Geoffry

Geoffry war eines meiner Notmeerschweinchen. Er ist aus einer Kaltstallhaltung in die Obhut unseres Vereins gekommen. Dort hat er lange Zeit ohne Partner leben müssen. Das ist eine Katastrophe für ein Meerschweinchen. Es sind Rudeltiere die man niemals einzeln halten sollte. Viele Halter scheuen aber die Anschaffung eines neuen Schweinchens wenn eines ihrer Tiere verstirbt. Vor allem wenn die früher so begehrten Haustiere schon nicht mehr interessant sind und man die Haltung aufgeben will. Hier bei mir bekam der Kastrat nach einer Quarantänefrist natürlich sofort wieder eine hübsche Meerschweinchen-Dame zur Gesellschaft.

Er war ein liebenswürdiger, lustiger kleiner Kerl. Immer wenn ich die Notstation betreten habe, stand der Bursche schon am Gitter und hat gewartet bis er eine kleine Aufmerksamkeit bekam. Es war rührend wie er dann glücklich seine Erbsenflocke genossen hat. Das Glück für Tiere wie Geoffry liegt in so kleinen Dingen wie einer Erbsenflocke, frischem Gemüse und Heu, ausreichend Wasser und sauberen Einstreu.

Geoffry soll etwa 4 Jahre alt gewesen sein als er zu mir kam. In der letzten Woche hatte ich aber bereits den Gedanken das die Angabe vielleicht nicht richtig war und das er doch wesentlich älter ist. Sein Gang wirkte etwas stöckelig. Sorgen habe ich mir aber nicht gemacht. Er war agil, hat sehr gut gefressen und auch Gewicht zugelegt. Am Gewicht erkennt man bei Meerschweinchen am besten wie es mit der Gesundheit bestellt ist. Diese kleinen Gaukler sind Weltmeister im Verbergen von Krankheiten – ein Überbleibsel ihrer Wildform. Dort gefährden kranke Tiere das Rudel und werden vertrieben. Eine wöchentliche Gewichtskontrolle und eine gründliche Untersuchung der Tiere ist deswegen unbedingt notwendig.

Der letzte Samstag lief eigentlich ganz normal … Geoffry forderte wie gewohnt seine geliebte Erbsenflocke und fiel ansonsten nicht weiter auf. Bis zum verteilen der Gemüsemahlzeit. Geoffry stand wie immer am Gitter und wartete, doch dann sank er in sich zusammen und konnte nicht mehr aufstehen. Seine linke Seite schien beeinträchtigt zu sein, deswegen vermute ich, dass er eine Art Schlaganfall hatte.

Ich konnte nicht mehr viel für ihn tun, außer in seiner letzten Stunde bei ihm zu sein, ihn auf meinem Arm zu halten und dafür zu sorgen, dass er es warm hat. Er ist nach kurzer Zeit friedlich eingeschlafen und hat seine letzte Reise zum Fuß des Regenbogens angetreten.

Meine drei Katzen und mein Hund waren in dieser Zeit bei uns. Sie waren ganz still und haben sich um Geoffry und mich versammelt. Alle vier lieben ihre Meerschweinchenfreunde – es kam mir so vor als ob sie genau wußten was hier grade passiert.

Es ist traurig das ich ihn nicht mehr in ein liebevolles neues Zuhause vermittlen konnte. Er wird aber wohl nicht der einzige bleiben. Einige der Vermittlungstiere sind schon seit mehr als 2 Jahren in meiner Notstation. Das ist in etwa ein Drittel ihrer Lebenserwartung.

Trotzdem war Geoffry ein glückliches Schweinchen. In seinen letzten Monaten hatte er eine liebe Partnerin und alles was sich ein Meerschweinchen außerdem wünschen kann. Vor allem aber hatte er aber auch einen Menschen der ihn geliebt hat.

Mach es gut mein kleiner Freund Geoffry. Und denke an mein Versprechen: Ich werde dich nicht vergessen und dich eines Tages am Fuß des Regenbogens abholen.

Heute hatte ich ein sehr rührendes Erlebnis. Geoffrys Partnerin Betty stand am Käfigrand und hat auf ganz genau der gleichen Art und Weise meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie ihr Freund Geoffry es immer getan hat.

Selbstverständlich hat sie eine der geliebten Erbsenflocken bekommen.

Es wird immer Geoffrys geben die unsere Hilfe und unsere Liebe brauchen. Man darf im Tierschutz nicht müde werden, auch wenn es einem manchmal wie ein Kampf gegen Windmühlen vorkommt.




Autor: Klaus Albers

klaus.albers1@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Klaus Albers / privat

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1 Kommentar

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 22. April 2013 at 08:25
    • Antworten

    Es gibt sicher viele solche „Notmeerschweinchen“…wie schön, wenn es Menschen gibt, die sich auch um diese kleinen Nager kümmern !

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