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Silvester bei uns zu Haus

Wieder ist ein Jahr vergangen und die Menschen wollen es mit einer Party ausklingen lassen. Dieses Jahr soll die Feier bei uns stattfinden.Na, ich sag euch, da haben mein Kumpel und ich überhaupt keinen Bock drauf. Ach so, ich muss mich ja erst einmal vorstellen, mein Name ist Emmy und ich bin eine zweijährige Katzendame, mein Kumpel ist ein 1,5 jähriger schwarzer Kater Mohrly, wir leben seit März bzw. April hier. Vorher haben wir Beide in Rumänien gewohnt. Gute Menschen brachten uns nach Deutschland aber ich erzähl der Reihe nach.

Ich wurde auf der Straße geboren, meine Mutter liebte uns Kinder, ich hatte noch zwei Geschwister, ein Junge und ein Mädchen. Sie versorgte uns gut und brachte uns alles bei was man als Straßenkatze wissen muss, z. B. lehrte sie uns wie wir die Touristen anbetteln, damit sie etwas Futter rüberreichten. Oder auch wie man sich vor Hunden in Acht nimmt.

Dann kam der Zeitpunkt, wo sie uns verließ und wir auf uns selbst gestellt waren. Ab und zu sah ich unsere Mutter noch aber sie kümmerte sich nicht mehr um mich. Für mich war es sehr schwer etwas Essen zu finden, da ich total schüchtern bin. Dann lernte ich auch noch einen süßen Kater kennen und es kam was kommen musste, ich war schwanger.

Als ich meine Kinder gebar, ging es mir sehr schlecht, ein Mann hatte mit einem Knüppel nach mir geworfen und meine Hüfte war angeknackst, deshalb sind auch alle drei Kätzchen gestorben. Dann wurde ich eingefangen und in ein Tötungsheim gebracht, zu diesem Zeitpunkt war mir schon alles egal, meine Kinder waren tot und ich hatte unendliche Schmerzen. Doch an einem frühen Morgen kamen gute Menschen und haben viele von uns mitgenommen.

Ich kam in eine Pflegefamilie, die mich erst einmal zum Arzt brachten. Dort wurde ich behandelt und meine Hüfte heilte schnell, außerdem bekam ich mehrere Impfungen und einen Chip. Und dann ging es los nach Deutschland, dort angekommen wurde ich auch wieder bei einer Pflegefamilie untergebracht, bis mich meine jetzigen Menschen abholten.

Mohrlys Geschichte ist schnell erzählt, er war nie auf der Straße, er wurde bei einer Pflegefamilie geboren und kam dann ein paar Monate später zu der gleichen Pflegestelle wie ich, wurde allerdings gleich am anderen Tag von unseren Menschen abgeholt. Er ist auch deshalb in seinem Charakter ganz anders als ich. Mohrly hat nie etwas Schlechtes mit Menschen erlebt, deshalb hat er auch vor nichts Angst. Ich hingegen bin immer sehr vorsichtig und zurückhalten. Obwohl langsam vertraue ich meinen Menschen, denn ich glaube sie meinen es gut mit mir.

Nun aber zurück zur heutigen Party. Ich mag keine fremden Leute bei uns und Krach schon gar nicht. Obwohl, diese ganzen bunten Girlanden und die Papierschlangen mag ich sehr, da kann man so wundervoll mitspielen. Mohrly hat auch schon Mecker bekommen, da er vorhin vom Bücherregal, wo sein Körbchen steht einfach in die Girlanden gesprungen ist und alles heruntergerissen hat.

Doch so richtig ernst nimmt er das nicht, denn er weiß, dass unsere Menschen nie lange böse auf ihn sein können. Er ist eben einfach zu süß, ihr müsstet ihn mal sehen und hören, wenn er schmust. Mohrly will immer auf den Arm und dann gibt er Köpfchen wie verrückt und zeigt seinen Bauch zum kraulen, dabei schnurrt er wie eine Nähmaschine, genau so laut. Na ja, jedenfalls wurde alles weiter geschmückt und in der Küche roch es gut. Nach gebratenem Fleisch und Sahne, total lecker, natürlich durften wir auch was abbekommen.

Dann wurde es Abend und die ersten Gäste kamen, ich habe mich gleich ins Schlafzimmer verkrümelt und mich unter die Decke gelegt.

Aber irgendwann siegten die Neugier und der Duft der Speisen. Also schlich ich mich in die Küche, na das konnte ich mir ja denken, dass Mohrly schon da war. Unser Frauchen hatte alle Speisen schön dekoriert auf die Anrichte in der Küche gestellt und der freche Kater saß schon mitten drin und mampfte. Mit vollem Mäulchen sagte er zu mir: „Schnell Emmy, die Frikadellen schmecken hervorragend und der Käse ist butterweich“. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und probierte von allem. Irgendwann kam unser Frauchen in die Küche und war geschockt, aber sie sagte im Flüsterton zu uns, dass wir ganz schnell verschwinden sollen. Wenn wir sonst von irgendwelchen Speisen genascht haben, hat sie immer ganz laut geschrien. Wir beide schnell runter von der Anrichte und wieder ins Schlafzimmer zurück.

Doch vorher schielte ich noch mal um die Ecke und sah, dass sie die angefressenen Sachen wegschmiss und alles wieder schön dekorierte. Was für eine Verschwendung, die hätte sie uns ja auch geben können. Langsam wurde es laut in der Wohnung alle sangen irgendwelche Lieder mit.
Draußen knallte es auch in einer Dur, sodass wir schon ein bisschen Angst bekamen und uns lieber unter die Decke legten.

Dann hörten wir noch, dass Frauchen und Herrchen ins Schlafzimmer kamen und sie zu ihm sagte, dass er lieber nur die Suppe essen sollte, da wir Katzen schon am Büffet waren. Er war ein bisschen ärgerlich als er aber mein Köpfchen unter der Decke hervor lugen sah, lachte er wieder und streichelte mich und meinte: „Ihr seid mir schon zwei Schlingel!“ Dann sagte er zu Mohrly und mir, „Frohes neues Jahr ihr beiden“.

Ich schlief auch bald ein und später als ich wieder aufwachte war die Party vorbei.

Nächstes Jahr wird Siylvester hoffentlich wo anders gefeiert. Obwohl so leckere Sachen habe ich selten gefuttert.




Autor: Gisela Kurfürst-Meins

gisela.meins@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Gisela Kurfürst-Meins / privat

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2 Kommentare

  1. Margrit Baumgärtner

    Silvesterkrach ist für Tiere immer schlimm, genauso wie Halloweenscherze oder Faschingsblödeleien…gut, dass der menschliche Spuk relativ schnell vorbei geht..!

  2. Hans Witteborg

    Ganz recht, gut ist´s wenn der Spuk vorüber.
    Den Tieren wär dies beim Menschen lieber!

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