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Hundenachwuchs im Advent

Eine rührende Geschichte aus der Vorweihnachtszeit

Vorweg gesagt: Wir sind Hundeliebhaber und Besitzer zweier Hunde beziehungsweise zur Zeit, in der sich diese Geschichte abspielte, waren es drei. Hunde sind wunderbare Geschöpfe, vor allem dann, wenn sie in der Familie groß werden und Tag und Nacht um einem herum sind. Sie verstehen jede Geste von Herrchen und Frauchen und kein noch so enger Familienangehöriger hat so eine überschwängliche Freude wie ein Hund, wenn man nach Hause kommt. Und wenn die Kinder, so wie bei uns, schon groß und aus dem Haus sind, bringen diese liebenswerten Vierbeiner wieder Abwechslung und pulsierendes Leben ins Haus.

Unser Hund Nr. 1 und unsere Patriarchin war die sanftmütige Bernersennerhündin „Bella vom Alpenblick“. Sie hatte fast das biblische Alter von 12 Jahren erreicht, was für diese Hunderasse außergewöhnlich ist. Doch jetzt schien es langsam aber unaufhaltsam ihrem Ende zuzugehen. Ein schweres Hüftleiden machte ihr immer mehr zu schaffen und auch das Herz schlug nicht mehr so wie es sollte. Dazu kam noch, dass sie an Asthma litt. Kurzum, sie schlief fast den ganzen Tag über.

Unser zweiter Mitbewohner ist die Langhaardackel-Dame „Lonni“. Sie ist der Nachwuchs einer Dackelmutter normaler Größe und eines Zwergdackels. Charaktermäßig hat sie nicht viel von dieser als eigensinnig bekannten Rasse. Sie mussten wir uns ins Haus holen, als vor fast sieben Jahren ihr Vorgänger, ein schwarzer Langhaardackel im Alter von elf Jahren in den Hundehimmel übersiedelte. Bella wurde damals vor Kummer immer kränker, so dass wir gezwungen waren, für den Dackel einen Nachfolger zu suchen. Wir kamen dadurch zu unserer liebesbedürftigen, sensiblen Lonni. Bella schien Muttergefühle für die winzige, unterentwickelte Lonni zu entwickeln und bekam wieder Freude am Leben. Die beiden verstanden sich prächtig. Dies ging soweit, dass Lonni regelrecht krank wurde, wenn sie einen Tag von Bella getrennt war.

Schon sieben Jahre lebte dieses ungleiche Paar mit uns zusammen. Doch nun mussten wir befürchten, dass Bella auch bald ihren Abschied nehmen würde! Jetzt tauchte wieder das gleiche Problem auf. Wie finden wir den richtigen Gefährten für unsere Dackelin! Anfang Dezember besuchten wir mit ihr ein Tierheim in unserer Nähe. Sollten wir einen geeigneten Hund finden, wollten wir während der nächsten Wochen solange Probespaziergänge machen, bis sich die beiden Hunde aneinander gewöhnt hätten. Da wir als eventuellen Nachfolger für unsere Bernersennerin wieder einen großen und wenn möglich auch jungen Hund haben wollten, war die Suche gar nicht so einfach. Als wir einen gutmütigen einjährigen Schäferhund fanden, machten wir den ersten Spaziergang. Doch dieser wurde für den Dackel zu einem Martyrium, da er vor dem großen Tier panische Angst hatte, obwohl dieser gutmütig war. So gaben wir unser Vorhaben auf und wollten erst einmal abwarten.

Nun tritt Hund Nr. drei auf den Plan; Es war an einem Adventsonntag auf dem Weihnachtsmarkt unserer Stadt. Meine Ehefrau war dort in einem Stand tätig, als sie einen Anruf auf dem Handy bekam. Es war unser elfjähriger Neffe Christian, der meinte: „Du, Tante! Ich habe das ganze Wochenende über auf einen jungen Hund aufgepasst. Als ich ihn jetzt der Besitzerin zurückbringen wollte, hat diese ihn nicht mehr genommen. Sie sagte, dass sie den Hund nun doch nicht gebrauchen könne. Ich soll mit ihm machen was ich will! Tante, du hast doch einmal gesagt, dass ihr für euere Bella bald einen Nachfolger braucht. Kannst du diesen jungen Hund nicht nehmen? Er ist so lieb. Wir können ihn nicht behalten, da wir ja schon zwei Hunde haben. Unsere Vermieterin hat gesagt, dass wir die Wohnungskündigung bekommen, wenn wir ihn behalten würden.“ Meine Frau erwiderte: „Christian, ich bin jetzt auf dem Weihnachtsmarkt und kann das nicht so einfach entscheiden. Ich muss erst mit meiner Familie darüber reden. Wir kommen am Abend mal vorbei, schauen ihn an und besprechen alles weitere.“

Einige Stunden später waren wir schon in der betreffenden Wohnung, um uns das junge Hündchen anzusehen. Es war ein niedlicher kleiner Kerl. Er sah aus wie ein junger Collie, nur dass er Barthaare hatte wie ein Schnauzer.

Die Mutter von Christine sagte: „Ich muss den Hund der Frau leider wieder zurückbringen, da wir ihn auf keinem Fall behalten können. Die aber sagte zu mir, dass sie das Hündchen dann in einen Hundezwinger bringen würde! Ich weiß nicht was ich mit dem kleinen Kerl machen soll. Er tut mir ja so leid!“ Als wir dies hörten, gab es für uns kein Zaudern mehr. Da wir sowieso schon auf der Suche nach einem eventuellen Nachfolger unserer Bella waren, fiel uns die Entscheidung leicht. Wir nahmen das bemitleidenswerte Geschöpf mit nach Hause. Doch am nächsten Tag erhielten wir eine Nachricht, die bei uns eine Gänsehaut entstehen ließ. In der darauffolgenden Nacht, als wir den Welpen mit nach Hause nahmen, brannte die Wohnung der Frau aus, die den Hund nicht mehr zurücknehmen wollte, wobei auch ihre Katze ums Leben kam.

Die ersten beiden Tage gab es zwar einige Machtkämpfe zwischen unserer Dackeldame und dem Familienneuling, doch dann vertrugen sich die beiden prächtig. Auch die Bernersennerin Bella akzeptierte den Welpen sofort. Jetzt, da wir sahen, dass die drei Hunde gut miteinander auskamen, wurden wir neugierig und wollten mehr über seine Herkunft wissen. Meine Frau rief in dem Tierheim an, in dem er zuvor war. Was wir hier hörten, war fast schockierend. Unser Hündchen war einer von vier Welpen. Gefunden hatte man sie jenseits der Grenze in unserer tschechischen Nachbarstadt. Dort hatte sie jemand während der Nacht in einer Schachtel nahe des Rathauses abgestellt.

Sie waren in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. Die Frau des dortigen Bürgermeisters veranlasste, dass die Welpen in ein Tierheim in Deutschland gebracht wurden, da in dem dortigen Tierheim die Hunde nur in Zwingern untergebracht wurden. Als die vier Welpen im Tierheim ankamen wurden sie fürsorglich aufgepäppelt. Wir gaben unserem Familienzuwachs den Namen Laica. Sie wurde eine wunderschöne Hündin mittlerer Größe mit cremefarbenen, langen Haaren. Da sie sehr gelehrig ist, lernte sie die gebräuchlichsten Hundekommandos sehr schnell. Sie ist kurzum ein Hund, so wie man sich ihn wünscht!

Heute, fast 13 Jahre später, haben wir unsere Laica immer noch. Sie ist mittlerweile unser einziger Hund und sie erfreut sich bester Gesundheit. Was die Anhänglichkeit und Intelligenz betrifft, ist unsere Laica einzigartig. Wir fürchten schon heute den Tag, an dem wir uns von ihr verabschieden müssen!

© Walter J. Pilsak




Autor: Walter J. Pilsak

walter.pilsak@gmx.de

www.pilsak.de


Fotograf/Künstler: © Walter J. Pilsak / privat

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2 Kommentare

  1. edithtg
    edithtg

    Auch wenn die Geschichte im Advent spielt … ich habe sie jetzt gleich veröffentlicht. 1. Isses immer noch a***kalt draußen und 2. ist die Begebenheit, bis auf die Erwähnung des Weihnachtsmarkts, im Grunde jahreszeitlich neutral. Plötzlicher tierischer Familienzuwachs kann immer passieren.

  2. Margrit Baumgärtner

    „Hunde im Karton“ haben immer eine fragliche Herkunft und eine noch fraglichere Zukunft….Laica hat Glück gehabt !

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