Banditen

Lustig sehen sie aus. Braune Augenklappen – wie Banditen. Dazu trompeten sie laut. Acht Nilgänse segeln auf dem Badesee, der Stockelache, an mir vorüber. Vor einigen Jahren landete Ein Nilganspärchen am See. Nie zuvor hatte ich diese Art bei uns gesehen. Erst noch scheu, fühlten sie sich schnell hier heimisch. Und es wurden mehr Gänse. Jedes Jahr bekamen sie Nachwuchs.

Fünf Junge hatten sie letztes Jahr und ich glaube, nicht nur mir machte es Vergnügen, zusammen mit ihnen im See zu schwimmen. Jeden Tag zählte ich die kleinen Federbällchen. Eins, zwei drei, vier fünf – und die Eltern. Alle da. Ich freute mich. Hin und wieder verringerte sich nämlich ihre Zahl. Einmal hatte sich die Familie auf insgesamt vier Gänse verringert. Schade, dachte ich.

Rührend war es zu beobachten, wie die Nilgänse versuchten, ihre Kinder ins Wasser zu locken. Keineswegs war dies selbstverständlich für die Kleinen. Sie wollten einfach nicht schwimmen gehen. Ein Elternteil, Vater oder Mutter, das konnte ich nicht sehen, schwamm ein Stückchen, drehte sich um und trompetete leise. Nichts. Niemand folgte. Nun kam auch der andere Partner ins Wasser. Die Kinder waren allein. Jämmerlich piepsend blieben sie an Land. Tagelang ging das so. Ich glaube, langsam verzweifelten die Eltern. Ab und zu erhoben sie sich sogar in die Luft und flogen ein Stückchen fort. Dieses Geschrei am Boden.

Endlich hatten es die Eltern dann geschafft. Die kleinen Gänse schwammen. Nicht unbedingt zusammen mit den Eltern, aber sie schwammen – mit Geschrei und Gepiepse.

Dieses Jahr habe ich zehn Gänse gezählt.




Autor: Ursula Gressmann




Fotograf/Künstler: © Ursula Gressmann / privat

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5 Kommentare

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    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 11. Juli 2013 at 09:09
    • Antworten

    Es gilt also auch für kleine Gänslein das Sprichwort:
    Aller Anfang ist schwer ?!

    • Ursula Gressmann on 11. Juli 2013 at 10:08
    • Antworten

    Wird stimmen, lb.Margit, oder es gibt auch wasserscheue Gänse.
    HG Uschi

  1. Warte ab, es werden immer mehr, was ja nicht schlimm ist sondern der Vielfalt guttut… meiner Erinnerung nach kann das für Borken (hess) nur gut sein.

      • Ursula Gressmann on 11. Juli 2013 at 15:10
      • Antworten

      Danke für deinen Kommentar Hans. Du musst ja schreckliche Erinnerungen an Hessen ,bzw.Borken haben.
      Klick doch einmal die Webcam „Stockelache“ an. Sehr schön ist es hier und erholsam.
      Es grüßt frdl.
      Uschi

  2. Ist das hier ein „running gag“ von außerhalb der Tiergeschichtenseite, dieses Gefrotzle über die Heimatregion des Mit-Autors? 🙂

    Ich muss jetzt aber nicht den ollen Schiller bemühen?
    „Holder Friede,
    Süße Eintracht,
    Weilet, weilet
    Freundlich über dieser Stadt!“

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