Ich habe Angst

Toll, Frauchen will mit mir einen Spaziergang machen aber irgendwie ist es heute anders als sonst. Sie hat so hektische Flecken im Gesicht, die hat sie nur wenn sie sich über etwas ärgert. Na ja, wird wohl wieder ihr Freund gewesen sein, mit ihm streitet sie sich oft.

Ich geh schon mal an die Tür, sie muss sich ja noch ihre Jacke anziehen.

Als wir draußen waren, schmeißt sie auch schon Stöckchen, aber ich muss doch erst mal Pippi machen. Sie ist aber heute auch durcheinander. Dann holt sie ihr Auto, das finde ich gut, da fahren wir bestimmt wieder an den See. Aber irgendwie ist es eine andere Strecke als sonst. Macht nichts, ich fahre gerne Auto.

Wir sind dieses Mal aber ziemlich lange unterwegs. Ist schon komisch. Sie wird mich doch nicht bei ihrer Mutter abgeben wollen? Das fände ich nicht so toll, denn da muss ich immer mehrere Tage bleiben. Nicht, dass ihre Mutter böse zu mir ist, nein im Gegenteil aber ich bin doch lieber bei meinem Frauchen.

Ah, jetzt hält sie an, oh wir sind in einem Wald, das finde ich toll, da gibt es viel Interessantes zu sehen und zu riechen. Aber warum weint mein Mensch denn, das verstehe ich nicht, hier ist doch keiner.

Jetzt streichelt sie mich auch noch und sagt, dass es ihr leid tue aber ihr Freund mag keine Hunde und deshalb wäre es besser wenn ich in diesem Wald bleiben würde. Wie? In diesem Wald bleiben? Jetzt fährt sie ohne mich weg! Was soll das, ist das ein neues Spiel? Das Spiel gefällt mir
aber nicht! Frauchen wo bist du? Komm zurück, ich hab Angst.

Ich belle wie verrückt, aber sie kommt nicht. Was soll ich jetzt machen? Vor Schreck muss ich erst mal Pippi. Na ja, vielleicht kommt sie gleich. Ich werde am besten hier warten, sonst findet sie mich nicht.

Jetzt könnte sie aber endlich mal wieder kommen, ich habe Hunger und dunkel wird es auch schon.

Ich sitze hier schon seit Stunden, nun gefällt der Wald mir gar nicht mehr und die vielen Geräusche finde ich jetzt auch nicht mehr interessant, die machen mir eher Angst. Ich bin doch nur ein kleiner
Hund.

Oh, da höre ich ein Auto! Frauchen steigt aus und kommt auf mich zu gerannt, sie nimmt mich auf den Arm. Ich schlecke ihr das Gesicht ab und freue mich ganz dolle, dass sie wieder da ist.

Sie sagt, dass sie mich niemals wieder alleine lässt und dass ihr Freund sie mal könnte, entweder er nimmt sie mit mir oder gar nicht. Ich weiß nicht was sie meint, es ist mir auch egal, Hauptsache mein Frauchen ist wieder bei mir.




Autor: Gisela Kurfürst-Meins

gisela.meins@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Gisela Kurfürst-Meins / privat

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5 Kommentare

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    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 7. September 2012 at 07:30
    • Antworten

    Zum Glück hat Frauchen die richtige Wahl getroffen!!

  1. Ah, jetzt klappt das auch mit dem Autorinnen-Bildchen! Danke, Dietmar! 🙂

    1. Ich bedanke mich auch. LG

    • Anonymous on 7. September 2012 at 11:43
    • Antworten

    Die Autorin, jetzt bebildert
    sicher noch manch Geschichte schildert!

  2. Kluge Entscheidung, wer keine Tiere mag, den mag ich sowieso nicht.

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