Bruno

Heute war es wirklich sehr kalt draußen, obwohl die Sonne herrlich schien, Gabi machte schnell ihr Fenster zu.

In einer Woche war schon der Heilige Abend, wie schnell die Zeit verging. Letztes Jahr, es war genau derselbe Tag, nur war es damals wärmer, fiel ihr Frank einfach um und war tot. Sie konnte es immer noch nicht fassen. Aber wie heißt es so schön, „das Leben geht weiter“. Am Anfang war es sehr schwer, doch mittlerweile hatte sie sich wieder gefasst.

Neuerdings half sie immer im ortsansässigen Tierheim. Sie führte ab und zu einen Hund aus oder machte die Katzenklos sauber. Die Leiterin wollte ihr gerne ein Tier vermitteln, doch Gabi war einfach noch nicht bereit dazu. Jetzt musste sie auch gleich los, Gabi hatte versprochen noch einmal nach den Katzen zu schauen. Sie frühstückte schnell ein Brot und trank eine Tasse Kaffee. Später zog sie sich warm an, nahm ihren Autoschlüssel und wollte los. Als sie vor ihrer Haustür stand, dachte sie sich, dass es doch nur ein Kilometer Fußweg sei und da könnte sie auch mal laufen. In letzter Zeit hatte Gabi doch ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und die sollten wieder runter. Also lief sie los, die Kälte spürte Gabi nicht allzu sehr, da sie in letzter Zeit doch schneller schwitzte.

Sie erfreute sich an den Reif bedeckten Bäumen, alles sah aus, als wenn es mit Puderzucker bestreut worden wäre. Sie sah ein paar Amseln die sich wegen der Kälte aufgeplustert hatten. Da dachte Gabi auch gleich daran, dass sie noch unbedingt Vogelfutter besorgen musste.

Auf einmal kam der Nachbar mit seinem Hund ihr entgegen. Er grüßte Gabi, blieb stehen und dankte ihr noch einmal für Bello, so hieß der Hund. Und erzählte ihr, dass der Kleine seine ganze Freude war und er es nie bereuen würde, dass er das Kerlchen jetzt besaß. Gabi freute sich, denn sie hatte ihren Nachbarn, vor ein paar Wochen, dazu ermutigt die Fellnase zu nehmen.

Bello wurde vor einem halben Jahr total verwahrlost im Wald gefunden, irgendjemand musste den armen Kleinen ausgesetzt haben. Trotzdem hatte der Hund immer noch Vertrauen zu den Menschen. Er war ein super fröhliches Tier, Bello gehorchte aufs Wort. Unverständlich, dass man ein so liebes Tier nicht mehr wollte.

Gabi verabschiedete sich von ihrem Nachbarn, musste aber versprechen, dass sie später zum Kaffee zu ihm komme. Er war, genau wie sie, verwitwet und oft einsam. Sie ging weiter und als sie zum Tierheim kam, stand davor ein Karton, und sie hörte es wimmern.

Gabi riss die Pappe auf und da saß ein kleines Häufchen Unglück darin. Sie sagte, „nein nicht schon wieder, armes kleines Kätzchen, wer macht nur sowas“? Dann brachte Gabi das Tier ins Haus und zum Tierarzt, der gerade einen Hund untersuchte. Der Doktor stellte fest, dass es ein ca. 1 jähriger, kastrierter Kater war und ihm nichts fehlte.

Gabi brachte den Kleinen auf die Quarantänestation und fütterte ihn erst einmal. Der Kater musste wohl schon etwas länger nichts zu essen bekommen haben, denn er verschlang alles in Sekundenschnelle.

Dann strich er Gabi um die Beine und sie schaute ihn sich etwas genauer an, der Kater hatte ein schönes schwarzes Fell, war aber noch viel zu klein für sein Alter. Sie sagte zu ihm, „das kriegen wir schon hin, aus dir machen wir einen schönen stattlichen Kater. Wirst sehen in ein paar Wochen siehst du ganz toll aus“. Dann streichelte sie ihn und ging zu den anderen Katzen, um da für Ordnung zu sorgen. Als Gabi mit ihrer Arbeit fertig war, ging sie noch einmal zu dem Kater. Er lag auf einer Decke und schlief, im Schlaf zuckten seine Glieder und er jammerte ab und zu. Gabi sagte ganz leise zu ihm, „du armes Kerlchen, hast wohl schon Schlimmes erlebt“. Dann streichelte sie ihn ganz zart und ging nach Hause.

Sie musste noch Weihnachtsplätzchen backen, denn die brachte sie immer in den Kindergarten und ins Seniorenheim. Das machte sie schon viele Jahre aber irgendwie war sie heute nicht bei der Sache, sie musste immer an den kleinen Schwarzen denken.

Gabi hätte beinahe Salz statt Zucker genommen, deshalb rief sie sich zur Ordnung. Als ihre Plätzchen im Ofen waren, trank sie erst einmal einen Tee. Sie hatte noch eine Menge für das Weihnachtsfest vorzubereiten, denn Gabi wollte dieses mal ein paar Nachbarn, die auch alleine waren, zum Essen einladen. Warum sollte Jeder für sich sein, da würde man nur grübeln und auf dumme Gedanken kommen. Denn vor zwei Jahren hatte sich die Nachbarin, zwei Häuser weiter die Pulsader aufgeschnitten, Gott sei Dank konnte sie noch gerettet werden. So etwas durfte nie mehr geschehen.

Nun war es aber Zeit ins Bett zu gehen, sie machte sich fertig und schlief auch gleich ein. Am anderen Morgen, fuhr sie nach dem Frühstück wieder ins Tierheim und ging als erstes zu dem Kater. Der begrüßte sie gleich und sprang ihr auf die Schulter, dann rieb er sein Köpfchen an ihrem Gesicht und fing ganz laut an zu schnurren. Gabi merkte in diesem Augenblick, dass sie ihr Herz verloren hatte. Deshalb ging die junge Frau auch gleich danach zur Tierheimleiterin und fragte diese, ob sie den Kater aufnehmen darf. Natürlich durfte sie, wenn nicht sie, wer denn dann?

Als Gabi mit ihrer Arbeit fertig war, fuhr sie schnell zum Tierladen und kaufte Futter, Katzenklo, Spielzeug, ein weiches Körbchen und einen Kratzbaum. Zu Hause angekommen, rief sie ihren Nachbarn an, ob er nicht den Kratzbaum aufbauen könnte. Dieser, der übrigens Holger hieß, kam sofort und es blieb nicht nur beim Aufbau. Er bekam auch Kaffee und Kuchen. Sie sprachen dann noch bis in die Nacht, denn sie waren sich schon seit einiger Zeit sehr sympathisch. Gabi fuhr am anderen Morgen mit einem Transportkorb ins Tierheim und holte sich den Kater, sie nannte ihn Bruno.

Zu Hause angekommen, ging das Katerchen von Zimmer zu Zimmer und erkundete alles sehr interessiert. Dann legte er sich auf den Sessel und schlief ein. Gabi freute sich, endlich wieder Gesellschaft zu haben. Es kam ihr so vor, als wären sie schon immer zusammen. Die Zeit bis zum Weihnachtsfest ging sehr schnell vorbei. Bruno und Gabi verstanden sich prächtig und auch ihr Nachbar mit seinem Bello, wurden vom Kater akzeptiert. Denn die beiden waren jetzt sehr oft bei Gabi zu Besuch.

Dann kam der Heilige Abend, sie hatte schon alles für das Essen vorbereitet, deshalb konnte sie noch ein paar Stunden mit Bruno verbringen. Der Kater liebte Gabi sehr und umgedreht genauso.

Am Abend dann kamen die Gäste und es wurde ein fröhliches Weihnachtsfest. Gabi legte allen Nachbarn nahe, sich doch ein Tier aus dem Tierheim zu holen. Denn wie sie selbst erfahren hatte, gab es nichts Schöneres. Als dann alle, außer Holger, gegangen waren, tranken die Beiden noch ein Glas Wein zusammen. Bruno und Bello lagen zusammen im weichen Körbchen und schliefen. Es war ein schönes, friedliches Bild, deshalb wollte Holger die Beiden nicht wecken und blieb über Nacht. Am anderen Morgen frühstückten sie Beide und Holger ging schnell nach Hause und holte ein paar Sachen. Denn sie hatten beschlossen, die Weihnachtstage zusammen zu verbringen und nicht nur diese. Gabi, Holger, Bello und Bruno hatten ein wunderbares Weihnachtsfest!




Autor: Gisela Kurfürst Meins

gisela.meins@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Gisela Kurfürst Meins / privat

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2 Kommentare

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 20. November 2012 at 08:45
    • Antworten

    Eine fröhliche, hoffnungsvolle Geschichte. Wie heißt es so schön: Die Katze sucht sich ihren Menschen aus… da hat das kleine schwarze Katerchen ja eine gute Wahl getroffen.

  1. Das hat man schon häufiger beobachtet: Tiere sind manchmal Kuppler und Partnervermittler.

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