Reitersprache: „Losgelassenheit“

Erklärung für das „Losgelassen“,
wie soll man das in Worte fassen ?
Die Einheit zwischen Pferd und Reiter
hat BEIDER „Lösung“ zum Begleiter:

Der Reiter sei ausbalanciert,
gut aufgewärmt und austrainiert,
im Gleichgewicht, mit sich im Reinen,
das alles sollte er vereinen.

Nur dann kann er vom Pferd erwarten,
dass „losgelöst“ sie beide starten.
Durch Aufwärmen im „leichten Schritt“
teilt er dem Vierbeiner nun mit,

wie dieser sich bewegen soll:
Nach „vorwärts-abwärts“, das wär toll,
soll sich die Halspartie nun biegen,
die Ohren sollen vorne liegen,

der Rücken soll elastisch schwingen,
das Pferd soll nicht mit Ängsten ringen,
soll ruhig die „Hilfen“* akzeptieren,
im Laufen „nicht den Kopf verlieren“

Es läuft entspannt und ohne Zwang,
es akzeptiert den 1. Rang
des Menschen, ordnet sich gern unter
und läuft vertrauensvoll und munter.

Das Pferd geht locker „am Gebiss“*,
die Zügel leiten ohne „Riss“,
halten Kontakt zum Pferdemaul,
die Reiterhand aktiv, nicht faul,

jedoch auch nachgebend und sanft,
der Reitersitz ganz unverkrampft.
So können BEIDE sich nun „lösen“,
entspanntes Reiten ohne Dösen.

Gelöst, entspannt … ja „losgelassen“,
so kann man es zusammenfassen,
wenn Mensch und Pferd ganz ohne Streit
und ohne Zwang reiten zu zweit.

Ist „Losgelassenheit“ nun klar,
begrifflich nicht mehr sonderbar ?
Wer´s nicht kapiert, ob Frau, ob Mann
fängt noch einmal von vorne an !

(*“Hilfen“:
1. Zügelhilfen,
2. Schenkelhilfen
3. Gewichtshilfen = Gewichtverlagerung und Kreuzeinwirkung
4. Stimmhilfen *“Gebiss“: Mundstück am Zaumzeug)




Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


Fotograf/Künstler: © hagir25 / www.pixelio.de

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4 Kommentare

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    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 14. September 2012 at 06:22
    • Antworten

    Für dieses „schulmeisterliche“ (aber lustig gemeinte) Gedicht muss ich mich fast entschuldigen….Aber es ist mir aufgrund der Buchbesprechung (Anne Deußen: „…..Reiten macht Spaß“) einfach spontan eingefallen..!
    Und die Reitersprache ist ja wirklich kompliziert !
    Das schöne Foto vom Strandritt verdeutlicht sehr gut einige Gesichtspunkte: Vor allem das braune Pferd läuft „losgelassen“ (Kopf und Hals in „Vorwärts-abwärts-Bewegung, Ohren „vorne“) – der Schimmel hebt aufgrund der „viel zu hohen Reiterhand“ den Kopf hoch, was aber als Momentaufnahme noch tolerierbar wäre und dadurch abgemildert wird, dass beide Reiter dem Pferd viel „Zügelfreiheit“ geben.

  1. Ich hab mich sehr gefreut über das Gedicht. Ich musste den Begriff „Losgelassenheit“ nämlich erst nachschlagen, als ich über Anne Deußens Buch schrieb. Bin ja selber kein Pferdemensch und hatte auch gerade aus dem Bekanntenkreis keinen von denen greifbar. Mein Wissen ist nur angelesen.

    Wieder was gelernt!

  2. So ist „Loslassen“ gut erklärt,
    nun auch die Ehefrau erfährt,
    daß Zügelhilfen am Gebiss
    nicht zu hart seien, das ist gewiss!
    An Schenkelhilfen welch ein Graus,
    da kennt sie sich besonders aus!

  3. Das ist wundervoll geworden, diese Reime zergehen auf der Zunge, traumhaft schön.

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