Aller Fischer Freund

Man nennt ihn den Fischer, den Graufederreiher,
bewundert die schlanke und noble Gestalt.
Doch nähert der Stolze sich pirschend dem Weiher,
flott springt in das Denken das Wörtchen Gewalt.

Da füttert man Fische wie Karpf und Forelle
und mästet sie sorgsam im künstlichen Teich,
schon sieht man betroffen, es schwimmen die Felle
davon, denn der Reiher verwechselt sein Reich.

Nun drücken Optionen die Schalen der Waage,
gemeuchelter Vogel, gestohlener Fisch.
Der Reiher erkennt seine missliche Lage
und lässt die Forelle dem menschlichen Tisch.

Ein Nachsatz, der klärenden Wahrheit zuliebe,
es fehlen, wer merkt es, am folgenden Tag
sechs Karpfen, getötet durch Speerspitzenhiebe.
Wer weiß, wer die Untat vollbracht haben mag?



Text und Illustration: Ingo Baumgartner

rosmaringo@aon.at


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2 Kommentare

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 20. März 2012 at 07:03
    • Antworten

    Die Konfrontation zwischen Graureiher und Angler kenne ich auch, es gibt einen örtlichen
    Anglerverein mit künstlich angelegtem See. Wie absurd, sich darüber zu ärgern, dass
    die Reiher dieses „Angebot“ gerne annehmen….Aber wie souverän in Worte gefasst, Ingo!

  1. Ich habe drüber nachgedacht….
    es war der Reiher kurz vor acht!
    Fischfrevel war es aber nicht
    und so kommt er nicht vors Gericht.
    Des Ingos Einfall..ich weiß´genau
    kam beim Verzehr „Forelle blau“!

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