Die kleine Weihnachtsgeschichte …

… von einem Wunsch, der wahr wurde

Es geschah an einem kalten Wintertag …
Der Wind blies eisig durch die verschneiten Straßen der Großstadt. Hastig eilten die Menschen an hell erleuchteten Schaufenstern vorbei. Einige suchten nach Weihnachtsgeschenken, manch einer aber beeilte sich, um nach Hause in’ s Warme zu kommen. Natürlich gab es auch welche, die sich nach Feierabend auf einen Glühwein an der Weihnachtsmarkthütte freuten.

In dem allabendlichen Getümmel bemerkte niemand das kleine zitternde Fellknäuel, das zusammengekauert in der Schaufensternische eines leer stehenden Ladens saß. Ganz nahe an den Mauersockel gepresst hockte es da und leckte sich ein Pfötchen, weil sich ein Kieselsteinchen eingedrückt hatte und fürchterlich juckte. Fellknäuelchen ging es gar nicht gut. Eiskalt waren die Pfötchen – von dem Hunger, dem Durst und dem Gefühl der Verlassenheit mal ganz abgesehen.

In der Zwischenzeit, gar nicht weit entfernt, stand einer der vielen Menschen vor dem Schaufenster eines Spielzeugwarenladens und betrachtete in Gedanken versunken die bunte Pracht an Stofftieren, die sich in einer von Kunstschnee glitzernden Landschaft um einen mit roten Kugeln und silbernen Lametta geschmückten Tannenbaum versammelten.

Der Mensch lebte alleine. Im Laufe der Jahre war es ruhig um ihn herum geworden. Nahestehende Menschen waren gestorben, liebe Freunde gab es, aber sie hatten natürlich ihre eigene Familie und damit verbundene Aufgaben.

Der Mensch entdeckte im Fenster einen kleinen Plüschhund, der ihn so süß anschaute, dass sein Betrachter schmunzelnd dachte: “Ich wünschte, der kleine Kerl wäre jetzt lebendig.” Während der Mensch sich das amüsiert vorstellte, bemerkte er nicht, dass sich ganz dicht neben ihm tatsächlich etwas bewegte. Eine kleine feuchte, schwarze Nase schnüffelte neugierig an seiner Einkaufstasche herum.

Das hungrige Fellknäuelchen wollte ja nicht unhöflich sein und den träumenden Menschen stören. Deshalb versuchte es erst mal, alleine an den duftenden Inhalt der Tasche zu gelangen. Es stellte sich auf die Hinterpfötchen, reckte sich so vor, dass die Vorderpfötchen auf dem Taschenrand liegen konnten. So hatte es die Möglichkeit, unbemerkt zu riechen, wo sich das begehrenswerte Objekt genau befand. Das wuschelige Schwänzchen wedelte dabei aufgeregt hin und her.

“Noch ein bisschen recken … ja, noch ein wenig mehr … gleich bin ich drin,” und schon war es passiert! Gerade als die Hinterpfötchen abheben wollten, um sich an der Tasche hochzuziehen, plumpste das Fellknäuelchen hin und direkt auf die Füße der Person, der die Tasche gehörte und die im gleichen Moment weitergehen wollte. Der Mensch erschrak, ließ seine Tasche fallen und sprang einen Schritt zurück. Doch, was sah er da, als er sich von dem ersten Schrecken erholt hatte? Da saß doch tatsächlich ein kleiner Hund vor ihm. Er schaute fast genau so aus, wie der aus dem Schaufenster. Nur, war das lebendige Knäuel vor ihm etwas zerzauster, aber dafür viel putziger.

“Na, wer bist denn du? Bist du wirklich ein lebendig gewordenes Stofftier?”
Der Mensch ging lächelnd in die Knie und hockte sich vor das kleine Tierchen, das sein Köpfchen zur Seite legte, die Öhrchen aufstellte und ihn anschaute mit diesem typischen, unwiderstehlichen “Nimm mich bitte mit-ich habe solchen Hunger-bin auch ganz lieb und möchte ins Warme-Blick”. Dabei gab es die entsprechenden Hundesprachenlaute von sich, die jeder verstand!

Der Mensch hatte gar keine Gelegenheit mehr zu schauen, zu wem der kleine Hund gehörte, denn er entdeckte sofort ein kleines Schild an dem Lederhalsband, auf dem stand: “Bitte nimm mich mit, denn ich gehöre zu niemandem mehr. Ich bin gut erzogen und suche ein neues Zuhause!”

“Hm …?”
Der Mensch schüttelte den Kopf. “Wer macht den so was?” Eine Hundemarke gab es nicht. Flöhe konnte er auf den ersten Blick beim Streicheln auch nicht feststellen. Wäre der verschmuste, kleine Hund eine Katze gewesen, hätte er laut geschnurrt, so sehr freute er sich über die liebe Art des Menschen, der ihn sofort ins Herz geschlossen hatte.

Nun sind inzwischen Jahre vergangen. Der Mensch hatte damals vergeblich alles versucht, um den Besitzer ausfindig zu machen. Natürlich insgeheim in der Hoffnung, dass es niemanden gab. Er und Fellchen standen von da ab jedes Jahr zur gleichen Zeit vor dem Schaufenster des Spielwarenladens und feierten ihren Jahrestag mit den Würstchen, die sich damals in der Einkaufstasche befanden. Das sind Fellchens ganz besondere Weihnachtszeitleckerlis, denn diese gibt es üblicherweise nicht so häufig.

Fellchen und der Mensch sind glücklich und unzertrennlich. In diesem Jahr ist das Spielzeugwarengeschäft geschlossen. Aber dafür ist noch ein kleines Wunder passiert. Der kleine Hund lebt nun mit zwei Freunden zusammen, denn der Mensch hat inzwischen einen anderen lieben Menschen getroffen. So feiern sie bald zu dritt das Weihnachtsfest und sind glücklich und dankbar, dass sie sich gefunden haben.

“Und, wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute …”
… und das so was von putzmunter! 😉

Text und Foto © Dezember 2010 Sabina Boddem, nach einer wahren Begebenheit




Autor: Sabina Boddem


www.farben-reich.com


Fotograf/Künstler: © Sabina Boddem / privat

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2 Kommentare

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 16. November 2012 at 06:40
    • Antworten

    Eine anrührende Geschichte, man kann sich „Fellchen“ (süßer Name) richtig gut vorstellen !

  1. immer wieder schön, wenn jemand heimatlosen Streunern ein Zuhause bietet.

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