Micky aus Rumänien

Heute möchte ich die Geschichte von Micky erzählen.

Micky ist ein 2-jähriger Kater aus Rumänien. Wenn er nicht von Tierschützern gerettet worden wäre, könnte er nicht bei uns leben. Viele Tiere werden immer noch in Rumänien getötet und nicht immer auf humane Weise.

Aber zurück zu Micky. Da unser Kater Willi vor ein paar Wochen über die Regenbogenbrücke gegangen ist und unser Mienchen so allein war, wollten wir unbedingt wieder einen Kater. Deshalb habe ich im Internet der Tierheime in unserer Nähe geschaut, ob sie einen Kater für uns haben. Aber irgendwie wurde gerade gar nichts angeboten, was mir gefiel. Deshalb schaute ich auch auf Tierschützerseiten. Und siehe da, ich fand eine. Diese Familie half rumänischen Katzen und Hunden ein schönes zu Hause in Deutschland zu finden. Da ich ein Mensch bin der, wenn er sich was in den Kopf setzt, das auch gleich ausführt, habe ich meinen Mann überredet, doch da gleich mal hinzufahren.

Ich hatte mir schon aus dem Internet einen Kater ausgesucht, er hieß Otto und er war ein wunderschöner Roter.

Irgendwie hat zwischen dem Kater und mir eine telepathische Beziehung bestanden, denn als er mich sah ist er sofort zu mir gekommen und schmuste an meinem Bein, dann sprang er auf den Tisch und gab Köpfchen. Mein Mann war auch gleich hin und weg und wir nahmen Otto mit. Er hatte alle Impfungen war gechipt und kastriert. Zu Hause angekommen, inspizierte Otto auch gleich die ganze Wohnung. Und was am besten war, Mienchen und er verstanden sich auf Anhieb. Nur der Name Otto gefiel uns gar nicht, deshalb tauften wir ihn auf Micky.

Am darauffolgenden Tag musste Mienchen zum Tierarzt, ich sagte meinem Mann, dass wir Micky doch gleich mitnehmen könnten um ihn durchchecken zu lassen. Er hatte ja einen EU Impfpass, wo alles eingetragen war. Nur leider stimmte das Datum der Tollwutimpfung mit dem des Chips nicht überein. Meine Tierärztin, die sich wohl ein bisschen geärgert hat, dass wir uns einen rumänischen Kater geholt hatten, rief deshalb gleich das Kreisveterinäramt an. Somit trat sie eine Lawine los.

Der dort zuständige Beamte hat dann meinen Mann angerufen und ihm gesagt, dass das Tier sofort ins Tierheim in Quarantäne muss. Natürlich wollten wir das auf gar keinen Fall. Es ging hin und her, so dass ich mir keinen anderen Rat wusste und die Frau angerufen habe, von der wir das Tier hatten, ich nenne sie mal Frau X. Sie meinte, das Tier kommt auf keinen Fall ins Tierheim. Ich hole es dann lieber wieder zu mir. Nun rief mich am 31.12.11 die Amtstierärztin an, warum das Tier immer noch nicht im Tierheim sei. Da sagte ich ihr, dass wir den Kater nicht mehr haben, dass Frau X ihn wieder abgeholt hat (stimmte zwar nicht, aber das musste ich ihr ja nicht sagen). Da schreit mich diese Person doch tatsächlich an, ich hätte gegen eine amtliche Anweisung verstoßen und das würde ein dickes Bußgeld bis zu 2.000 € kosten.

Der arme Kater sollte sofort in ein Tierheim in Quarantäne. Aber nicht mit uns! Wir haben uns nicht einen Kater geholt um ihn Wochenlang im Tierheim zu lassen. Außerdem waren wir der festen Überzeugung, dass der Kater diese Tollwutimpfung hat. Die Tierärztin hatte ihm ja auch gleich Blut genommen und das eingeschickt um die Tollwutantikörper festzustellen. Nun war das aber am 30.12.11 und bis zum 04.01.12 mussten wir noch warten, bis die Ergebnisse kommen sollten.

Ich habe natürlich auch gleich sehr sauer reagiert. Es ging hin und her und dann habe ich ihr gesagt, dass wir gar nicht mehr weiterzusprechen brauchen und dass ich das in die Zeitung bringe. Etwas später rief sie mich wieder zurück und war sehr freundlich. Sie fragte mich ob ich das Tier denn nicht wieder abholen kann, da sie Frau X nicht erreicht hat (und es ist auch nicht ihr Zuständigkeitsbereich). Dann könnte ich den Kater ja immer noch ins Tierheim bringen. Ich sagte ihr dann, dass Frau X mir die Katze sicher nicht wiedergibt.

Dann habe ich ihr auch erzählt, dass ich den Impfpass noch habe, da sollte ich ihr jede Seite kopieren und faxen, habe ich auch gemacht. Außerdem habe ich gegoogelt und der Tierarzt, der den Impfpass ausgestellt hat, ist in Rumänien ein angesehener Veterinärmediziner. Ich glaube nicht, dass der Impfausweise fälscht. Ich bin dann so mit ihr verblieben, dass sie am Montag die rumänische Botschaft anruft.

Gegen Abend rief sie mich dann noch mal an (sie hatte wohl Silvester niemanden zum Feiern) und meint, dass sie sich den Ausweis angesehen hat und Ihrer Meinung nach kann es ja auch sein, dass das Tier doch nicht gegen Tollwut geimpft ist. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich doch auch nichts mehr machen kann, da das Tier ja nicht mehr bei mir ist.

Am Montag habe ich wieder mit Frau X gesprochen und sie erzählte mir, dass das zuständige Veterinäramt auf ihren Anrufbeantworter gesprochen hat und sie das Tier schleunigst ins Tierheim bringen solle. Wir mussten Zeit gewinnen, deshalb hat Frau X erst gegen Abend eine E-Mail ans Amt geschickt mit dem ungefähren Wortlaut, dass sie den Kater zu ihrer Freundin nach Hamburg gebracht hat, da das Tier ja da in Hausquarantäne bleiben kann. Aber leider ist der Kater durch ein Kellerfenster ausgebüxt und alles Suchen hat keinen Erfolg gebracht. Sicher ist der anhängliche Kater von einer netten Familie aufgenommen worden.

Dann kam der Mittwoch und somit das Ergebnis der Blutabnahme. Natürlich wurden im Blut die Antikörper gegen Tollwut festgestellt. Wir haben diese auch gleich an die beiden Ämter weitergeleitet. Nun hoffen wir, dass endlich Ruhe ist.

Außerdem gibt es laut Veterinäramt Hamburg Mitte im Moment keine Tollwut in Rumänien.

Heute hat sich doch tatsächlich die Familie, denen Micky zugelaufen ist, bei uns gemeldet und wir haben ihn gleich abgeholt. (grins)

Micky hat von dem ganzen Trubel nichts mitbekommen und fühlt sich bei uns katzenwohl. Er ist so ein süßes Kerlchen und hat super Vertrauen zu uns. Das wäre sicher nicht so, wenn er im Tierheim gelandet wäre.

Text und Fotos: Gisela Kurfürst-Meins
gisela.meins@gmx.de

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4 Kommentare

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    • Ursula Gressmann on 12. Januar 2012 at 09:14
    • Antworten

    Liebe Gisela,
    da hat wieder einmal der Amtsschimmel laut gewiehert. Ich habe deine locker geschriebene Geschichte sehr gerne gelesen und freue mich nun über das gute Ende. Herzliche Grüße von Uschi

    • Meins
    • Gisela Kurfürst-Meins on 14. Januar 2012 at 15:09
    • Antworten

    Liebe Uschi,

    vielen Dank, das Lob von dir freue ich mich sehr.
    LG Gisela

    • Meins
    • Gisela on 14. Januar 2012 at 15:10
    • Antworten

    ich meinte natürlich „über das Lob“

  1. Liebe Gisela Kurfürst-Meins

    eine schöne Geschicht haben Sie geschrieben und wieder ist ein Kater glücklich geworden weil es Menschen wie Sie gibt, alles Liebe.
    Ursula Geier

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