Fragen an den Mai

Verehrter Mai! Ich muss mich nun beschweren:
Wo ist dein „Blumenzepter“, wo dein „Mozart-Gruß“?
Willst du nicht bunten Farbenrausch beschwören ?
War „Himmelsblau“ und „Lächeln“ nicht dein Muss ?

Der „Mozart des Kalenders“- lobt ein Dichter !
(Und K ä s t n e r wusste wohl, wovon er sprach.)
Doch nun blickst du in fröstelnde Gesichter.
Frühlingsgefühle liegen einfach brach.

Die „Blaumeisen“, die „Drosseln“ und die „Finken“
sind auf der Suche nach dem „Farbenhain“.
Und „Pfauenaugen“ drohen zu ertrinken.
Kann das die „Symphonie des Glückes“ sein ?

Wo ist die „Kutsche“ mit den zügellosen Pferden ?
Sie scheuten und verliefen sich im Herbst ?
Gibt es nicht Einwände von den Naturbehörden,
weil du den Wonnemonat grau und dunkel färbst ?

„Melancholie und Freude sind wohl Schwestern“…!?
Wie wahr – und Erstere hat klar gesiegt!
Die milden Lüfte sind doch eher noch von gestern.
Warum warst du im Jahreslauf beliebt ?

Hier fehlen jedem Dichter schöne Reime,
Lyrik versinkt im Nebel, Regen, Sturm.
Die „atmenden Pastelle“ sind nur Träume.
Und „winkend“ zieht vorbei der Regenwurm.

(Zitate von: E R I C H   K ÄS T N ER – „Die 13 Monate“ – „Der Mai“)




Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


Fotograf/Künstler: © Ulrich Velten / www.pixelio.de

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1 Kommentar

  1. Diese Supergedicht verliert nichts von seiner Qualität auch wenn Margrit hier durch Kästner inspiriert wurde.

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