Schwindendes Mitleid

Auf Flocke eins folgt Flocke zwei,
dann schneit es Tennisbälle.
Am Nachmittag, so kurz nach drei
da schöpfe ich mir Wege frei,
nur so, für alle Fälle.

Zum Vogelhäuschen ist es weit,
doch räum ich eine Schneise.
Wenn so ein Spatz vor Hunger schreit,
erbarmt man sich, erkennt sein Leid.
Das gilt auch für die Meise.

Nun müh ich mich zum fünften Mal,
Frau Holle wird nicht müde.
Das Wörtchen Mitleid wirkt schon schal,
die Vogelliebe, reine Qual,
jetzt zeige ich mich rüde.

Ich lehne mich aufs Fensterbrett
und hör die Finken lästern.
Die Amseln zetern ein Sonett,
im Futterring vermisst das Fett
der Kleiber schon seit gestern.

Ich schaufle keinen Meter mehr,
der Vogel soll doch fliegen.
Vom Futterhaus zum Fenster her
ist’s gar nicht weit, ich bitte sehr.
Ich lass dort Körner liegen.

 



Autor: Ingo Baumgartner

rosmaringo@aon.at


Fotograf/Künstler: © Ingo Baumgartner /

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4 Kommentare

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    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 26. Januar 2012 at 08:17
    • Antworten

    Gut, dass es den INGO gibt. Nicht nur für Finken, Spatzen, Meisen, sondern auch für
    Freunde schöner Gedichte !

    LG Margrit

  1. Lieber Ingo, einfach schöööööön.

    • Ursula Gressmann on 26. Januar 2012 at 17:56
    • Antworten

    Lieber Ingo,
    sehr gerne las ich dein Gedicht. Hier bei uns liegt kein Schnee und die Vögel verschmähen meine aufgehängten Meisenringe. Nicht einmal die Krähen kommen uns stehlen sich das Futter der kleinen Vögel.
    (sonst holen sie sich geschickt die Meisenknödel aus den Netzen)
    Herzl. Grüße Uschi

    • Rosmaringo
    • Ingo Baumgartner on 27. Januar 2012 at 08:00
    • Antworten

    Liebe Ursula! Danke dir herzlich für deinen Kommentar. Ja, heuer ist der Winter (in manchen Gegenden) nicht allzu hart für die gefiederten Freunde. LG Ingo

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