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Baumgaertner

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Nette Begrüßung

Auf Familienfesten werden oft Erlebnisse aus der Jugendzeit erzählt. Onkel Stefan, Mitte 50, verblüfft mit dieser Geschichte:

„Ich war 15 Jahre alt und mein Tanzstunden-Abschlussball stand bevor. Für meine Tanzpartnerin sollte ich einen kleinen Blumenstrauß besorgen. So etwas hatte ich noch nie gemacht und daher betrat ich mit Herzklopfen einen Blumenladen in unserer Siedlung. Kaum hatte ich die Tür geöffnet, schallte mir ein krächzendes A-R-S-C-H-L-O-C-H, A-R-S-C-H-L-O-C-H …entgegen. Mein sowieso schon pochendes Herz rutschte mir vor Schreck in die Hose.

Wieder hörte ich ein A-R-S-C-H-L-O-C-H aus der hinteren Ecke des Raumes. Und nun staunte ich beim genaueren Hinsehen nicht schlecht: Da saß doch ein großer, bunter Ara und beäugte mich misstrauisch.

„Nicht persönlich nehmen“, rief der Ladenbesitzer, der nun aus einem Nebenraum kam. „Was darf es denn sein ?“

Den weiteren Blumenkauf erledigte ich wie in Trance. Später tadelten mich meine großen Schwestern, ich hätte mir bei der Blumenwahl etwas mehr Mühe geben können… Auch meine Tanzpartnerin lächelte gequält… Für mich selbst machte ich mildernde Umstände geltend. Denn der unfreundliche Ara hatte mich auch mit einem A-R-S-C-H-L-O-C-H verabschiedet. Ein absolut geschäftsschädigendes Verhalten!

Hätte man dem sprachbegabten Vogel nicht ein seriöses G-U-T-E-N T-A-G beibringen können. Und überhaupt: WER hatte ihm das beigebracht?

Onkel Stefan kann sich nicht mehr erinnern, wie lange es dieses Blumengeschäft noch gegeben hat. Aber seine Verwandtschaft lachte an diesem Tag noch lange.




Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


Fotograf/Künstler: © Thomas Max Müller / www.pixelio.de

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5 Kommentare

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  1. Edith Nebel

    Na, das ist ja nicht nett, dem Papagei sowas beizubringen. Aber die Vögel sind ja nicht doof. Der wird gemerkt haben, dass ihm diese Art der Kundenbegrüßung die meiste Aufmerksamkeit einträgt. Da passiert mehr, als wenn er ganz zivilisiert „Guten Tag“ sagen würde.“

    Die Vögel haben keine Schuld, es liegt immer an den Menschen, die ihnen so einen Unfug beibringen.

    Ich hab vor Jahren auch mal gemeint: „Mensch, ist der Papagei aber unmusikalisch“, als einer grottenfalsch den River-Quai-Marsch pfiff. Worauf der Gatte meinte: „Nee, nicht der Vogel. Der Trottel, der ihm das beigebracht hat!“

  2. Hans Witteborg

    Wer lehrt denn einen Papagei,
    daß dies ein schlimmes Wort wohl sei?
    Selbiges ist hoch von Nöten,
    sonst gingen alle Wesen flöten!

  3. Gisela Kurfürst-Meins

    Der Vogel weiß ja nicht was das Wort bedeutet.
    Wir hatten mal einen Wellensittich, der konnte auch sprechen, aber auf keinen Fall so einen Unfug.

  4. Edith Nebel

    Der letzte Wellensittich der Schwiegereltern hatte auch ein bescheidenes Repertoire: „Hansi lieb“, „Grüß Gott“, „du alter Spitz“ und in einem verblüfften Tonfall und mit dem Akzent der Schwiegermutter: „Ja, was ist denn das?“

    Als der Schwiegervater mal spät abends von einer Vereinsversammlung nach Hause kam und sich zu ungewohnter Zeit in der Küche noch ein Brot schmierte, linste der Wellensittich aus seinem Käfig und rief: „Ja, was ist denn das?“

    Manchmal sollte man glatt meinen, sie verstehen, was sie da sagen.

  5. Astrid

    Familienfeste können manchmal so langweilig sein, aber diese Geschichte war mit Sicherheit eine Bereicherung. Für den Onkel selbst war es wohl ein einschlagendes Erlebnis, denn immerhin hat er sie 40 Jahre im Gedächtnis behalten.
    Schöne Geschichte und eine lustige Erinnerung.
    LG
    Astrid

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