Ein Sperling saß’ heut mächtig stolz
In meines Gartens Unterholz.
Vor ihm saß, ganz Ohr und nah,
Dicht gedrängt ‘ne Spatzenschar.
Zuerst dacht’ ich mir nichts dabei -
Ein Vogel ist manchmal so frei -
Und sitzt wo’s ihm gerade paßt
Und auch nicht nur auf einem Ast.
Doch weil die Zeit mich heut’ nicht jagte,
Mich auch ansonsten gar nichts plagte,
Gönnte ich mir etwas Ruh’
Und setzte mich ganz leis’ dazu.
Augenblicklich war mir klar,
Daß dieses eine Sitzung war.
Denn – ich muß es wohl erwähnen -
Ich sah so manches Spätzchen gähnen.
“Wie Spatz ‘ner Katz’ entkommen kann”
Stand heute auf dem Hauptprogramm.
Eigentlich doch offensichtlich,
Daß dies’ für Spatzen lebenswichtig.
Obwohl mit ernstem Unterton
Sprach doch der Sperling monoton,
Wie er dem Kater einst entkommen,
Der seinen Lieblingsbaum erklommen.
Noch während er die Rede hält
Die ihm, so scheints, recht gut gefällt,
Da seh’ ich gar nicht fern im Süden
Des Nachbarn Mieze gierig liegen.
Da ich ja nun kein Vogelzwerg
Hatt’ ich sie auch zuerst bemerkt.
Denn selbst wenn alle Spatzen stehen
Kann doch ich sitzend weiter sehen.
Nun, weil Miezen sich gut tarnen,
Wollte ich den Sperling warnen.
Und weil ich nie dazwischenplatze,
Wies höflich ich nur Richtung Katze.
Als das nicht half hob ich behende
Erst eine und dann beide Hände.
Auch schnippte ich recht viel und laut -
Was ich mich sonst wohl nicht getraut.
Die Spatzen ignorierten mich
In meiner Not beflissentlich,
Worauf dann Nachbars Mieze sprang
Und flugs den Oberspatz verschlang.
Nun – frag’ ich mich unterdessen -
Wär’ der Sperling nicht gefressen
Hätt’ ich es schriftlich eingereicht,
Daß in ‘nem Busch ‘ne Mieze schleicht?
Warum – frag’ ich – wenn Spatzen lehren
Lassen sie sich nicht gern stören?
Vielleicht vergleicht mensch enge Stirnen
Deshalb so gern mit Spatzenhirnen.
Foto: © Fragenus (Jerzy Sawluk ) / http://www.pixelio.de
Autor: Thomas Kaminski, 1999
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