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Baumgaertner

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Meine EQUITANA, Teil 2

„Der spinnt!“ – So musste sich Wolf Kröber beschimpfen lassen, als er Anfang der 70er Jahre die Idee einer Pferdemesse umzusetzen versuchte. Nach den 5 Tagen der 1. EQUITANA waren diese Stimmen schlagartig ruhig gestellt. Die Messe war ein voller Erfolg gewesen. Die Besucherzahlen lagen weit über den Erwartungen. Aber einige Kritikpunkte gab es auch: Die Pferde waren in den frei zugänglichen Stallungen einem zu hohen Stress ausgesetzt gewesen. Bei einigen Tieren hatte das deutliche Spuren hinterlassen (Gewichtsverlust). Bei der nächsten EQUITANA, die sofort für das nächste Jahr geplant wurde, wollte man das besser machen.

Als ich 1973 die 2. EQUITANA besuchte, war ich auf diese Veränderung durch die Presseberichte gefasst. Etwas Enttäuschung konnte ich nicht verbergen, als ich bemerkte, dass die meisten Pferdeboxen nun in einem seperaten Teil lagen. Aber mir war auch klar, dass es zum Wohle der Tiere so sein musste. Mit meiner „Stallbegehung“ war es also vorbei. Dafür aber hatte sich der Punkt „Vorführungen im großen Ring“ um so viele Darbietungen erweitert, dass man viele Pferde zu Gesicht bekam und auch noch immer die eine oder andere Pferdenase streicheln konnte.

Der Erfolg der Messe überstieg das Vorjahr noch erheblich. Nun plante man langfristig: Alle 2 Jahre – immer an den ungeraden Jahreszahlen – sollte die EQUITANA nun stattfinden. Die Aussteller- und Besucherzahlen stiegen dabei stetig. Wolf Kröber musste nicht mehr um Teilnehmer betteln, man rannte ihm vielmehr die Türen ein. Bald platzte die Messe aus allen Nähten. Doch die Messe Essen wuchs mit. Die Hallenzahl wuchs, die Ausstellungstage wurden von 5 auf 9 erhöht.

Immer mehr Pferderassen aus dem Ausland wurden gezeigt: FJORDPFERDE aus Norwegen, FRIESEN aus den Niederlanden, SHIRE-HORSES aus Irland, ANDALUSIER und LUSITANOS aus Spanien/Portugal, NORIKER aus Österreich, FREIBERGER aus der Schweiz, KLADRUBER aus der ehemaligen Tschechoslowakei, MANGALARGA MARCHADORES aus Brasilien, und … und …und …

Der wirtschaftliche Erfolg ließ die Kassen klingeln, die einst belächelte „Pferdeschau“ wurde zur Weltmesse mit gigantischen Dimensionen. Die Besucherzahlen stiegen und stiegen. Jede Persönlichkeit aus der Reiterszene wollte dabei sein: Sportler, Züchter, Olympiagewinner…aber auch Politiker und Wirtschaftsbosse ließen sich nun gerne auf der erfolgreichen Messe abbilden. Die gesamte deutsche Reitszene entwickelte sich in den 70er und 80er Jahren hin zu einer Freizeitszene. Reiten nicht mehr nur für Elite und Sport, sondern für die ganze Familie. Die Zahl der Reitbetriebe, der aktiven Reiter/innen, die Zahl der Reitpferde (verschiedener Rassen) wuchs und wuchs…

Ach ja – und ich wuchs auch: 1973, ´75, ´77 war ich noch EQUITANA-Besucherin. Dann verließ ich Essen zum Studium in Richtung Süden. Und Stuttgart war so weit weg… Die Messe-Entwicklung verfolgte ich nun meist aus der Ferne. Nur 1987 ergab sich wieder ein Besuch zum Messe-Zeitpunkt. Diese 9. EQUITANA wurde von der englischen Prinzessin Anne eröffnet. Beim Rundgang staunte ich, wie „meine EQUITANA“ gewachsen war. Der Messe-Umsatz wurde später auf 25 Millionen DM geschätzt.

Zehn Jahre später – 1998 – bekam die EQUITANA eine „Tochter“: Die EQUITANA Open-air fand von nun an auf der Galopprennbahn Neuss statt – und zwar jeweils in den Equitana „freien“ Jahren mit gerader Jahreszahl. Aber das war noch nicht alles. Die Jahrtausendwende brachte weitere Neuerungen …

Im nächsten Teil: Gala und Show




Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


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3 Kommentare

  1. Ingo Baumgartner

    Sehr interessanter Bericht, Margrit. LG Ingo

  2. Margrit Baumgärtner

    Herzlichen Dank, Ingo! Außerdem danke an Frau Nebel für das Foto mit dem Andalusier-Schimmel !

  3. Hans Witteborg

    Zaumzeug, Sattel Stallgeruch ist was Margrit heut noch sucht.

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