Ein Meisensommer

Was liegt dort mitten auf dem Weg,
bewegungslos, still wie ein Stein,
wie abgestürzt und hingelegt …
Kann das ein toter Vogel sein ?

Ich nähere mich jenem Fleck,
erkenne nun das Federkleid:
Die kleine Meise, starr, verdreckt,
beendet ist die Lebenszeit.

Durftest nur einen Sommer leben ?
So winzig ist noch die Statur.
Nur wenig Zeit war dir gegeben,
dann sprach das Schlusswort die Natur.

Betrübt dein Schicksal mich zu Recht ?
Du lebtest kurz und gingst ganz leise.
Ist solche Lebenszeit denn schlecht ?
Wie ähnlich geht es Mensch und Meise …

Nur relativ sind Lebenstage,
das Zeitgefühl ist Selbstbetrug.
Meise und Mensch vereint die Frage
und beider Zeit vergeht im Flug.




Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


Fotograf/Künstler: © Ina Mitschke / www.pixelio.de

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4 Kommentare

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  1. Da war sicher mein Kater in der Nähe. -:)
    Traurig- schönes Gedicht.

  2. Das ist ein wundervolles Gedicht….so einfühlsam. Wahrlich Margrit ich wäre auf mich stolz, hätte ich es geschrieben!
    Ich hatte für heute vor einen ähnlichen Vorgang zu beschreiben, bei mir war es ein Star, den ich gestern „beerdigt“ habe. Aber dein Gedicht sagt alles, ich werde schweigen!

    Schweigen werde ich auch die nächsten paar Tage. Denkt einfach ich suche Asinus und Asina. kann etwas dauern.

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 20. September 2012 at 14:29
    • Antworten

    Nicht schweigen, Hans ! Wir lesen doch gerne ÄHNLICHE Gedichte zum gleichen Thema, denn jeder hat seine Eigenart, sich auszudrücken.

  3. Genau! Ich erinnere mich an die Mondkalb-Gedichte, das war doch klasse!

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