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Freitaler Nachtgedanken



Wäre Heinrich Heine ein Freitaler gewesen und würde in der heutigen Zeit leben, könnte sein berühmtes Gedicht „Nachtgedanken“ vielleicht wie folgt ausgefallen sein:

Denk ich an Freital in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.

Was typisch war hier und bekannt
hat immer weniger Bestand.
Von Denkmalschutz man hier nichts weiß,
dafür die Abrissbirne kreist.

Wer kann sich an die Zeit entsinnen,
als wir hier wollten neu beginnen,
mit Volksvertretern, die den Willen
des münd’gen Bürgers nur erfüllen ?

Heut kann man seh’n. Es blieb ein Traum.
Des Bürgers Wille zählt hier kaum.
Man zeigt nicht Herz und nicht Verstand.
Stattdessen hebt man nur die Hand.

Sitzt man im Stadtrat, hat man’s schwer,
denn die Verantwortung drückt sehr.
Manch einer glaubt das Leid zu lindern,
kriecht er dem Stadtchef in den Hintern.

Was bringt das Streiten der Fraktionen,
die Stelle soll sich doch auch lohnen.
Die alte Nationale Front
hätt besser das auch nicht gekonnt.

Einer braucht dies und einer das,
am Ende braucht ein jeder was.
Die Wünsche kann man gut gestalten,
gleicht man sich an im Stimmverhalten.

Man sollt‘ die Stadt, ich muss bekennen,
wohl in Palermo umbenennen,
denn Kräfte, die dort lang schon walten,
haben jetzt Einzug hier gehalten!

Gottlob! Durch meine Fenster bricht
morgendlich heit‘res Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort Freitaler Sorgen.




Autor: Willy Busch




Fotograf/Künstler: © Stephan Bratek/geralt / www.pixelio.de

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2 Kommentare

  1. Edith Nebel

    Willy, hier isser, dein Text.
    Und ich fürchte, dein „Freital“ ist überall.

  2. Hans Witteborg

    In „tiergeschichten“ gut platziert,
    denn der Verstand hat sich verirrt.
    von Menschen hin zu den Kamelen,
    er wird uns bitternötig fehlen!

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