Alkohol und seine Folgen

Klaus war gerade frisch getrennt und seine Frau Martina hatte beide Katzen mitgenommen. Er wollte das so, da er seine Frau immer noch sehr liebte und die Katzen ihn an sie erinnerten.

Er hat die Wohnung mit dem großen Garten behalten, seine Frau ist in eine 2-Zimmerwohnung mit Balkon gezogen. Da die beiden einen großen Kredit abzahlten, müsste Klaus eigentlich auch ausziehen und sich was Kleineres suchen aber er hing am Garten, da hatte er eine Menge Bäume gepflanzt und ein hübsches Gartenhäuschen gebaut. Das wollte er nicht so einfach verlassen. Außerdem arbeitete er neben seiner Rente noch freiberuflich als Buchhalter.

Da hatte es Martina schon schwerer, sie verdiente nur ihr Gehalt, was nicht gerade sehr üppig war. Nach allen Abzügen für Kredit, Miete, Heizung und Versicherungen, blieb für sie und die Katzen kaum noch etwas übrig.

Sie liebte ihren Mann ja eigentlich auch noch, aber in letzter Zeit ging es einfach nicht mehr. Klaus trank immer mehr Alkohol und dadurch passierten immer fürchterliche Dinge. Er stürze oft und brach sich die Knochen oder prellte sich etwas. Aber das ging eigentlich schon sehr lange so, eigentlich seit dem er in Rente gegangen war und das änderte auch seine Buchhalterarbeit, die er vor drei Jahren angenommen hatte, nichts.


Foto: G. Kurfürst-Meins

Martina konnte einfach nicht mehr. Wie oft lag sie nachts wach und wartete, bis wieder ein Anruf kam: ‚Ich bin im Krankenhaus und habe mir den Knöchel gebrochen’ oder ‚Kannst du mir helfen? Ich komme nicht mehr hoch.’ Sie bekam nervöse Störungen, einmal eine Gürtelrose und sie litt an Neurodermitis, die dadurch nicht besser wurde. Martina hatte nie genügend Schlaf und wenn es ganz schlimm kam, musste sie in der Firma anrufen und sich irgendetwas einfallen lassen.

Klar hatte sie es sich sehr lange überlegt, und eigentlich hätte Martina sich nicht trennen dürfen, nicht nur dass sie noch an ihm hing, nein auch finanziell.

Aber sie konnte mit ihm über seinen Alkoholismus nicht sprechen, er stritt immer wieder alles ab. Im Gegenteil, dann wurde er ungerecht und unsachlich. Also blieb ihr nur noch die Trennung und seit dem sie mit den Katzen alleine war, ging es ihr besser.

Martina hatte auch noch Freitag und Samstagabend einen Job als Serviererin, damit kam sie einigermaßen zurecht. Die Scheidung hatte Klaus eingereicht, weil er sich natürlich in seinem Stolz verletzt sah.

Als er alleine war, zog er mit seinem Saufkumpan von Kneipe zu Kneipe, was ihm auch wieder schlimme Dinge einbrachte. An einem Tag kurz vor dem ersten Advent trank er wieder einmal so viel, dass er am nächsten Morgen in einer Ausnüchterungszelle bei der Polizei erwachte. Man hatte seine Frau angerufen, dass sie ihn abholen soll.

Natürlich hätte Martina auch sagen können, dass sie mit dem Ganzen nichts mehr zu tun haben will. Aber er tat ihr leid, deshalb kam sie ihn abholen.

Klaus war das sehr peinlich und er wollte erst rumzicken und ihr sagen, dass er auch alleine klar kommt. Aber irgendwie gefiel es ihm, dass Martina sich wieder um ihn kümmerte. Im Grunde war er ja kein schlechter Mensch er musste nur endlich aus dem Kreislauf Alkohol heraus kommen.

Sie fuhr ihn nach Hause und wollte gleich wieder gehen, er aber bat sie rein und fragte, ob sie reden könnten. Martina ging in die Wohnung und bekam fast einen Schlag. Da sah es aus wie auf einer Müllhalde. Überall lagen Klamotten rum und schmutziges Geschirr stand auf dem Wohnzimmertisch. Das war ihm total peinlich, denn einmal im Streit hatte sie so was vorausgesagt, dass er, wenn sie ihn verlässt, verkommt.

Dann meinte sie: „Weißt du was, ich ziehe mir ein paar alte Sachen an und räume erst mal auf.“ Er half ihr dabei und in ca. 3 Stunden waren sie damit fertig. Es sah wieder sehr schön aus. Dann machte sie schnell noch eine Waschmaschine fertig. Dann wollte Martina gehen. Klaus fragte, ob, er sie auch mal besuchen darf, er hatte auch Sehnsucht nach den Katzen. Sie meinte ja. „Nächsten Samstag ist der Tag vor dem 1. Advent, da lade ich dich zum Kaffee ein, aber bei mir gibt es keinen Alkohol, denn ich rühre seit dem wir uns getrennt haben, keinen mehr an“.

Ihm war es Recht, da er sich jetzt auch fest vornahm, nie wieder zu trinken.

Der Samstag kam und Klaus schmiss sich in Schale, er hatte einen schönen weihnachtlichen Strauß Blumen besorgt und auch seit dem letzten Samstag nichts mehr getrunken. Er fuhr zu ihr und klingelte, sie ließ ihn in die Wohnung, die ihm sehr gut gefiel. Da waren auch die zwei Katzen, die ihn gleich mit ihm schmusten. Sie tranken Kaffee und sprachen endlich über ihre Probleme. Sie fragte ihn, ob er wirklich nie wieder Alkohol trinken wolle oder ob er es nur jetzt mache, weil er sich schämt.
Klaus meinte: „Ich habe mir ganz fest vorgenommen, dass ich keinen Tropfen mehr anrühre und wenn ich merke, dass ich es nicht alleine schaffe, hole ich mir professionelle Hilfe“.


Foto: Marvin Siefke/pixelio.de

Dann fragte Martina ihn, wie er mit dem Geld zu Recht kommt. „Da hatte ich das erste halbe Jahr ziemliche Schwierigkeiten, da du ja das Buchhalterische immer geregelt hast. Mittlerweile geht es ganz gut, einen Dispo bekomme ich ja immer noch nicht“.

„Mir hat man gleich einen gegeben, aber ich habe ihn noch nicht gebraucht, da ich ja jeden Freitag und Samstagabend serviere und mit dem Trinkgeld komme ich ganz gut zurecht. Nun sind es ja auch nur noch 2 Jahre die wir diesen Kredit bezahlen müssen, das schaffen wir auch noch, vor allem wenn wir unser Leben in geregelte Bahnen lenken“.

Klaus fragte, wie sie das meint. Sie sagte: „Ich hätte nichts dagegen, wenn wir beide es noch mal miteinander versuchen, aber immer vorausgesetzt, keiner von uns beiden fängt wieder an zu trinken. Und die erste Zeit, möchte ich auch noch, dass wir unsere Wohnungen behalten, aber du kannst jeder Zeit her kommen und auch hier übernachten. Die Katzen würden sich freuen und ich natürlich auch. Die Scheidung können wir zurücknehmen“.

Das ging ein weiteres Jahr so, beide tranken keinen Alkohol mehr und Klaus nahm sogar richtig gut ab, dadurch fühlte er sich viel wohler und war auch viel agiler. Also, gab sie ihre Wohnung wieder auf, verkaufte alles überflüssige, aber dieses Mal behielt sie ihr eigenes Konto. Sie wollte niemals mehr abhängig sein.

Er hatte sich wirklich sehr geändert, er half ihr in Haus und Garten. Sie hatten, dadurch sie keinen Alkohol mehr tranken, ein viel besseres Lebensgefühl und auch andere Freunde. Jetzt gingen sie auch weiterhin zum Essen oder auf Feiern, aber sie waren nicht mehr die Letzten, außerdem kamen sie auch mal ins Theater oder zu einem Musical, was sie früher immer vermisste.

So gingen die Jahre dahin, der große Kredit war endlich abgezahlt und sie hatten noch eine kleine Erbschaft gemacht. Dafür kauften sie ein Auto.

Klaus konnte endlich aufhören zu arbeiten und seine Rente genießen. Martina musste noch ca. 5 Jahre arbeiten, dann konnte auch sie in Pension gehen. Klaus wurde auch kein einziges Mal rückfällig, er war jetzt schlank und sie sah auch immer noch sehr toll aus. Sie waren ein schönes Paar, vor allem weil sie um ihre Liebe gekämpft haben.




Autor: Gisela Kurfürst-Meins

gisela.meins@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Bild 1: G. Kurfürst-Meins, Bild 2: Marvin Siefke / Bild 1: privat, Bild 2: www.pixelio.de

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3 Kommentare

  1. Wenn die Sache immer so gut ausginge, wäre es schön.

  2. `Jezt hab ich eine Erklärung warum das Unwohlsein nach Alkoholgenuß Kater heißt

  3. Hört sich gut an, und Alkohol war schon immer ein Zerstörer, schön, wenn es erkannt und beseitigt wurde.
    Viel mehr Menschen könnten wieder glücklich sein, wenn sie ihr Problem erkennen würden. Und wenige schaffen es neu anzufangen.

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