Katzenfindelkinder, Teil 4

Langsam wurde es Herbst, es war schon früh dunkel und morgens gab es oft Nebel. Den 6 Katzen ging es hervorragend. Sie machten wie alle jungen Tiere Blödsinn, fingen Mäuse, Frösche und leider auch Vögel. Brachten sie ins Haus oder legten sie auf die Terrasse. Klaus musste sie dann immer begraben, er hatte schon einen kleinen Friedhof am Rosenbusch angelegt.

Es war Oktober, eigentlich die Zeit, wo Gabi und Klaus immer in den Harz fuhren. Sie wollten auch dieses Mal hin, aber wer kümmert sich die ganze Zeit um die Katzen?

Ihre direkten Nachbarn mochten wohl Katzen, waren aber doch schon zu alt um sie zu versorgen. Die anderen wohnten zu weit weg, außerdem hatten sie zu ihnen kaum Kontakt. Klaus meinte zu Gabi, dass doch ihre Nichte Ferien habe und sie in der Zeit hier einziehen könnte.

Also wurde die Nichte, ihr Name war Jenny, angerufen und gefragt. Jenny war natürlich begeistert, sie liebte Katzen und das Haus so wieso und etwas zu verdienen gab es auch.

Die junge Frau studierte Tiermedizin und so hatte sie in dem großen Haus ihrer Tante sehr viel Zeit um in Ruhe zu lernen.

Der Tag der Abreise kam, Jenny war schon am vorletzten Tag angekommen und wurde im Gästezimmer untergebracht, Gabi hatte ihr auch schon alles gezeigt und erzählt auf was sie achten müsse. Sie verabschiedeten sich und fuhren in ihren wohlverdienten Urlaub.

Jenny kochte sich erst einmal einen Kaffee, holte ihre Studiensachen hervor und da es auf der Terrasse noch angenehm warm war, setzte sie sich raus. Micky, der rote Kater legte sich auch gleich neben sie auf einen Stuhl und döste vor sich hin. Felix und Emmy waren im Wohnzimmer und hielten Siesta, Mienchen lag auf ihrem Lieblingsplatz im Garten unter dem Apfelbaum, nur Willi und Mohrly waren irgendwo unterwegs.

Am späten Nachmittag wurde es Jenny zu kühl und sie ging ins Wohnzimmer. Die Katzen warteten schon auf ihr Abendbrot aber sie zählte nur vier, wo waren die beiden schwarzen Kater?

Jenny ging hinaus und rief sie, doch es ließ sich keiner blicken. Die junge Frau dachte so bei sich, „wenn sie Hunger haben, werden sie schon kommen“. Sie stellte erst einmal Futter für alle Katzen in die Küche und machte sich den Fernseher an. Doch auch am späten Abend waren die Beiden noch nicht durch die Katzenklappe hereingekommen. Jetzt machte Jenny sich doch allmählich Sorge. Wo konnten die Kater nur sein?

Sie ging noch einmal hinaus und rief sie, doch keine Tiere in Sicht. Da nahm Jenny die Taschenlampe und ging sie suchen.

Plötzlich hörte sie leises Gejammer, es klang als wenn ein Baby wimmerte. Die junge Frau ging dem Geräusch nach und da sah sie einen schwarzen Kater liegen, er war verletzt, sie konnte nicht erkennen ob Willi oder Mohrly da lag. Doch was war das, etwas Weiches scheuerte sich an ihren Beinen, noch ein schwarzer Kater. Sie nahm den Verletzten ganz vorsichtig auf und trug ihn ins Haus, der andere Schwarze lief ihr hinterher.

Im Haus rief sie gleich die Tierärztin an — Gabi hatte vorsorglich auch die Privatnummer der Ärztin aufgeschrieben — und schilderte die Verletzung. Jenny durfte sofort vorbeikommen.

Die Tierärztin stellte fest, dass der Kater eine große Bisswunde hatte. Sie säuberte und nähte die Wunde und behielt das Kerlchen über Nacht da.

Zu Hause angekommen, stellte sie fest, dass der Verletzte Willi war. Mohrly hatte wohl die ganze Zeit auf ihn aufgepasst. Aber auch er hatte eine kleine Verletzung, doch die konnte Jenny selbst behandeln.

Am anderen Tag rief sie gleich bei der Tierärztin an und fragte wie es Willi geht. Die Ärztin sagte ihr, dass er die Nacht gut überstanden hätte und sie ihn wieder abholen könne. Da war die junge Frau sehr froh.

Willis Wunde heilte gut und bis zur Rückkehr von Gabi und Klaus war schon wieder alles vergessen.
Höchstwahrscheinlich hatte die beiden Kater ein Waschbär angegriffen, der seit geraumer Zeit hier sein Unwesen trieb.




Autor: Gisela Kurfürst-Meins

gisela.meins@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Gisela Kurfürst-Meins / privat

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1 Kommentar

  1. und wieder eine schöne Geschichte.

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