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Eine Handvoll Dackel

Wie wir zu unserem zweiten Dackel namens Waldi kamen, ist eine recht interessante Geschichte. Unser erster Dackel war ja ein Männchen, auch wenn er Mirzel hieß, was in Österreich soviel wie Maria bedeutet. Als wir unseren schwarzen Langhaardackel wegen einer schweren Herzerkrankung einschläfern lassen mussten, wurde unser anderer Hund, die Berner Sennenhündin “Bella” immer kränker. Dies ging soweit, dass ich ihr beim Treppensteigen nachhelfen musste. Sie hatte schon zuvor Beschwerden wegen einer schweren Hüfterkrankung. Schon während der Monate, als Mirzel unter seiner Krankheit schwer litt und immer wieder qualvolle Herzanfälle bekam, sah man unserer Bella an, dass dies auch an ihr nicht spurlos vorüber ging.

Als Bella dann alleine war, wurde sie wahrscheinlich aus Trauer immer kränker. Im geheimen spielte jeder von uns mit seinen Gedanken schon damit, einen neuen Hund anzuschaffen. Nur zugeben wollte es keiner. Noch ging uns der Abschied von Mirzel zu nahe. Als wir zu Pfingsten wieder unseren alljährlichen Urlaub im Bayerischen Wald machten, kam von einem von uns der schicksalhafte Vorschlag, doch wieder einmal ins Dackeldorf Gergweis zu fahren. Wir bräuchten uns ja keinen zu kaufen. Wenn ein neuer Hund in Frage kommt, dann sowieso nur einer aus dem Tierheim. Also fuhren wir nur so mal aus Neugierde nach Gergweis in Niederbayern. Wir waren schon vor Jahren einmal dort, als noch in fast jedem zweiten Haus ein Dackelzüchter wohnte.

Als wir uns dort etwas umsahen, waren wir ziemlich enttäuscht. Im ehemaligen Dackeldorf gab es fast keine Dackelzüchter mehr. Ein einziger Züchter hatte junge Rauhhaardackel. Aber diese gefielen uns eigentlich weniger. Außerdem wollten wir ja sowieso keinen Dackel mehr. Ein solcher kommt uns nicht mehr ins Haus, sagten wir uns! Was waren das doch für nervenaufreibende Machtkämpfe mit unserem Mirzel. Wir waren uns dem nur nicht bewusst, weil es zur jahrelangen Gewohnheit wurde. Einen kleinen Hund eventuell vielleicht auch aus dem Tierheim aber wieder so ein anstrengender Dackel! Nein Danke, kommt gar nicht in Frage!

So oder ähnlich lauteten unsere Argumente, als es darum ging, uns einen Nachfolger für unseren Langhaardackel Mirzel anzuschaffen. Doch wie lautet eine alte Dackelbesitzer Weisheit? Einmal ein Dackel, immer ein Dackel. Wir kannten diesen Spruch zwar, doch an seinem Wahrheitsgehalt glaubte keiner von uns so recht. Dabei waren wir schon auf dem besten Weg, unseren Vorsatz Lüge zu strafen. Wären wir denn sonst in das Dackeldorf gefahren?

“Hast du gesehen, was für einen Blick die Rauhaardackel hatten einfach süß”! Diese Bemerkung meiner Frau bestätigte nur das, was auch ich nach diesem Besuch wahrscheinlich im Unterbewusstsein beschlossen hatte. Nur ein Dackel darf es wieder sein. Unser Mirzel hatte ja schließlich doch einen Charakter! Wir wollten etwas, dass unserem unvergesslichen Dackel ähnlich sah, was der uns angebotene Rauhaardackel ja überhaupt nicht war. Unseren Vorstellungen zufolge war er sowieso viel zu teuer. Also mussten wir unverrichteter Dinge und ohne einem neuen Hund wieder von dannen ziehen, bzw. wieder in unser Urlaubsquartier zurück fahren.

Doch der zweite Akt der jetzt von Seiten meiner Frau schon fast zielstrebigen Dackelsuche folgte postwendend auf dem Fuß: Wir kamen am Samstag nachhause, hatten aber kaum mehr frische Lebensmittel, so dass wir uns am darauffolgenden Montag vor allem frisches Brot besorgen wollten. So fuhren wir gleich am Vormittag in die Stadt um unsere Besorgungen zu machen. Meine Frau wollte beim Bäcker das Brot einkaufen, während ich in der Zwischenzeit in ein anderes Geschäft ging, um mir etwas zu besorgen.

Als wir uns zum abgemachten Termin wieder am Auto trafen, meine Frau fast etwas aufgeregt. “Du Schatz”, sagte sie! “Komm ganz schnell mal mit in da Zoogeschäft Da ist etwas, was dich ganz bestimmt interessieren wird”! Ich stieg also wieder vom Wagen aus und ging mit. Dort angekommen, bestätigte sich meine Vorahnung. Im Schaufenster waren zwei ganz kleine, niedliche Dackel, die sich fest aneinander schmiegten. Jeder einzelne von ihnen war gerade so groß, dass er in einer Hand Platz fand. Drinnen im Geschäft nahm meine Frau einen der Dackel es war ein hellbraunes Dackelmännchen sofort in ihren Arm, besser gesagt, in ihre Hand, denn dort hatte es auch Platz. Gleich darauf überfiel mich meine Frau mit dem Vorschlag, es einmal auszuprobieren, ob sich unsere Bella mit dem jungen Hündchen vertragen würde. Unser Berner Sennenhund saß ja sowieso auf dem Rücksitz unseres Autos und wir bräuchten nur die wenigen Meter hinaus zu gehen.

Gesagt getan! Da ich dem Vorschlag keine handfesten Argumente entgegensetzen konnte, allein schon deswegen, da ich ja wusste, unsere Bella braucht unbedingt wieder einen Spielgefährten gingen wir gemischten Gefühles mit dem jungen Dackel zum Auto. Ohne jegliche Probleme akzeptierte Bella nach anfänglichen Schnupperns das wahrscheinlich neue Familienmitglied. Jetzt war also so gut wie alles klar. Das wird unser neuer Hund, auch wenn er bislang erst so groß war, dass er in einer Hand Platz fand. Aber wir würden ihn schon aufpäppeln. Breitbeinig und des Bellens noch unfähig stand er mit seinen höchstens 5 Lebenswochen vor uns. Von hinten war eine gewisse Ähnlichkeit mit einem jungen Äffchen nicht zu verleugnen. Doch diese Augen!

Jetzt fehlte nur noch ein passender Name. Mein Vorschlag war “Waldi”. Dem wurde zwar nicht voll zugestimmt, doch nach einiger Diskussion einigten wir uns auf diesen Namen. So waren wir bis zum Abend mit unserem neuen Mitbewohner und Familienmitglied vollauf beschäftigt. Erst als es Zeit wurde zum Abendessen, bemerkten wir, dass wir das bestimmte Lebensmittel, wegen dem wir eigentlich zum einkaufen fuhren nämlich das Brot vergessen hatten! Aber was sollte das! Verhungert sind wir deshalb nicht.

Unser Waldi wuchs im Laufe der folgenden Monate zu einem lieben, treuen und aufgeweckten Langhaardackel heran. Er konnte zwar lange nicht bellen und auch festes Futter nahm er Anfangs nicht auf. Vor allem meiner Frau gelang es aber mit viel Geduld und Liebe, aus ihm einen prächtigen Dackelrüden zu machen, der heute der Liebling des ganzen Hauses ist. Auch zwischen Bella und Waldi war es Liebe auf den ersten Blick. Die beiden Hunde verstehen sich sofort. Sie wurden ein Herz und eine Seele. Unsere Berner Sennenhündin wurde fast wieder gesund, bis auf einige wenige Beschwerden, die sie ab und zu hatte.

Autor: Walter J. Pilsak
walter.pilsak@gmx.de
http://www.pilsak.de

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