Das Mädchen Lara hat es nicht leicht in der Schule und bei seinen Eltern, doch bald kommt eine sonderbare Begegnung, und alles wird anders!
***
Die Schulglocke schrillt schon laut, als ich das Klassenzimmer betrete, und alle in meine Richtung schauen. „Oh – die Gruseltante“ ruft Sabine, und bläst dabei einen überdimensionalen Kaugummiball auf. Leise schleiche ich auf meinen Platz und bemerke nicht, dass mein Stuhl mit verschiedenen Kaugummis in allen möglichen Farben beklebt wurde. Alle kichern in meine Richtung, und ich merke erst nichts.
Als ich aber von meiner Lehrerin an die Tafel gerufen werde, ist der Spass für die anderen perfekt! Fäden ziehende Kaugummis, und meine Hose ist total verklebt. Alles lacht! Rasch packe ich mitten im Unterricht meine Sachen ein, und renne heim. Und da bekomme ich riesigen Ärger von meinen Eltern, weil ich meine Sachen so verdreckt habe. Das ich viel zu früh zuhause bin merkt zum Glück keiner. Zur Strafe muss ich die ganze Küche aufräumen, auch das Geschirr spülen, abtrocknen und einräumen. So bleibt an diesem Tag nur noch Zeit für meine Hausaufgaben, bevor ich schlafen muss.
Der ganze nächste Tag wurde von grauen ungemütlichen Regenwolken verdunkelt. Nix macht Spass. Aber nicht das düstere Wetter ist daran schuld, sondern die düstere Stimmung zuhause. Meine Eltern zanken sich schon seit einer Stunde, Türen knallen, böse Wörter fliegen hin und her, und an ein Mittagessen ist so schon gar nicht mehr zu denken. Genauso düster schauen mich meine Schulbücher an, ich sollte unbedingt für lernen, da morgen zwei Arbeiten angesagt sind.
Lustlos hole ich meine Sachen aus der Schultasche und beginne im Lesebuch meiner Schule zu stöbern und darin zu lesen, zumal ich einen Aufsatz über die Ferien schreiben muss. Geschichten von glücklichen Familien die zusammen am Tisch sitzen, basteln, kochen, lernen, reden, bunte Drachen im Wind fliegen lassen … Und meine Ferien kann ich unmöglich aufschreiben, deshalb muss ich schummeln, und eine Geschichte aus dem Buch umschreiben.
Meine Ferien waren grau und düster. Ich schreibe das Datum, und beginne den ersten Satz. Doch dann male mit meinem Bleistift eine ganze Seite in meinem Heft grau an, schreibe die Überschrift darüber: Meine Ferien! Meine Lehrerin findet dies am nächsten Tag aber nicht gelungen und verpasst mir eine glatte 6. Meine Eltern sind so sauer, dass die Strafe diesmal viele Nachmittage in Anspruch nimmt. Ich muss im Garten 2 Wochen lang die Herbstblätter zusammenrechen, und in Säcke füllen. Nach dem Mittagessen beginne ich mit dieser Aufgabe. Erst das Laub auf der Wiese, welches immer sehr mühsam zu entfernen ist, dann das aus dem Teich des Gartens. Aber Entfernen der Blätter aus dem Teich macht mir viel Spass, weil ich dann immer wieder die Wasserbewohner sehen kann. Es sind vor allem die verschiedenen Molche, die mir besonders gefallen, aber auch die Frösche, Kröten, Unken, Wasserschnecken und Insekten und deren Larven.
Ich ziehe den Rechen vorsichtig durch den Teich, um keines dieser zarten Wassertierchen zu verletzen. Immer wieder finde ich lustig gefärbte Molche im Rechen, die ich vorsichtig bewundere, bevor sie wieder in den Teich dürfen. Manche sind schlicht und eher braun gefärbt, manche bunt wie Kunstwerke eines Malers. Als ich einen besonders schönen Bergmolch beim Verschwinden im Wasser genau beobachtet habe, entdeckte ein ungewöhnliches Wassertier am Teichgrund. Zuerst dachte ich an schwarze Algen.
Der Pelz bewegt sich langsam und ruhig mit der Wasserströmung, die Pfoten und der Kopf des Tieres liegen wie schlafend am Grunde des Teichs. Zögerlich habe ich mich getraut, meine Hand in das von Algen leicht grünliche Wasser zu tauchen, und den unbekannten Körper zu streicheln. Das Gefühl des Fells ist trotz des eisigen Teichwassers warm, sehr warm. Ich habe mich auf den Bauch gelegt, und mit beiden Armen vorsichtig das Tier aus dem Teich geholt. Es ist ein toter völlig nasser, hässlicher schwarzer Kater.
Vorsichtig lege ich den Kater in das Grass und überlege, wo ich ihn besser begraben kann. Meine Eltern hassen Tiere – tot oder lebendig. Zur Sicherheit decke ich den Kater mit einigen Blättern ab, und gehe in den Keller, um eine Gartenschaufel meiner Mutter zu holen. Denn Blumen liebt sie – tot und lebendig, weshalb im Haus und Garten alles perfekt gepflegt, geliebt und in der kühlen Zeit mit leblosen trockenen Pflanzen geschmückt wird. In einer Ecke am Gartenzaun steht eine grosse Tanne mit ausladenden Ästen, die der Gartenschere meiner Mutter zum Glück noch nicht zum Opfer gefallen ist. Denn meine Mutter verpasst ihren geliebten Pflanzen auch gerne aktuelle „Kurzhaarfrisuren“ die sie besonders schick findet.
Unter der Tanne befindet sich mein heimlicher Lieblingsplatz. Und genau da grabe ich ein Loch. Dann hole ich vorsichtig den leblosen Körper des Katers aus dem Laubversteck und gehe unter die Tanne. Ich lege den Kater vorsichtig und zärtlich auf meinen Schoss um ihn nochmal gen au zu betrachten. Sein Fell hat viele kahle Stellen, ein Ohr ist nur noch halb vorhanden, und im Gesicht sind 3 tiefe Wunden. Das noch vorhandene Fell ist schwarz, aber von vielen grauen und weißen Stellen durchsetzt. An einer Pfote sind die bei schwarzen Katzen eigentlich schwarzen Ballen rosa, nur in der Mitte ist ein schwarzer Fleck vorhanden. Ganz zart und vorsichtig streichle ich das nasse Fell.
Plötzlich zuckt das halbe Ohr des Katers. Ganz ruhig bleibe ich sitzen, denke ich träume schon wieder. Das kurze Ohr zuckt wieder, und auf einmal zucken auch die Schnurrhaare des Katers.
Autor: MokieUndSylvie
dinetto@gmx.de
Fotograf/Künstler: © MokieUndSylvie / privat


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2 Kommentare
Edith Nebel
13. April 2012 von 07:41 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Jetzt möchte ich natürlich schon wissen, wie die Geschichte weitergeht.
edithtg
30. April 2012 von 12:12 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
Fortsetzung ist in Arbeit, hörte ich.