Das panierte Pferd

Das kleine Schwarzwald-Dorf hatte zum „FUCHSFEST“ eingeladen. Eine alte Tradition, bei der wohl kaum ein Besucher vermutete, er befände sich auf einer Jagdveranstaltung oder bei einer Huldigung von „Meister Reineke“. Hier ging es um den „SCHWARZWÄLDER FUCHS“, auch „Wälderpferd“ oder „St. Märgener-Pferd“ genannt. Es ist ein leichtes Kaltblutpferd, welches als Rasse in seinem Bestand schon bedroht schien. Früher war es vorwiegend ein Arbeitspferd zum „Holzrücken“ oder ein Kutschpferd, heute wird es immer mehr auch als vielseitiges Freizeitpferd genutzt.

An diesem besonderen „Fuchstag“ sollte das dunkelbraune Pferd mit langer blonder Mähne also wieder von seiner schönsten Seite gezeigt werden. Schon am Morgen begann das Programm mit der Vorstellung neuer Fohlen sowie der Präsentation einiger Zuchthengste. Die Pferde wurden als Reit- und Kutschpferde gezeigt. Viele waren besonders geschmückt, die langen Mähnen waren zu kräftigen Zöpfen gebunden…ein prächtiger Anblick !

Am Nachmittag konnten die Besucher sehen, wie der Schwarzwälder Fuchs als „Rückepferd“ arbeitet. Geduldig zogen zwei Pferde schwere Baumstämme und wurden dabei nur durch Stimmkommandos gesteuert. Das Publikum applaudierte begeistert.

Als nächster Programmpunkt folgte eine Darbietung zum Thema „Bodenarbeit“, bei der gezeigt werden sollte, wie Pferde nach modernen Ausbildungsmethoden erst einmal ohne Sattel und Zaumzeug und ohne Reiter ihre Aufgaben lernen. Eine Pferdebesitzerin kam mit ihrer Fuchsstute „BELLA“ auf den Platz und ließ ihr Pferd im Kreis galoppieren. Mit ihrer Körpersprache lenkte sie das Tier in verschiedene Richtungen, wechselte nur durch Handbewegungen das Tempo. BELLA akzeptierte sie brav als „Chefin“ in der Mitte und folgte jeder Aufforderung. Als Höhepunkt der Vorführung demonstrierte die Pferdehalterin sogar einige zirzensische Lektionen mit ihrer hübschen Stute.

Danach wandte sich die junge Frau noch einmal zum Publikum, um einige Merkmale der Rasse „Schwarzwälder Fuchs“ zu erläutern. Hinter ihrem Rücken bewegte sich BELLA kaum, stand ruhig mit gespitzten Ohren. Doch dann nutzte sie die Unaufmerksamkeit ihrer Chefin. Die Stute senkte den Kopf und scharrte mit den Vorderhufen im Sand. Jeder Pferdebesitzer ahnte, was nun kommen würde:

BELLA tat das, was alle Pferde sehr gerne machen, wenn sie Bewegungsfreiheit haben und sich in diesem Moment sicher genug fühlen. Denn nur dann traut sich ein Fluchttier wie das Pferd, sich langsam hinzulegen und sich dann ausgiebig hin und her zu wälzen. Schon kugelte sich BELLA von der linken zur rechten Seite, die Beine ragten sekundenlang in die Höhe und die Stute gab ein zufriedenes Schnauben von sich.

Erst das Gelächter des Publikums machte die Pferdebesitzerin aufmerksam und sie drehte sich um. Schwupp – stand BELLA wieder auf den Beinen. Aber nun lachten die Zuschauer noch viel lauter. Kinder quietschten vor Vergnügen, ein Junge rief: „Guck mal Mama, das Pferd sieht aus wie ein Schnitzel“! „Genau“, stimmte ein größeres Mädchen ein, „ein paniertes Pferd“!

Und wirklich, das war ein Anblick: Am Vortag hatte es geregnet und der feuchte Sand klebte nun an dem Pferd wie eine Semmelbröselpanade. Das glänzend gestriegelte Fell war unter einer Schlammkruste versteckt, die lange Mähne hing zottelig am Pferdehals. BELLA schaute verdutzt umher und ihr Ohrenspiel verriet ihre Irritation angesichts der lachenden Menschen. „Die BELLA ist jetzt nicht mehr so wirklich schön“, spottete ein Mann.

Die Pferdebesitzerin aber gab einen tiefen Seufzer von sich. „Ach BELLA“, hörte man sie schimpfen, um die Situation etwas zu retten. „Musste das sein? Schüttel dich mal…!“ Anders als bei den vorherigen Lektionen verstand und gehorchte die Stute nun NICHT. Sie schien sich in ihrer Haut sehr wohl zu fühlen.“Das ist dann wohl ein Fall für Striegel und Kardätsche“, war das Schlusswort der Frau und unter großem Applaus verließ sie den Platz. Ihre panierte BELLA trottete zufrieden hinterher.




Autor: Margrit Baumgärtner

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4 Kommentare

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  1. Als Pferde-Laie hab ich hier wieder wunderschöne Tiere entdeckt. Vom „Schwarzwälder Fuchs“ hatte ich unter keinem der o.g. Namen je gehört.

  2. Lustige Geschichte, Hauptsache Pferd fühlt sich wohl.

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 24. September 2012 at 14:41
    • Antworten

    Danke für die Kommentare—die Geschichte ist wirklich so passiert !

    • Rosmaringo
    • Ingo Baumgartner on 26. September 2012 at 08:08
    • Antworten

    Wer, als eine Pferdefreundin, könnte die Geschichte besser erzählen. Danke auch für deine Kommentare, Margrit.
    LG Ingo

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