüne Gartenspinne

Puh ist das heiß – Ilse schüttelt sich und krabbelt zum Rand ihres Netzes. Langsam krabbelt sie heute, weil es so heiß ist. Keine einzige Fliege surrt herum, um sich dann in Ilses Netz auszuruhen – kein Mittagessen heute. Ilse zuckt mit dem linken Beinchen – Gymnastik. In den letzten Tagen hat sie zu viel gespeist. Leckere kleine Eintagsfliegen gab es.

Ilse zuckt jetzt mit dem rechten Beinchen. Sie macht sich locker für die Arbeit. Ilse arbeitet sorgfältig und schnell. Sie ist eine Meisterin im Netzbau. Heute wird sie Vorratsbehälter weben. Vorratsbehälter für Fliegen und knusprige Mücken. Schön locker sollen die Behälter am Rand des Netzes schweben. Ilse hat ihr Netz zwischen den Rosenbüschen aufgespannt. Rosarote Rosen sind es. Ilse ist eitel. Sie weiß, dass sich ihr grüner Körper wunderbar vom Rosarot abhebt.

Ilse ist eine schöne Gartenspinne. Leuchtend grün der Körper, die acht Beine dunkelgrün und auf dem Kopf ein goldgelber Punkt. Und erst ihre gelben Augen! Leuchtend wenn die Sonne scheint. Ilse betrachtet sich jeden Morgen in den Tautropfen. Noch einen Vorteil hat diese leuchtend grüne Farbe. Giftig sieht das Grün aus, ungenießbar. Das finden auch die Vögel, die ab und zu auf den Rosen landen und lassen Ilse unversehrt. Ilse hört allerdings nicht gut und bemerkt heute nicht das Schnapp, Schnapp der scharfen Gartenschere. Und schnapp – Ilse klammert sich mit allen acht Beinchen fest. An die Rosenblüte klammert sie sich, klettert schnell hinein.

Zwei, drei, vier und noch eine Rose fällt in den geflochtenen Korb hinein – zusammen mit Ilse. Rosen und Ilse werden fortgetragen. Ilse merkt nichts davon. Sie ist in Ohnmacht gefallen. Vor Schreck. Nun wacht sie auf. Es ist hell um sie herum. Ilse späht aus der Blüte heraus. Mitten auf dem Tisch, in einer durchsichtigen Vase stehen die rosaroten Rosen jetzt.

Begeistert ruft eine helle Stimme: „Diese wunderschönen Rosen, lass mich daran schnuppern.“ Eine lange weiße Nase drückt sich hinein in die eine Rosenblüte. Es ist die Rosenblüte, in der sich Ilse versteckt hat. Ilse springt heraus – direkt auf die lange weiße Nase.

„Ihhhhhhh“, ein schriller Schrei ertönt. Paula, so heißt die Besitzerin der Nase, schreit laut und niest noch lauter. Vor Schreck, weil es in ihrer Nase kribbelt und auf ihrer Nase kitzelt. Das ist der Rosenduft zusammen mit Ilse, der grüne Gartenspinne.

Durch den Luftzug, wird Ilse durch die Luft gewirbelt, direkt hinaus aus dem geöffneten Fenster in den Garten. Schnell spinnt Ilse einen Faden Spinnenseide und segelt daran bis zu dem Beet mit den rosaroten Rosen. Ihr Heim darin ist zerstört. Das macht nichts. Ilse die grüne Gartenspinne webt ein neues Netz. Erst ein kleines und am nächsten Tag ein noch größeres Netz.




Autor: Ursula Gressmann




Fotograf/Künstler: © Erika Hartmann / www.pixelio.de

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4 Kommentare

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    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 16. Juli 2013 at 06:16
    • Antworten

    Bei dieser Geschichte muss ich sehr schmunzeln: Eine ähnliche Begegnung mit einer anderen „Ilse“
    hatte ich auch schon….schön beschrieben !

    1. Freue mich darüber, lb. Margrit, dass ich dir mit meiner Geschichte ein Schmunzeln entlocken konnte.
      (Hatte deine Ilse zwei oder acht Beine?)
      Viele Grüße von Uschi

  1. überall Spinnen, ich habe eine Phobie…nicht jedoch bei der scvhönen Geschichte von Uschi

  2. Hallo Hans – ich rette jede Spinne. (auch vor dem Staubsauger)
    Gruß Uschi

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