Gib Küsschen, meine Schöne

Eigentlich dachte ich immer, dass er mir treu war, aber in der letzten Zeit schien er stark verändert. Kam immer später nach Hause, hatte ein neues Deo und grinste meist so dümmlich vor sich hin. Das alles gefiel mir gar nicht, und so beschloss ich, ihn im Büro zu besuchen, natürlich unangemeldet. Das tat ich dann auch.

Alles war still wie immer, nur der PC summte und ab und zu ratterte der Drucker. Aber dann hörte ich ihn zärtlich sagen: „Komm her, meine zarte Schöne, gib mir Küsschen“.
Mir gefror das Blut in den Adern, aber ich wollte noch mehr hören. Aha, er gab Schmatzgeräusche von sich, das reichte mir, ich schlich mich nach hause und wartete bis er kam.

Wie immer grinste er blöde vor sich hin und ging in sein Büro im Haus. Ich schlich hinterher und hörte ihn wieder zärtlich flüstern: „Ja, meine kleine Schöne, du bist mein Liebstes, komm, gib Küsschen!“ Jetzt hatte ich genug und riss wutentbrannt die Türe auf.

Was ich dann sah, verschlug mir die Sprache. Vor ihm stand eine kleine graue Katze und schnurrte wie verrückt, er hatte den Mund zum Kuß gespitzt, und ich sah vermutlich aus wie ein Vollidiot. Und es war mein Geburtstagsgeschenk, das er vor mir versteckte, weil ich erst in wenigen Tagen Geburtstag hatte.

Als er mich so wortlos sah, fing er an zu lachen und konnte sich fast nicht mehr beruhigen. Meine Katze bekam den Namen „Beauty“ und das war und ist sie immer noch. Und Küsschen gibt sie immer nur ihm, aber das stört mich nicht.

Illustration: http://www.nur-gifs.de/

Autor: Ursula Geier
UrsulaGeier@web.de

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1 Kommentar

  1. Liebe Frau Nebel

    herrlich das Bild und wie immer super getroffen. Lieben Dank und viele besonders liebe Grüße. Uschi Geier

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