Hallo, wir sind die zwei armen Miezekätzchen, die hier wohnen dürfen. Aber eigentlich geht es uns recht gut hier. Ach ja, die schwarze (eigentlich dunkelbraun getigert) heisst Taps. Und die andere bin ich, Suse genannt. Taps ist ein bisschen schüchtern, obwohl sie älter ist und so musste ich die Vorstellung übernehmen.
Tja, hier sind nun wir diejenigen, die sich austoben dürfen. Und das wollen wir auch. Taps fängt an, weil sie die ältere ist. Sie ist auch schon länger bei unserer Tütenöffnerin. Ja richtig, Tüten. Denn meistens macht sie uns Tüten auf, aus denen sie dann Futter in unsere Näpfe tut. Wenn sie uns doch bloss vorher fragen würde, ob wir das mögen. Seufz. Aber nun zuerst Taps mit ihrer Geschichte:
Die ersten Tage:
Oha, auf diesem Bild bin ich etwa 4 Wochen alt. Eine Woche zuvor kamen ganz viele Zweibeiner zu uns (meine Adoptivmutter und 6 Geschwister) und waren ganz begeistert von den anderen, die eine Woche älter sind. Ich hab mich lieber in die hinterste Ecke verkrochen, damit mich keiner sieht. Aber ein ganz grosser Mensch, der im Tierheim nach einer Katze suchte, hat sich ganz tief runtergebeugt, mich gesehen und beschlossen, dass ich Taps sein sollte. Was für ein Name!! Mir war es eigentlich noch egal, hauptsache meine Geschwister waren da und ich hatte meine Ruhe.
Also gut, vielleicht noch mal von vorne. Nach menschlichem Kalender bin ich am 06. Mai 1999 geboren. Zusammen mit 2 Geschwistern. Aber unsere Mutter wollte uns nicht, ein Geschwisterchen hat sie sogar totgebissen. Als die netten Menschen im Tierheim das mitbekamen, haben sie meine Schwester und mich zu einer anderen Katzenmutti gebracht, die schon 5 Kinder hatte. Alle eine Woche älter und grösser als wir. Meine Schwester sieht übrigens fast genauso aus wie ich, nur hat sie einen grösseren weissen Fleck auf der Brust. Was wohl aus ihr geworden ist?
In den Wochen nach dem ersten Besuch meiner neuen Menschenmutti kam sie noch mal vorbei und wir haben ein bisschen gespielt. Naja, eigentlich haben mehr meine Adoptivmutti und meine Geschwister mit ihr gespielt. Ich war viel zu schüchtern und zurückhaltend. Ausserdem ist mein Papa ein Rassekater, da kann ich doch nicht einfach so rumtoben. Das gehört sich doch nicht für ein so edles Geschöpf.
Am 03.Juli menschlicher Zeit, ich war gerade 7 Wochen alt, kam meine Menschenmutti und hat mich abgeholt. In den Tagen davor waren fast alle meiner Geschwister verschwunden. Ich hoffe, dass es ihnen gut geht. Mein Mensch kam, nahm mich auf den Arm und ich durfte mich ganz dicht an sie kuscheln. Wir gingen in einen fremden Raum, wo ich ganz vorsichtig rumschnuppern durfte. Dann wurde ich in einen Korb gesteckt, der ganz doll nach einer fremden Katze roch. Und nach ganz vielen anderen Dingen. Die Tür ging zu und ich wurde schaukelnd mit meinem Menschen in einen noch grösseren Käfig gebracht, der ganz viel Krach machte und wo noch ein muffeliger Zweibeiner drinsass. Nach einer Ewigkeit wurde der
Korb wieder aus dem grossen Metallkäfig (ein Auto, sagt mein Zweibeiner gerade) genommen und ich wurde durch die Gegend getragen. Das roch vielleicht seltsam. Nach ganz vielen Sachen, die ich alle nicht kannte. Und dann stiegen wir in einen anderen Metallkäfig (Aufzug), der ruckelte und ganz eklig gerochen hat. Ich hatte Angst und sass in der hintersten Ecke des Korbes, versteckt in etlichen Stoffstücken. Und dann kam es. Mein neues Zuhause. Riesengross kam es mir vor. Nach einige Zeit habe ich mich aus dem Korb herausgetraut und angefangen, meine neue Umgebung zu untersuchen. Erst mal habe ich nach meiner Familie gesucht. Aber es war niemand da. Keine Katze, nicht mal ein entsprechender Geruch waren zu finden. Doch dann fand ich immerhin eine Toilette, die so ähnlich aussah wie die, die ich aus dem Tierheim kannte. HINEIN!!!! Der Raum, in dem sie steht, heisst hier Badezimmer. Es sind Kacheln da und Ecken, in denen ich mich verstecken konnte.
Ha, mein Mensch hatte wohl gedacht, sie hätte alle gefährlichen (verlockenden) Verstecke vor mir in Sicherheit gebracht. Irrtum!! Kaum erkundete ich mein neues Revier, fand ich ein herrliches altes Sofa. Das stand in dem Hauptraum an der Wand, also war es darunter so richtig schön dunkel und ausser Reichweite der langen Arme meines Menschen. Und das tollste war, dass man von unten in das Sofa hineinklettern konnte. Dummerweise hat mein Mensch mich doch gefunden, mein Schwanz guckte noch raus. Und dann hat diese Spielverderberin einfach das Sofa hochkant gestellt. So konnte ich aber wenigstens noch dran rumklettern.
Leider haben mein Mensch und ihre Mutter irgendwann das Sofa von unten dicht gemacht. Jetzt ist da so ein komisches Zeug drunter, dass nach einem fremden grossen Tier riecht (Kuhfell).
Ich habe mich allerdings recht schnell an meinen Menschen gewöhnt. Aber viel reden tue ich nicht mit ihr. Sie versteht mich auch ohne grosses Gemaule. Und ausserdem hat mir mein Mensch gefälligst meine Wünsche von den Augen abzulesen. Immerhin bin ich was besonderes.
Tja, bis zum Oktober hatte ich meinen Menschen dann auch für mich alleine. Im September war ich das erste Mal für 3 Tage von ihr getrennt. Da war ich bei einem anderen Menschen, in einer fremden Wohnung. Aber der Mensch ist auch lieb zu mir. (Die Cousine, Anm.) Die hat ganz viel mit mir gespielt.
Aber zurück zum Ablauf des Jahres. Es wurde schon kalt draussen, das hab ich am Fensterrahmen gemerkt, wenn ich auf der Fensterbank lag und sehnsüchtig hinausgeschaut habe. Da kam eines Tages (26.10.99) die Mutter meines Menschen und ist mit ihr weggegangen. Als die beiden wiederkamen hatten sie meinen Katzenkorb dabei, der ganz seltsam gerochen hat. Da war eine kleine Katze drin. Puuh, die hatte vielleicht Angst. Nicht mal unterhalten konnte ich mich mit ihr. Und mein Mensch hat sich plötzlich viel mehr um die andere Katze gekümmert. Schweinerei!!! Gemeinheit. Dabei hat sich die andere (Suse genannt) nur im Badezimmer versteckt und nur gefaucht, wenn ich vorbeikam. Die war ängstlich und wütend. Uiuiui. Und ihr Futter hat sie vor ihr Versteck gestellt bekommen, wohingegen ich immer in die Küche tapern musste.
Barbara (also mein Mensch) hat mir dann versucht zu erklären, dass die fremde Katze jetzt auch bei uns wohnen sollte. Ok, also hab ich immer wieder versucht, mich mit ihr anzufreunden. Aber die hat mich einfach übersehen. Als sie nach einigen Tagen endlich mal aus dem Badezimmer rauskam und MEIN Revier erkundet hat, ging sie einfach an mir vorbei. An mir, der Herrscherin über dieses Reich. Naja. Ich hab dann schon alles getan, um ihr klarzumachen, wer hier das sagen hat.
Zu zweit
Tja, mit dem Einzug von Suse änderte sich mein ganzes Leben. Na gut, sie hat mir nach einer Weile ein bisschen von sich erzählt, und sie tat mir am Anfang ja auch leid. Aber dass sie auf einmal einen so grossen Teil der Aufmerksamkeit meines Menschen in Anspruch nahm, fand ich ungerecht. Ich hab mich dann auch erst mal verkrochen. Wollte nicht spielen und auf einmal schmeckte mir auch das Futter kaum noch. Ich muss gestehen, ich war (und bin es noch) eifersüchtig. Lächerlich. Eifersüchtig auf so ein kleines Kätzchen! Ts! Denn als Suse kam, war sie ziemlich unterernährt und klein. Dabei ist sie nur einen Monat jünger als ich. Aber ich habe sie überragt. Und dieses Schnöselkätzchen aus der Wildnis, dass nicht mal seine Eltern kennt, nahm auf einmal so viel Raum ein. Mein Revier hat sie erkundet. Und gelegentlich markiert. Igitt!! Barbara hat ihr dann aber schon gesagt, dass sie das nicht soll. Und ich habs ihr ganz klar gemacht, wo sie ihr Geschäft zu erledigen hat. Nach einer Weile hat sie es auch verstanden. Und einen Umgangston hatte sie….ordinär!!! Ich hatte alle Pfoten voll zu tun, ihr wenigstens die Grundbegriffe beizubringen. Am fünften Tag kam sie zu mir in die Küche, als es Futter gab. Glücklicherweise gab es 2 Näpfe mit Futter, so dass sie nicht aus meinem Napf futtern musste. Aber wir kamen uns langsam näher.
Das erste Mal, dass wir beide so richtig friedlich nebeneinander lagen war allerdings nach einem völligen Horrortrip. Da hatte uns unser Mensch beide zusammen in den Katzenkorb gesteckt und ist mit uns durch die Gegend gefahren. In so einem grossen Ding, das sie Strassenbahn nannte. Und dann noch mal in einem anderen Teil namens Bus. Aber das war noch lange nicht der schlimme Teil. Ich war ja schon mal bei einem Tierarzt, der mich gepiekt hat. Und Suse kannte das auch schon aus dem Tierheim. Aber diesmal war es besonders schlimm. Nach dem Pieks wurde mir ganz schwummerig und müde. Und Suse erzählte mir hinterher, dass das bei ihr auch so war. Und als ich wieder aufgewacht bin, waren wir schon wieder zuhause.
Da lagen wir nun. Beide noch völlig benebelt und mit Bauchschmerzen. Und noch schlimmer: Am Bauch hatten wir beide kein Fell mehr!! Suse wurde vor mir wach und torkelte schon durch die Wohnung, als ich so langsam mal die Augen aufmachte. War mir schlecht. Unser Mensch hat uns dann erklärt, dass wir nun keine kleinen Kätzchen mehr kriegen könnten. Weil der Tierarzt uns operiert hatte. So ganz hab ich das nicht begriffen, aber wenn sie meint, dass das gut sei, bitte.
Suse ist an der Reihe
Noch halte ich meinen Denkerinnenschlaf, aber bald erzähle ich euch hier, was das Leben aus meiner Sicht so interessant macht.
Jaja, so unschuldig gucke ich immer. Jedenfalls wenn ich schlafe, kann es schon mal vorkommen, dass die Zunge sich rollt. Ich bin gar nicht so frech, wie unsere Zweibeinerin immer behauptet. Und dass Taps mich immer wieder verhaut ist absolut unfair. Ich bin doch immer nur lieb und artig. Ok, manchmal,… aber das erzähle ich lieber nicht. Ist doch auch gemein, dass Barbara immer wieder NEIN sagt, wenn ich spielen will oder nur ein bisschen von dem abbekommen, was da so verlockend auf dem Esstisch duftet. Naja, immer sagt sie nicht nein. Und ich darf mich ja auch mal bei ihr anlehnen, wenn mir danach ist. Dann krault sie mir auch den Bauch oder die Ohren. Aber sie könnte ruhig öfter mit mir spielen. Doch lieber mal der Reihe nach erzählen, oder?
Also von meinen ersten Lebensmonaten mag ich nicht berichten. Das war irgendwo draussen und dann im Tierheim in so nem kleinen Käfig mit 3 anderen Katzenkindern. Ok, es war nicht wirklich eng, aber hier ist einfach mehr Platz.
Ja, so erstaunt habe ich geguckt, als ich das erste mal fotografiert wurde. Ich war klein, erst wenige Tage in meinem neuen Revier und traute mich gerade erst aus dem Raum heraus, in dem ich zuerst war. Das war das Badezimmer hat Barbara gesagt. War jedenfalls so ähnlich wie im Tierheim. Alles kühl und glatt. Und eine Kiste zum verstecken war da. Aber nun war ich schon 13 Tage da und spielte immerhin schon mit dem seltsamen Zweibeiner, der mich immer wieder auf den Arm nahm und mir Mut machte. Nur die andere Katze, Taps genannt, war mir nicht geheuer. Die hab ich sicherheitshalber ignoriert. Die wollte mir immer wieder was erzählen, mich beschnuppern und mir Vorhaltungen machen.
Als ob sie was besonderes sei, nur weil sie schon länger hier wohnte. Ts!!!! Nicht mit mir!! (Anm. d. Red.:Die beiden waren sich erst mal gar nicht so freundlich gesinnt, das dauerte eine Weile. )
Das war ich am 02.11.99. Gerade mal 4 Tage im neuen Revier. Die Füsse gehören meiner Tütenöffnerin. Das Foto gibts hier auch nur, um mal zu demonstrieren, wie klein ich mit meinen 4 Monaten noch war. Ich hatte es eben nicht leicht als Welpe. Da ist es nur recht und billig gewesen, dass ich eine Extrabehandlung bekam, als ich aus dem Tierheim in die neue Umgebung gezwungen wurde. Und dann noch diesen seltsamen Namen bekam. »Suse«. Wer will schon Suse heissen, frag ich euch.
Doch lieber will ich euch etwas aus der Zeit nach meinem Einzug erzählen als mich in traurigen Geschichten auszulassen. Da bin ich nicht der Typ für. Geht doch mal ins nächste Tierheim, da gibts genug Schicksale, denen ihr helfen könnt. Vielleicht macht ihr dann auch mal Bekanntschaft mit einer so tollen Katze wie mir.
Autor: Barbara Foth
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*** Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Seiten-Relaunchs übernommen von tiergeschichten.de, unserer allerersten, ursprünglichen Tiergeschichten-Seite. ***










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