Meine vier Geschwister und ich waren in einem kleinen Stall untergebracht und dort gefiel es uns schon ein klein wenig besser als in unserem früheren alten Stall. Damit wir nicht mehr so dünn aussahen, hatte man uns mit Haferbrei gefüttert. Sauber gemacht wurden wir mit Seife und Wasser. Wir mochten den Wasserschlauch nicht, mit dem uns der Mann mit den grünen Gummistiefeln abgespritzt hatte.
Noch weniger konnten wir die vielen Menschen leiden, die jetzt jeden Tag kamen und uns anschauten und mitnehmen wollten. Dazu holte uns der Mensch mit den grünen Stiefel aus dem Stall heraus und zeigte uns den Menschen. Meistens pinkelten wir sie voll, weil wir so Angst vor ihnen hatten. Mit einem „Pfui“ kamen wir wieder in unseren Stall zurück.
Eines Tages nahm einer der Menschen meinen kleinen Bruder mit. Traurig saßen wir in einer Ecke weil er nicht mehr bei uns war. Aber schon nach zwei Wochen war er wieder bei uns und erzählte uns, seine Erlebnisse.
Zuerst gefiel es ihm ganz gut bei der neuen Familie, aber dann zerrten ihn die drei Kinder herum, zogen ihm Kleidchen an und legten ihn in einen Puppenwagen. Und weil jedes Kind mit ihm spielen wollte, zogen sie an seinen Pfoten und Hinterbeinen, bis es weh tat. Irgendwann wurde es ihm zuviel und er schnappte nach den Kindern.
Das Geschrei der Mutter der Kinder war durchdringend, sie wollte mich nicht mehr. Böser Hund nannte sie mich und sperrte mich in den Keller. Dort weinte ich ganz laut, weil es so dunkel und kalt war sagte der kleine Hund. Als der Mann der Frau nachhause kam, packte er mich, verhaute mich mit einem Stock und warf mich aus dem Haus. Ich setzte mich vor die Haustüre und weinte noch lauter.
„Okay“, meinte der Mann, „du kommst jetzt ins Tierheim.“
„Und da bin ich wieder“, meinte der kleine Hund, „und ich will nicht mehr von euch weg.“
Als der nächste Besucher unseren kleinen Bruder mitnehmen wollte, knurrte der ganz laut, und da ließ ihn der Mensch fallen. Das taten wir auch, und so konnten wir noch eine Weile zusammen bleiben.
Autor: Ursula Geier
UrsulaGeier@web.de
www.urska.jimdo.com
Fotograf/Künstler: © Thorsten Freyer / www.pixelio.de

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3 Kommentare
Margrit Baumgärtner
2. Oktober 2012 von 08:45 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
“Hund mit Kleidchen” – ein Horror ! Nichts ist schlimmer, als wenn Tiere vermenschlicht werden…Hunden
passiert das leider besonders oft.
Hans Witteborg
2. Oktober 2012 von 11:32 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Der Hund kein Spielzeug und kein Kind,
wie dämlich manche Menschen sind!
Ursula Geier
2. Oktober 2012 von 11:36 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Hallo Margit
Hallo Hans
danke, ihr seid einfach Klasse, Gruß Uschi.