Einfach tierisch!

Eine nicht ernstzunehmende Betrachtung über Tiere in unserem Sprachgebrauch

Tiere sind alltäglich in unserer Sprache. Dies gilt im besonderen für die verschiedenen Dialekte, aber auch für das Hochdeutsche. Nicht selten bezeichnen wir da andere Menschen mit Tiernamen! Sei es nun als Schimpfwort oder als Kosewort. Bei Vergleichen müssen Tiere herhalten und auch im sonstigen Sprachumgang geht es manchmal recht tierisch zu.

Um bei der bildhaften bayerischen Sprache zu bleiben: Da ist eine kurze Wegstrecke ein Katzensprung, ein nervöser Mensch der „hosert“ (wie ein Hase) und ein Übergewichtiger hat keinen Bauch sondern eine Wampn wie a Kälberkuah.

Einen hinterhältigen Menschen nennt man in Bayern auch „Wadlbeißer“, womit ursprünglich kleine bissige Hunde gemeint waren. Überhaupt ist es seltsam, daß vor allem der Hund, der ja als bester Freund des Menschen bezeichnet wird, oft für Schimpfwörter herhalten muß. Blöda Hund, dumma Hund oder Hundling sind nur einige dieser Ausdrücke. Die Schimpfgewalt scheinen wir zu verdoppeln, wenn wir sagen Sauhund oder Schweinehund. Auch hier ist seltsam, daß sich zum Hund noch das Schwein hinzugesellt, welches ja so oft als Lieblingsbraten auf unseren Tellern liegt. Auch hier muß eine sonst beliebte und vielgefragte Tierart für Schimpfkanonaden herhalten.

Tierische Umgangssprache

Affen gibt es bei uns zur Genüge, obwohl ihre Heimat ganz woanders ist. Dies können ganz gewöhnliche Affen oder im besonderen auch Lackaffen sein. Vielleicht spielt einer auch nur in einem Affentheater mit. Gelegentlich bringt der eine oder andere einen Affen von einem Wirtshausbesuch mit nach Hause. Im Anschluß danach wird er wie ein Murmeltier die Nacht durchschlafen. Erst am nächsten Morgen kommt der große Katzenjammer, wenn er mit einer Katerstimmung stumm wie ein Fisch mit einem Spatzenhunger am Tisch sitzt. Er wird wohl an diesem Tag mit den Hühnern schlafen gehen!

Exotisch wird es auch, wenn sich jemand wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt. Selbst als Ersatzbezeichnung für Geld müssen Tiernamen herhalten. Nämlich dann, wenn sich der begehrte Mammon in Kröten, Möpse oder Flöhe verwandelt.

In unseren Familiennamen kommen ebenfalls häufig Tiere vor. Hier sind es Fuchs, Wolf, Vogel, Schimmel, Hirsch, Hecht und Wurm, die relativ oft vertreten sind. Bei vielen Ortsnamen sind ebenfalls Tiere im Spiel. Für Kosenamen müssen nur wenige Tiere wie Maus, Spatz, Bär, Hase, Katze, Käfer und Igel herhalten. Allerdings werden diese Namen verniedlicht abgewandelt, so daß aus der grauen Maus ein Mauserl oder Mausi, aus dem Spatz ein Spotzerl und aus dem großen dickfelligen Bär ein Bärchen oder Bärli wird. Es soll aber vorgekommen sein, das aus dem Käfer nicht nur ein Käferl oder Käferchen sondern auch schon mal ein Mistkäfer geworden ist.

„Ich glaub, mich tritt ein Pferd!“

Viele glauben, wenn sie überrascht sind, daß sie der Affe laust, ein Pferd tritt oder ein Schwein beißt! Dies kann der Fall sein, wenn einem zu Ohren kommt, daß die Nachbarn über einem reden und schnattern wie die Gänse oder gackern wie dumme Hühner. Kein Grund also, um stolz wie ein Hahn, Schwan oder Pfau zu sein.

Manche sind emsig wie eine Biene, andere wiederum rackern wie ein Pferd oder ein Ackergaul. Dies ist oft nötig, damit die Mäuse ausreichen, um leben zu können, damit nicht schon bald der Pleitegeier über ihnen schwebt. Allerdings sollten diese sich im klaren sein, daß es für sie gesünder wäre, wenn sie im Schneckentempo arbeiten würden, auch wenn der Chef sie zur Schnecke macht.

Manchmal geht es auch zu wie in einem Taubenschlag, obwohl gar keine Tauben gegenwärtig sind. Auch Eselsohren hat wohl jeder in seinen Büchern und auf den Dächern sind die Wetterhähne und Biberschwänze zu Hause. Allgemein bekannt ist, daß es Flohmärkte ohne Flöhe und Schweinereien ohne dieselbigen gibt. Es existieren aber manchmal auch Sauställe ohne Säue. Nur, mit einer Vogelstraußpolitik sehen dies viele nicht. Dies gilt vor allem, wenn einem ein Kuckucksei ins Nest gelegt wurde! Als Anführer einer Meute lebt man ja lieber wie die Made im Speck. Es soll natürlich auch Menschen geben, die ihren inneren Schweinehund überwinden um nicht mit den Wölfen heulen zu müssen.

Um noch etwas in der Tierwelt zu bleiben: Gar mancher aalt sich in seinem Erfolg oder er igelt sich ein. Ob diese mit ihrem Verhalten schlau wie ein Fuchs sind, mag dahingestellt bleiben! Es gibt allerdings auch Wölfe in Schafskleidern die scheinbar fromm wie ein Lamm sind. Manche singen auch wie eine Nachtigall oder Lerche. Andere haben Adleraugen oder Augen wie ein Luchs. Dies gilt aber nicht für Brillenschlangen, die wiederum keine giftigen Schlangen sein müssen. Dafür sind manche dumm wie eine Ziege oder stur wie ein Ochse. Wobei es fraglich ist, ob die genannten Tiere wirklich diese Eigenschaften besitzen.

Geflügelte Worte

„Ein lebendiger Hund ist besser als ein toter Löwe“, sagte ein alter Prediger. Ein ähnliches Zitat lautet: „Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach.“ Ein Traumhaus ist ein Wolkenkuckucksheim und der Löwenanteil ist der größere Teil vom Ganzen. Aus dem griechischen stammen auch die Aussprüche: „Sich in die Höhle des Löwen wagen,“ sowie „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Lateinisch wird es, wenn man sagt: „Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul.“ Es kann natürlich auch alles für die Katz sein! Um zum Abschluß noch Goethes Faust zu zitieren: „Das also war des Pudels Kern“.

© Walter J. Pilsak




Autor: Walter J. Pilsak

walter.pilsak@gmx.de

www.pilsak.de


Fotograf/Künstler: © Walter J. Pilsak / privat

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2 Kommentare

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 10. April 2013 at 09:48
    • Antworten

    Schon auffallend, wie viele tierische Redewendungen es gibt….Interessant dargestellt und man bekommt Lust, die Liste noch fortzusetzen.

  1. Da sieht man mal was diese Geschöpfe für uns von Bedeutung sind!

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