Es schmückt sich, wie wir alle wissen,
der Prahler oft mit Titeln, Taten.
Wird dieses Scheinweltruhekissen
mit Lust von andren aufgerissen,
dann ist die Scham meist groß geraten.
Den Buchfink stört Blamage nicht,
sein Mangel an Bescheidenheit,
beschützt den bunten Federwicht
vor Sigmund Freud’scher Innensicht
und schuldbewusstem Seelenleid.
Er kennt Ovid nicht, auch nicht Goethe,
ist nie beim Bachmannfest gewesen,
in Büchereien hätt er Nöte,
weil sich nur fremder Anblick böte.
Er kann vermutlich gar nicht lesen.
Text und Illustration: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at


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3 Kommentare
Margrit Baumgärtner
19. Juli 2012 von 08:49 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Das Schlimme ist: Meist ist die Scham noch nicht einmal groß — man könnte meinen, Scham existiert beim Menschen kaum noch. “Nach mir die Sinnflut”….?!
Wieder ein brilliantes Ingo-Gedicht !
Ingo Baumgartner
19. Juli 2012 von 08:52 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Margrit, du schreibst so viele Kommentare zu meinen Gedichten, dafür danke ich dir herzlich. LG Ingo
hans Witteborg
19. Juli 2012 von 10:54 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Der Fink kann nicht lesen, ich jedoch sehr wohl. Könnte ich es nicht, ich würde es schon wegen deiner Gedichte lernen, lieber Ingo!