Die beiden Kätzchen

Michael war ein Einzelgänger, er liebte es allein zu sein. Früher, als er noch in einer großen Firma arbeitete, gab es immer eine Menge Stress. Irgendwann konnte er nicht mehr und wurde schwer krank. Michael musste ins Krankenhaus und anschließend in eine Reha. Dann änderte er sein Leben und zog von seiner schicken Penthaus-Wohnung der Großstadt, in ein kleines Häuschen auf dem Land. Hier lebte er sehr zurückgezogen und war dabei glücklich. Er brauchte nicht viel zum Leben, denn in seinem Garten wuchsen viel Obst, Gemüse und Kräuter. Das wurde eingekocht und eingefroren, damit er auch etwas für den Winter hat. Er half im Herbst und Frühjahr den Bauern in der Umgebung, das Geld was er dafür bekam sparte er.

Jetzt war es Ende November und schon ziemlich kalt. Michael holte Holz aus dem Garten und heizte damit den Kamin, dann schmückte er das Zimmer weihnachtlich. Zur selben Zeit liefen zwei kleine Kätzchen, die Ende August geboren waren, durch die Gärten und suchte nach etwas Essbarem. Doch sie fanden kaum etwas, da die Mäuse in der Kälte lieber gemütlich in ihrem Loch saßen.

Langsam wurde es dunkel und die kleinen Kätzchen musste sich eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. So kamen sie in den Garten von Michael, da war ein Schuppen, wo das Holz für den Kamin lag. Michael hatte vergessen die Tür zu schließen. Die Kleinen gingen hinein und schauten sich um, da lagen ein paar alte Decken, es war zwar nicht sonderlich warm aber immer noch besser als in der Kälte draußen zu schlafen. Die Kätzchen legten sich eng aneinander gekuschelt hin und schliefen auch gleich ein.

Michael saß vorm Kamin und las ein gutes Buch, da fiel ihm ein, dass er den Schuppen gar nicht abgeschlossen hatte, also zog er sich noch einmal an und ging hinaus. Er wollte auch noch schnell ein paar Holzscheite mitnehmen, wenn er schon mal da war. Er öffnete die angelehnte Tür und sah die kleinen Katzenkinder schlafend auf den Decken liegen. Erst wollte er sie verjagen, doch dann dachte er an die Kälte draußen und ließ sie liegen.

Michael ging zurück in die Küche und schnitt etwas vom Fleisch, was er am Sonntag essen wollte, in kleine Stücke und brachte es in den Schuppen. Dann schloss er ganz leise die Tür und ging zurück ins Haus. Am anderen Morgen, ganz früh, brachte er den kleinen Katzen ein warmes Kissen und den Rest des Fleisches. Doch die Kätzchen hörten jemanden kommen und versteckten sich sofort, sie hatten aber schon das ganze Fleisch aufgefuttert.

Michael legte das Kissen auf einen Holzstapel, stellte das Fleisch hin und ging erst einmal zurück ins Haus. Dann überlegte er sich, dass er nicht immer die Tür offen lassen könne. Aber schließen ging auch nicht, die Kätzchen wollen sicher raus. Er hatte auch schon eine Idee, aber erst frühstückte er. Gestärkt ging Michael in den Garten zum Schuppen und ließ die Katzen raus. Sie rannten auch ganz schnell davon.

Michael baute eine Katzenklappe in den Schuppen und stellte etwas warme Milch, mit Wasser verdünnt, von innen davor. Die kleinen Katzen waren nicht allzu weit gelaufen, sie beobachteten aus der Ferne, was Michael so machte. Als er dann wieder im Haus war, liefen sie zurück zum Schuppen und da sie die Milch rochen, wussten sie instinktiv wie sie durch die Klappe in den Schuppen kommen.

So ging das jetzt jeden Tag. Michael hatte mittlerweile Katzenfutter besorg. Die kleinen Kätzchen wurden auch immer zutraulicher, sie strichen schon um seine Beine herum. Michael hatte sich total an die Kleinen gewöhnt und ihnen auch schon Namen gegeben. Das Katzenmädchen nannte er Emmy und den Kater Mohrly. Aber er wollte sie eigentlich nicht in seinem Haus haben.

Einen Tag vor Heiligabend besorge Michael einen Tannenbaum, den stellte er auf die Terrasse. Heiligabend dann holte er den Baum durch das Terrassenfenster in die Wohnung und bemerkte nicht, dass die Kätzchen mit durch das Fenster ins Haus gekommen waren. Da es für sie ungewohnt war, versteckten sie sich erst einmal hinterm Schrank.

Michael schmückte den Baum, deckte den Tisch und holte sein Weihnachtsessen aus der Küche. Dann ging er in den Keller und nahm eine gute Flasche Wein mit nach oben. Als er wieder in seinem Wohnzimmer war, saßen Emmy und Mohrly auf dem Tisch und ließen es sich schmecken. Michael war so überrascht, dass er laut zu lachen anfing. Von da an durften die Katzen das ganze Haus von Michael in Anspruch nehmen.

Am ersten Weihnachtstag klingelte seine Nachbarin, die zwei Häuser weiter, auch alleine lebte und brachte ihm einen Kuchen vorbei. Als sie die Kätzchen sah, ergab sich ganz von selbst ein Gespräch über Katzen. Die Nachbarin wurde seine beste Freundin, die Michael dann später heiratete. So wurde durch zwei kleine Kätzchen, aus einem Einzelgänger, doch noch ein geselliger Mensch.




Autor: Gisela Kurfürst-Meins

gisela.meins@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Gisela Kurfürst-Meins / privat

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1 Kommentar

  1. Doch so mancher Hagestolz
    ist aus gänzlich anderem Holz,
    und so tun ein paar Katzen
    ihn partout auch gar nicht kratzen!

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