Virginia Ironside: Nein, ich geh nicht zum Seniorentreff!

Eine Buchempfehlung – nicht nur für Oldies.

Virginia Ironside: Nein, ich geh nicht zum Seniorentreff!, OT: The Virginia Monologues, Deutsch von Gertrud Wittich, München 2012 (Hardcover-Ausgabe: 2011), Goldmann Verlag, ISBN 978-3442472567, 320 Seiten, Softcover, Format: 18,6 x 11,8 x 2,4 cm, EUR 8,99.

Als Pennäler habe ich sehr gerne gelesen, ich war sozusagen eine „Leseratte“. Die Bände von Karl May habe ich verschlungen, die Abenteuer des Huckelberry Finn und seines Freundes Tom Sawyer von Mark Twain miterlebt und mitgelitten, die „Schatzinsel“ von R.L. Stevenson verzauberte mich, selbst das „Alte Testament“ gehörte genauso zur Lektüre, wie die Südstaaten – Trilogie „Tiefer Süden“, „Die noble Straße“ und „Am Ufer des Ruhms“ von Gwen Bristow oder „Lady Chatterley“ von D.H. Lawrence oder „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift, und noch etliche andere Bücher.

Berufsbedingt folgten dann Gesetzestexte und deren Kommentare, die mich in meinem Beruf als Kriminalbeamter bis zur Pensionierung begleiteten.

Diese neue Zeit erfüllte dann meine neue Liebe, das Texten von Gedichten – gereimt und ungereimt – von Kurzgeschichten – um die Ecke gedacht – und von Aphorismen und Zitaten. Aber Bücher zu lesen stand nicht unbedingt im Vordergrund meiner bisherigen Freizeitbeschäftigung.

Gut, die „Goslarsche Zeitung“ und die „Bild“ (ach ja) deckten mein Lesebedürfnis, zumal ich bei meinen bundesweiten Lesungen meine in schwarzen Buchstaben fixierten Gedanken vortragen konnte, und damit, was das Lesen betraf, echt ausgelastet war.

Nun, zu Weihnachten 2012 schenkten mir meine Kinder während unseres gemeinsamen Weihnachtsessens auf unserer Ponderosa – so nenne ich den Mittelpunkt unseres Lebens – ein Taschenbuch mit dem wirklich sinnigen Titel: „Nein, ich geh nicht zum Seniorentreff“ geschrieben von der in London lebenden Autorin Virginia Ironside, Jahrgang 1944, und 2011 im Goldmann Verlag erschienen, eine wunderbare Rückerinnerung an ihr eigenes Leben.

Ich rätsele immer noch, warum mir meine Kinder gerade diesen Band geschenkt haben, ich werde es noch herausfinden.

Vor den rund 300 Seiten, die vor mir lagen, scheute ich mich zunächst, und so schob ich den Lesebeginn erst einmal einige Tage hinaus, bis mich dann ein trüber Dezembertag doch dazu animierte.

Ja, und dann packten mich die ersten Seiten, mich, den „Happy Oldie“ aus dem Harzvorland. Ich erkannte mich schon nach wenigen Kapiteln, ja, das könntest auch „Du“ sein, Fritz! Das hast „Du“ auch so erlebt und empfunden.

Die wunderbare Welt der „Oldies“, jener ach so liebenswerten Spezies „Mensch“ tat sich auf, von Mrs. Ironside in humorvoller Genauigkeit skizziert und zum Leben erweckt, manchmal fast schmerzhaft in der Exaktheit der Beschreibung. Ich konnte nicht umhin, bei bestimmten Passagen laut aufzulachen oder einen hörbaren Kommentar abzugeben. Das führte dann auch manchmal dazu, dass meine Frau aus ihrer Praxis besorgt rief: „Hase, ist was?!!“ Diesen Fragen begegnete ich kurz mit: „Ich lese!“ (Loriot lässt grüßen!)

Nun, ich bin im 75. Lebensjahr, und meine Frau nennt mich „Hase“, nur gut, dass sie nicht die Verniedlichungsform „Hasilein“ genommen hat.

Ich habe mich dann – ausgenommen waren die Weihnachtstage – jeden Tag voller Lust jedem neuen Kapitel dieses Buches hingegeben, das mit dem wunderbaren Satz endete:
„Ist es nicht einfach schön, alt zu werden?“
Yes, Mrs. Ironside, it really is, well done, absolutely!

Wenn Sie, meine Damen und Herren, wissen wollen, wer Sie sind, dann empfehle ich Ihnen die Lektüre dieses einzigartigen Buches. Ich habe es mit viel Freude gelesen und dabei festgestellt, dass ich wohl doch ein liebenswerter Oldie bin – schmunzel!

Thank you, dear Mrs. Virginia Ironside, for these special moments!

© Fritz Rubin, Liebenburg – Othfresen, 03. 01. 2013




Autor: Fritz Rubin

fritzrubin@online.de
fritzrubin@online.de


Fotograf/Künstler: © Goldmann-Verlag / www.randomhouse.de/goldmann/

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4 Kommentare

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    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 8. Januar 2013 at 06:54
    • Antworten

    Ich bin vom „Seniorentreff“-Alter zwar noch ein bisschen entfernt, aber vielleicht sollte ich mich rechtzeitig vorbereiten ?! Diese schöne Buchempfehlung macht jedenfalls Lust darauf….!

  1. Guten Morgen liebe Margrit, man ist immer so alt, wie man sich fühlt. Deswegen habe ich auch im Untertitel vermerkt: „nicht nur für Oldies“! Ich kann dieses Buch wirklich empfehlen, mir hat es Riesenspaß gemacht, jeden Vormittag einige Seiten zu lesen. Ich bin mir sicher, dass nicht jeder die gleichen Empfindungen hegt wie ich, das ist aber der Reiz an diesem locker geschriebenen Buch. Mich hat besonders berührt, dass sich Mrs. Ironside unmittelbar nach meiner an sie gerichtetetn Mail umgehend gemeldet und herzlich bedankt hat, das hat wirklich Stil.
    Es versteht sich von selbst, dass ich im Laufe des Jahres die weiteren „Seniorentitel“ ebenfalls lesen werde.
    Mit harzlichen Grüßen aus Othfresen
    Fritz
    PS: Landkreis Böblingen? Wo denn da? -lächl!

      • Baumgaertner
      • Margrit Baumgärtner on 8. Januar 2013 at 17:16
      • Antworten

      Zum Landkreis Böblingen: Genauer gesagt Weil der Stadt (ein komischer Name, aber ein hübsches Städtchen)
      Lieben Gruß! Margrit

      1. Hallo Margrit,
        so, dank Wikipedia habe ich eine Zeitreise in Deine Heimatstadt unternommen und viel Neues dabei entdeckt, es war schon interessant, wer dort wann gelebt und gewirkt hat! Na, und dann die malerische Lage, die hat doch etwas für sich.
        LG
        Fritz

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