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Krähen – eine nicht ganz so ernstzunehmende Geschichte

Krähen sind hoch intelligente Vögel, deshalb könnte sich die folgende Geschichte genauso zugetragen haben.

Gisela, eine Frau in den mittleren Jahren, hörte morgens lautes Krähengeschrei. Ihr Mann war schon früh zur Arbeit gefahren, sie hatte drei Wochen Urlaub. Das Geschrei hörte einfach nicht auf und deshalb schaute sie nach. Sie ging in ihren Garten und sah, wie mehrere Krähen etwas auf ihrem Rasen umrundeten. Es lag ein Junges, was wohl aus dem Nest gefallen war, dort.

Sie wollte näher heran, doch die Krähen griffen sie regelrecht an. Gisela ließ sich aber nicht so leicht einschüchtern, sie wusste, dass das Junge Hilfe brauchte. Deshalb sagte sie in ruhigem Ton zu den Vögeln: „Entweder ihr lasst mich nachschauen was mit dem Kleinen ist oder ich gehe wieder hinein und das Baby wird von einer Katze geholt. Ihr müsst euch entscheiden.“
Als ob sie jedes Wort verstanden, hüpften die Krähen zur Seite.

Gisela sah sich das Junge ganz genau an, es war schon fast flügge, es ließ seinen rechten Flügel hängen.

Sie sagte zu den Krähen: „Ich muss euer Baby zu einem Tierarzt bringen, er muss sich das Kleine anschauen. Anschließend nehme ich es mit zu mir in die Wohnung und pflege es gesund. Natürlich dürft ihr es jeder Zeit sehen. Wenn ihr einverstanden seid, so sollen die Eltern zweimal krähen.“
Und wirklich, zwei von den Vögeln krähten.

Gisela nahm das Junge vorsichtig hoch und ging in ihre Wohnung. Die beiden Krähen, die ihr geantwortet hatten hüpften nebenher. Sie ließ die Terrassentür ein kleines Stück offen, so dass die Eltern des Krähenbabys alles sehen konnten, was sie tat.

Gisela nahm einen Schuhkarton, stach Löcher in den Deckel, legte den Boden mit einem weichen Handtuch aus und tat das Vögelchen hinein. Dann sagte sie zu den Eltern: „Ich schließe jetzt das Fenster und geh durch die Vordertür zu meinem Auto und fahre zur Tierärztin. Es sind ca. 5 km bis dorthin, ihr könnt mir ja folgen.“
Auch jetzt war es so, als ob die Krähen alles verstanden. Sie folgten dem Auto.

Beim Tierarzt angekommen setzten die Vögel sich auf das Dach des Hauses und beobachteten alles ganz genau. Gisela ging mit dem Krähenbaby in die Praxis der Tierärztin und dachte bei sich: „Wenn ich das jemandem erzähle, würde es mir bestimmt niemand glauben.“

Als sie dann aufgerufen wurde, stellte die Ärztin fest, dass der Flügel gebrochen war. Sie schiente ihn und sagte: „Der Verband muss jetzt drei Wochen dran bleiben, dann kommen sie wieder und ich schaue ob alles gut verheilt ist.“

Gisela nahm den Vogel und legte ihn vorsichtig in die Schachtel. Als sie wieder aus dem Haus kam, saßen die Krähen immer noch auf dem Dach. Sie stieg ins Auto und fuhr nach Hause.

In den nächsten drei Wochen versorgte sie das Kleine mit Futter und ließ auch oft die Terrassentür auf, so dass die Eltern ihr Junges sehen konnten. Am Anfang schauten sie nur, doch so nach und nach, kamen sie auch in die Wohnung und fütterten selbst ihr Baby.

Sie gewöhnten sich an Gisela und ihren Mann. Der war erst nicht so begeistert, denn er hatte ein bisschen Respekt vor Raben und Krähen. Doch weil er auch sehr tierlieb war, gewöhnte er sich schnell an die Situation.

Als die drei Wochen vorbei waren, ging es wieder zur Tierärztin, natürlich flogen die Eltern hinterher. Die Ärztin nahm den Verband ab und röntgte den Flügel. Der Bruch war gut verheilt, nur mussten die Muskeln erst einmal wieder aufgebaut werden, damit das Krähenjunge später auch fliegen konnte. Gisela erklärte alles den Eltern, damit sie auch wussten, warum sie immer den Flügel des Kleinen bewegte.

Nach vier Wochen, dass Baby war nun schon eine ausgewachsene Krähe, ging sie mit ihm in den Garten. Gisela setze es auf einen Ast und sagte zu den Eltern: „So nun ist der Kleine wieder gesund und ihr müsst ihm das Fliegen beibringen.“

Erst stellte sich das Kleine ziemlich ungeschickt an, Gisela dachte schon, dass es sich wieder verletzten würde, doch dann flog es auf einmal. Sie freute sich und wollte zurück ins Haus gehen. Dann drehte sie sich aber noch einmal um und sah, wie die beiden Eltern mit ihrem Kind auf den Apfelbaum landeten und zweimal krähten. Es sollte wohl „Danke“ heißen.
Dann flogen alle drei Krähen davon.




Autor: Gisela Kurfürst-Meins

gisela.meins@gmx.de


Fotograf/Künstler: © gammall3 / www.pixelio.de

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2 Kommentare

  1. Margrit Baumgärtner

    Ja, es stimmt, liebe Gisela, das Verhalten von Krähen ist oft erstaunlich. Man hört und liest immer wieder von außergewöhnlichen Begebenheiten. Oft sehe ich bei uns, wie die großen Vögel völlig angstfrei am Straßenrand umher spazieren. Auch das berühmte „Nüsse auf den Asphalt werfen“ habe ich schon direkt beobachtet..! Deine Geschichte könnte sich durchaus so ähnlich zugetragen haben….du hast sie überzeugend erzählt.
    Lieben Gruß!
    Margrit

  2. Gisela Kurfürst-Meins

    Danke liebe Margit. Du wirst lachen, diese Geschichte habe ich getreumt und am anderen Morgen gleich aufs Papier gebracht.

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