Die Möwe hält träumend die Lider geschlossen,
vergönnt sich noch kurz etwas längere Nacht.
Doch kitzelt die Sonne der Eissterne Sprossen,
die schmelzen zum Nass und der Vogel erwacht.
Er rüttelt und bauscht das noch klamme Gefieder,
ein gellender Schrei und die Luft hat ihr Spiel.
Der offene Schnabel kreischt heisere Lieder,
die Möwe versucht sich als Pfeil ohne Ziel.
Sie stürzt, lässt sich fallen, berührt mit den Flügeln
das schwappende Wasser, der Schnabel taucht ein.
Der Wind aus der Tiefe lässt ungern sich zügeln.
Er hebt sie empor, gibt sie frei dann als Stein.
In Irrwitz verfällt sie mit torkelndem Trudel,
dann misst sie die Breite des Flusses im Flug,
fällt wieder hinab bis zum kreisenden Strudel.
Der Tanz dauert an, war dem Tier nicht genug.
Du stehst am Geländer der sicheren Brücke,
wirst selbst eine Möwe, fantastisch belebt,
und gönnst dem Realen die winzige Lücke
in der dich die Schwinge ins Vogelreich hebt.
Foto: © Günter Havlena / http://www.pixelio.de
Autor: Ingo Baumgartner
rosmaringo@aon.at
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2 Kommentare
Margrit Baumgärtner
20. Oktober 2011 von 08:02 (UTC 2)
Auch ich stehe wahnsinnig gern am Wasser und schaue den Möwen zu.
Doch wer könnte das besser beschreiben als ROSMARINGO……!
edithtg
21. Oktober 2011 von 12:16 (UTC 2)
Huch! Soeben hab ich im Downloadbereich meines Rechners eine Version dieses Gedichts MIT ILLUSTRATION gefunden. Sorry – das hab ich beim Verarbeiten nicht gesehen. Der Text hat sich sofort als .doc präsentiert ohne dass ich ihn erst von .docx konvertieren musste. Die Zeichnung hat er mir da nicht gezeigt.