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Fritz Rubin

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Das neunte Kreuz

Ich fahre sie mehrmals im Monat,
diese Strecke mit den acht Kreuzen am Straßenrand.
Mit der Zeit hatte ich mich an sie gewöhnt,
irgendwann stand dann mal wieder ein neues Kreuz,
ein tödlicher Verkehrsunfall.
Acht Kreuze hatte ich bislang gezählt,
na ja, so hundert kann man fahren,
vielleicht auch etwas schneller,
bei 120 km fährt man in drei Sekunden
etwa einhundert Meter,
wenn man den Baum sieht in zehn Metern Entfernung,
wenn der dann auf einen zukommt,
dann lebst du nur noch 0,3 Sekunden.
Leichtsinn, überhöhte Geschwindigkeit,
Trunkenheit,
Überschätzung der eigenen Kräfte
und der physikalischen Energie, zu schnell,
Crash, Stille, Sirenen der Rettungsfahrzeuge,
es gab nichts mehr zu retten.
Acht Vornamen und ihr Alter, acht Leben ausgelöscht,
noch ehe es richtig begann.
Gestern stand da ein neues Kreuz, das neunte,
< Andy – 18 Jahre >
Betroffenheit in mir,
ich reduzierte das Tempo meines PKW
für wenige Minuten auf der Rückfahrt,
ein kurzer Blick auf das neunte Kreuz…

… wann steht das nächste?

© Fritz Rubin, 05. April 2005, Othfresen




Autor: Fritz Rubin

fritzrubin@online.de
www.fritzrubin.de


Fotograf/Künstler: © dietermann / www.pixelio.de

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2 Kommentare

  1. Hans Witteborg

    sh. auch hierzu mein Gedicht immeinem Gedichtband „Vom Ufer aus“

    Am Strassenrand

    Irgendwo am Strassenrand,
    die Kurve um den Holzeinschlag,
    ein schlichtes Holzkreuz, darauf stand
    ein Name – Geburts- und Todestag.
    Grad neunzehn Jahre wurde er,
    bevor der Tod ihn schnell ereilte,
    der Eltern Schmerz unendlich schwer
    wohl als man seinen Tod mitteilte.
    Und unwillkürlich denkt man dran,
    an ihn, den man ja gar nicht kannte.
    Was war das für ein junger Mann,
    dem Gott den Todesengel sandte?
    Voll Lebensfreude, ungestüm,
    nichts galt es zu verlieren
    dem Leichtsinn umso mehr verfallen,
    wem wollte er wohl imponieren?
    Wem wollte er durch Mut gefallen?
    Doch nun das Kreuz am Strassenrand
    geschmückt mit welkem Blumenstrauß.
    Ein Kreuz auf dem ein Name stand,
    man fährt vorbei…. lernt wer was draus?

  2. Fritz Rubin

    Hallo Hans,
    eindrucksvoll geschrieben,
    ja, das sind dann die Momente, die einen tief durchatmen lassen, man fährt daran vorbei … und …. schon …vorbei.
    Nach einem Sommerurlaub auf Rügen mit den wunderschönen Alleen, die sich über die Insel schlängeln, mit den zahlreichen Kreuzen am Straßenrand musste ich diese Impressionen „los“ werden.
    Täglich werden es mehr Kreuze – an bundesdeutschen Straßenrändern!!!
    Nachdenkliche Grüße aus Othfresen
    Fritz

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