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Der starke Löwe

Der Löwenvater er steht hier,
er hielt sich für das stärkste Tier.

Er glaubt, der König wohl zu sein
und sieht die andern schwach und klein.

Dann kommt er auf den Berg gerannt
und brüllt gleich seine Kraft durchs Land.

Und alle Tiere laufen fort
und suchen einen sicheren Ort.

Doch eh der Löwe sich versah,
da ist kein Tier mehr da.

Er brüllt den großen Hunger raus,
die Erde bebt so laut – o Graus.

Der Löwe hat nichts mehr zu essen,
er hätt’ so gerne Fleisch gefressen.

Da sitzt er nun, der arme Wicht,
und nirgends ist ein Tier in Sicht.

Sein Magen knurrt jetzt immerzu,
nicht mal im Schlaf hat er nun Ruh‘.

Da rennt er zu den Bauersleuten
und wagt es laut am Tor zu läuten.

Doch als die Leute ihn entdecken,
da will sich jeder gleich verstecken.

Der Löwe streift ums Haus herum,
der Hunger bringt ihn beinah um.

Da kommt er an den Hühnerstall,
bricht auf die Tür mit lautem Knall.

Die Hühner fliegen auf die Stangen,
da sitzen sie mit Angst und Bangen.

Der Löwe holt zum Sprunge aus,
da laufen alle Hühner raus.

Sie rennen gackernd kreuz und quer,
schon holt der Bauer sein Gewehr.

Er ballert los, es rummst und kracht,
die Kugeln fliegen durch die Nacht.

Und eine trifft des Löwen Bein,
das fand der König gar nicht fein.

So humpelt nun der Löwenmann
und klagt sein Leid so laut er kann.

Die Tiere hören das Gejammer,
ein jeder kommt aus seiner Kammer.

Und mutig sprechen sie ihn an.
„Wer, König, hat dir das getan?“

Ach lasst mich alle bloß in Ruh‘,
macht meinen Höhleneingang zu.

Der Löwe lag nun tagelang,
sein Lebensmut- o weh – der sank.

Er dachte nach, was er getan,
sah jedes Tier als Untertan.

Es reute ihn sein böses Denken,
er wollte sich von Einsicht lenken.

Er schleppt sich raus mit letzter Kraft
und hat es bis zum Berg geschafft.

Dann ruft er allen Tieren zu,
ich lasse euch ab heut‘ in Ruh.

© Hans-Werner Kulinna




Autor: Hans-Werner Kulinna

hanswernerkulinna@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Regina Kaute / www.pixelio.de

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2 Kommentare

  1. Margrit Baumgärtner

    Wenn Hunger quält den Löwenkönig
    nutzt guter Vorsatz leider wenig…..!

  2. Hans Witteborg

    Der Löwe ist davon gelöft
    kommt niemals wieder zum Gehöft.
    Hans-Werner schrieb die Löwenmär
    als wenn er dabei gewesen wär!

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