Bello

Die Urlaubsreise kommt in Gang.
Auch ich darf mit und freue mich.
Die Fahrt – sie dauert sicher lang.
Im Autozwinger liege ich.

Das Gitter bin ich längst gewöhnt.
Mein Frauchen sitzt am Steuer.
Im Auto hab’ ich nie gestöhnt.
Es ist mir heut’ nicht ganz geheuer.

Sie sprechen leise vor sich hin.
Ich denke an den Hundestrand.
Was haben beide bloß im Sinn?
Die Leine hält er in der Hand.

Ich starre auf die Reisesachen.
Mein Hundemagen, der ist leer.
Sie wollen gleich wohl Pause machen
und Herrchen kramt die Leine her.

Sie halten auf dem Rastplatz an.
Auch ich darf aus dem Käfig raus.
Sie schleppen Proviant heran.
Mein Fell sieht ziemlich struppig aus.

Die beiden trinken ihren Tee.
Auch ich bekomme Hundeknochen.
Doch irgendetwas tut mir weh.
Mein Hundeherz beginnt zu pochen.

Ich seh’ sie um den Posten steh’n.
Das Frauchen zieht an meinem Beine.
Da ist es schon um mich gescheh’n.
Mein Herrchen spannt die Hundeleine.

Sie binden mich an einen Pfahl.
Ich kann es kaum begreifen.
Wer überlegt sich solche Qual?
Dann seh’ ich nur noch Hinterreifen.

Ich belle, renne hin und her,
sie lassen mich allein zurück.
Vorbei saust rasend der Verkehr.
Am Abend kam das große Glück.

Sie binden mich schnell wieder los.
Ich spüre, dass sie zu mir steh’n.
Die Freude, sie ist riesengroß.
Nun muss ich nicht ins Tierheim geh’n.

Ob Mensch, ob Tier, das ist egal,
so schließ’ dein Herz nicht zu.
Wenn jemand leidet solche Qual,
er fühlt genau wie ich und du.

© Hans – Werner Kulinna




Autor: Hans-Werner Kulinna

hanswernerkulinna@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Ingrid Kranz / www.pixelio.de

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1 Kommentar

  1. Diese Verantwortungslosigkeit und Quälerei nimmt weiter zu. Ein gutes, mahnendes Gedicht.

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