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Baumgaertner

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Meine EQUITANA, Teil 1

Möglicherweise kann es sein, dass gar nicht alle Menschen mit dem Wort EQUITANA etwas anfangen können. Für mich zwar unvorstellbar, aber ich bin ja auch „doppelt vorbelastet“: Durch den Ort des Geschehens und durch das Thema. Der Ort ist meine Geburtsstadt und das Thema ist (Überraschung!)das Pferd. „Equus“ – lat. das Pferd – gab der Veranstaltung in Essen den Namen: Die EQUITANA ist die größte Pferdemesse der Welt!

Wenn ich die Dreistigkeit habe, von „meiner EQUITANA“ zu berichten, dann deswegen, weil ich von Anfang an sehr nah dabei war. Und dieser Beginn liegt nun schon gut 40 Jahre zurück. Vier Jahrzehnte lassen sich nicht in wenigen Sätzen wiedergeben. Daher folgt „meine EQUITANA-Geschichte“ in mehreren Teilen:

Ein knapp 13jähriges Mädchen war ich im Frühjahr 1972, wohnte in meinem Elternhaus nicht weit entfernt vom GRUGA-Park und den anliegenden Messehallen. Eine neue Messe war angekündigt worden – eine Pferdemesse. Eine Pferdemesse..? Es galt als Wagnis und wurde belächelt. Die Idee eines Irren und sicherlich erfolglos..? Wie sehr die Kritiker sich irren sollten. Der Reitsport für die breite Masse bzw. das „Freizeitreiten“ lag ja damals bestenfalls noch in den Windeln.

5 Tage waren für diese erste Veranstaltung angesetzt und ich erinnere mich noch gut daran, wie stolz ich eine „Dauerkarte“ für diesen Zeitraum zum Preis von ca. 12-15 DM erworben hatte. (Genau weiß ich es nicht mehr.) Als dann die Tore der Messe geöffnet wurden, konnte ich es kaum abwarten. Direkt nach Schule, Mittagessen, Hausaufgaben machte ich mich auf den Weg – und zwar zu Fuß. Von zu Hause führte ein „Schleichweg“ durch einen kleinen Wald und ich war nach ca. 20 Minuten an einem Messe-Nebeneingang.

Der typische „Pferdeduft“ hing über dem ganzen Gelände und in allen Hallen. Damals waren es „nur“ 5 Hallen (heute sind es 18). Dinge wie Reitzubehör, Nahrung, Stallbauten u.s.w. interessierten mich nur am Rande. Vor allem wollte ich direkt zu den Pferden. Und diese warteten in improvisierten Stallungen in den letzten zwei Hallen – frei zugänglich für alle Besucher (was sich später als Fehler herausstellen sollte). Schöne Tiere standen hier: Wertvolle Reitpferde, aber auch schon einige ausländische Pferderassen.

Der Amerikaner Alan M. Jacob hatte das 1.(!) Quarter Horse nach Essen gebracht, das erste „Westernpferd“, welches europäischen Boden betrat. Ich sehe dieses Paar noch deutlich vor mir: „Wahnsinn“ – ein „echter“ Cowboy und ein „echtes“ Cowboypferd“. Beide wurden bestaunt wie Außerirdische. Gut erinnere ich mich, wie einfühlsam der Mann das leicht nervöse Pferd beruhigte. Ein wahrer „Pferdeflüsterer“, lange, bevor es dieses Wort überhaupt gab.

Aber zurück in die Stallungen: Hier wurden die Pferde betätschelt und begutachtet. Und dazwischen „wuselten“ die Reiter/innen hin und her. Sie mussten ihr Pferd putzen und satteln, um es im großen Vorführring zu einem bestimmten Programmpunkt vorzustellen. Sie waren meist allein, unter Zeitdruck, im Stress – und hatten keine Möglichkeit, ihr Pferd anzubinden. Suchend gingen ihre Blicke umher… Stand da nicht ein junges Mädchen, still wartend, mit fragendem Blick?

„Kannst du mal kurz helfen und mein Pferd halten?“
„Na klar!“
Das Mädchen – ich – strahlte …

In den nächsten Tagen (ich hatte ja eine Dauerkarte!) ging ich die Sache systematisch an: Schule, Mittagessen, Hausaufgaben, EQUITANA. Zielsicher lauerte ich zwischen den Pferdeboxen auf die Reiter mit dem verzweifelten Gesichtsausdruck…

„He du – hätlst du mal kurz?“ – „Gern!“

(Im nächsten Teil: Die EQUITANA schlägt ein wie eine Bombe)

Die Foto-Collage zeigt das erste Original EQUITANA-Emblem, zwei Isländer im Vorführring und mich (zwar nicht im Messe-Stall, aber in einem Urlaubsbild vom Sommer 1972).




Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


Fotograf/Künstler: © Margrit Baumgärtner / privat

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1 Kommentar

  1. Edith Nebel

    Stimmt, wenn man von Anfang an wo dabei war, hat man irgendwie das Gefühl von „meins“. So geht es uns mit einem ziemlich großen regionalen Elektronikmarkt hier in der Gegend. Den Laden kannten wir schon, als er noch sooo eine kleine Garagen-Klitsche war, in der die beiden Gründerväter vor sich hinwerkelten.

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