Fürs Stricken denkbar ungeeignet – Teil 5 von 10

Wollknäuel mit Charme!

Ad d) Heiße Hündin
Der Charakter meines Hundes brachte mir eine Fülle an Überraschungen. Er war eine ungewöhnlich eigenständige, aber auch ebenso sanfte Persönlichkeit. Genau das band mich an ihn. Es war eine Beziehung voller Widersprüche! Da brauchte ich viel Geduld und gute Nerven.

Sie werden staunen! Matos Kommunikation mit der gleichgearteten Damenwelt: Ein Kapitel für sich!

Schon im jugendlichen Alter ein ausgesprochener Beau, glaubte mein vierbeiniger Macho wohl, auf Grund dessen hätten die Weibchen um ihn Schlange stehen. Dem war aber absolut nicht so, denn mein Halbgroßer machte im Umgang mit ihnen etwas grundlegend verkehrt. Anstatt um das Mädchen seiner Wahl zart zu werben, ging´s nach dem obligatorischen Nasenkuss direkt zur Sache. Den allermeisten Weibchen gefiel das überhaupt nicht. Sie erteilten ihm deftige Körbe! Mein ach so von sich eingenommenes Matochen, das sich draußen wie der King persönlich präsentierte, verstand das nun gar nicht. Seiner Überzeugung nach war er doch so ein toller Rüde. Ja, ja – mein Obermacho!! Traurig stand er neben mir; in seinen Augen die deutliche Frage an mich: „Ich habe mich doch nur so doll gefreut. Was haben sie nur gegen mich?“ Meine Tröstungsversuche hätte mein Hund ja nicht verstanden, aber ich dachte im Stillen: “ Auf diese Art kann´s nicht klappen, Mato! Das musst du anders anstellen!“

Hundemädchen bevorzugten zweimal im Jahr eine besonders  s e x y  Parfümnote, die sämtliche Rüden vor Sehnsucht rasend werden ließ. Die begaben sich, wenn eben möglich, schleunigst auf Freiersfüße. Vielen wurde das aber von denen ihnen anvertrauten Zweibeinern strengstens untersagt. Doch kluge Hunde wussten Rat! Wozu hatten Türen Klinken, auf die man drauf springen konnte? Gartenzäune waren dazu da, um überwunden zu werden. Allerdings wurde es sehr kompliziert, wenn diese Zäune nicht ganz niedrig waren. Über 2m Zäune zu entwischen, war äußerst schwierig. Nur die Extremsportler unter den Hunden brachten dieses Kunststück fertig. Unter solchen Zäunen sich rauszubuddeln, schafften in einer akzeptablen Zeit nur die kleineren Ausgaben. Die etwas größeren Hausgenossen hatten bei dem Versuch, sich ein entsprechendes Loch unter dem Zaun hindurch zu graben, großes Pech. Meistens wurden sie bei dieser dann zeitraubenderen Arbeit erwischt und mussten deshalb die Hoffnung auf ein unerlaubtes Liebesabenteuer fahren lassen. Selbst der berühmte Dackelblick verhinderte nicht die nachfolgende Schimpfe. Der hastigen Buddelarbeit fiel nämlich sehr oft ein wunderschönes Blumenbeet zum Opfer!

Foto: © Eurasierfreunde (Martina Goslar) / http://www.pixelio.de

Mein Mato war Obercasanova; er ließ sozusagen keine „Frau“ aus! Seine Beurteilung schwankte zwischen einfach umwerfend, super, sehr nett, nett, weniger sympathisch bis hin zur doofen Pute. Aber selbst die riss ihn zu Begeisterungsstürmen hin, war sie heiß. Die sonstige Antipathie war vergessen, und er folgte nur noch einem „Gedanken“: „Nichts als auf sie drauf!“ So wurden die Spaziergänge im Frühjahr und dann wieder im Herbst zu besonders „geruhsamen“ Ausflügen. Mit anderen Worten: Training für Fitness und Nerven! Tauchte eine solchermaßen attraktive Diva auf, ermahnte ich mich eindringlich: „Bloß Matochen festhalten. Sonst gibt es den berühmt-berüchtigten Salat!“ Mato fiepste los wie toll. Es blieb nicht beim Fiepsen allein. Er hing noch einige Jaulschleifen dran. Das ergänzte sich zu einem richtig melodiösen Lärm. Aber nur für seine (!) Ohren. Mato blieb stur stehen. Ich zog! Hund riss an der Leine. Ich stemmte mich dagegen! Hatte ich meinen Vierbeiner in Gehrichtung buchsiert, machte er blitzschnell eine Kehrtwende zurück zum Weibchen. Da halfen weder Leckerchen noch gute Worte! Mir blieb nur noch der Griff ins Halsband, mit dem ich Hund tunlichst Schrittchen für Schrittchen von seinem Wunschziel auf vier Beinen wegführte. Unwillkürlich dachte ich an das Abführen eines Menschen in Handschellen. Nach einigen Metern machte ich die Probe, ob mein Hund eventuell geneigt wäre, wieder brav neben mir her zu laufen. Vielleicht sogar in die Richtung, die ich unter den gegebenen Umständen für die weitaus bessere hielt. Ein paar Schritte lang spielte Mato mit, erinnerte sich dann an das anbetungswürdige Geschöpf in der entgegengesetzten Wegrichtung und streikte. Selbst die geliebten Schweineohren hätten da nichts mehr ausgerichtet. Mato zeigte ein Trotzgesicht wie ein Kleinkind. Doch ausschimpfen durfte ich ihn nicht. Sein Benehmen entsprach nur seinem Instinkt! Also wieder im Halsband nehmen und abermals wie einen Verbrecher abführen. Die einzige Möglichkeit, ihn mit viel Mühe doch noch in die gewünschte Richtung zu lotsen! Er versuchte wiederholt, sich aus meinem Klammergriff heraus zu winden. Doch ich war entschlossen, diesem Theater ein Ende zu setzen. Während der restlichen Wegstrecke bis nach Hause unterhielt mich mein Liebling äußerst fleißig mit vermehrtem „Operngesang“, zusammengestellt aus Fiepsen, lautem Jaulen und ab und zu wie aus Versehen auch einem Bellen, das aber so gar nicht zu der übrigen sehnsüchtig „hingehauchten“ Singerei passte. Dementsprechend „begeistert“ genoss ich diese verrückten Arien!

Mit zitternden Knien und klatschnass geschwitzt kam ich mit meinem Hund am Wickel endlich daheim. Zum Verschnaufen sank ich auf den nächstbesten Stuhl. Fast ein wenig schadenfroh registrierend, dass auch mein Wollknäuel anscheinend recht groggy war. Wie ein Flokati mit Beinchen dran lag er da zu meinen Füßen; offensichtlich fertig mit der Welt! Ich meinerseits schickte ein Dankgebet zum Himmel, dass ich diesen Wahnsinn hinter mir hätte! Nach all den Jahren mit Hunden weiß ich, dass mein Liebling mit Sicherheit der tonangebende, also Alpharüde, seines Wurfes war. Deshalb die enorme Selbstbestimmtheit und sein tolles Selbstbewusstsein. „Hallo, Matochen, warst du vielleicht der Erstgeborene deiner Mama?“ Doch die Antwort auf diese Frage blieb Matos Geheimnis.

Ad e) A+b+c+d!
Es konnte eigentlich nicht mehr viel verrückter kommen, oder? Oh, doch – der gemischte Salat anschließend geriet dann zur absoluten Spitzenvorführung, mit der mein süßer Liebling mich endgültig auf die Palme brachte! Ach, wie genoss ich den Zirkus! Wir kamen beide gar nicht dazu, unserem durch die Aufregungen per a, b, c und d schon mehr als gesund rotierendem Kreislauf etwas Erholung zu gönnen. So rasch folgten die Szenen dieses Theaterstückes dann aufeinander. Kaum war der doofe fremde Rüde geschafft (mein immer noch beleidigter Hund stand anhaltend grollend neben mir), da sichtete Mato eine Katze und wurde auffallend krege. Kätzchen zählte aber zur pfiffigen Sorte und brachte sich schleunigst in Sicherheit. Mit einem eleganten Weitsprung rettete es sich ins angrenzenden Feld. Man soll den Tag ja bekanntlich nicht vor dem Abend loben! Denn, kurz darauf nahte in hoppelnder Windeseile die Lieblingsbeute Nr.2, ein Häschen. Das hielt meinen Bären unverschämt zum Narren. „Scheiß Leine!“ mochte Mato da denken. Glücklicherweise verschwand Langöhrchen relativ fix aus seinem Blickfeld. Puh, war ich froh! Mein Hundewesen hatte diesem Tier doch wahrscheinlich ein wenig imponiert. Nur wenige Minuten danach hörte ich jemanden sehr sehnsüchtig-sentimental übers Feld rufen. Die Stimme gehörte unverkennbar einem verliebten Fasanenmännchen, das sein Weibchen suchte. Hoffentlich spürte er es noch vor unserer Wegstrecke auf. Wünsche sind nie verboten; aber ob sie in Erfüllung gehen, ist eine zweite Geschichte. Zu dumm! Sein Mädchen war nicht im entfernten Gebüsch zu finden, sondern hockte in der Nähe am Rand unseres Weges. Wie hätte das auch anders sein können!? Klar, dass Mato durchdrehte! Pech für ihn, denn ich war durch das „tolle“ Langlaufleinenerlebnis aufs Beste vorgewarnt. Als er die damalige Hechtsprungmethode nochmals einzusetzen versuchte, reagierte ich in Sekundenschnelle. Ätsch, mein Hund – keine Chance! Glauben Sie übrigens bloß nicht, ich hätte mir den ganzen Schabernack nur ausgedacht. Nichts als die Wahrheit! Aber an jenem Tage sollte mein Sporttraining wohl einfach kein Ende nehmen. Mir kam der Gedanke: „Kommt jetzt noch eine heiße Hündin vorbei, bin ich für heute bedient.“ Es war ja fast voraussehbar, dass der Kelch nicht an mir vorüber ging. Sofern die zugehörigen Besitzer wenigstens so einsichtig agierten, ihre Lolita eng bei sich an der Leine zu führen, war mein in sämtlichen Tonlagen jubilierender Hund ja noch zu bändigen. Doch manche Zweibeiner ließen nur zu gerne den Hundeknigge außer Acht. Heiße Hündinnen an der Leine waren genauso nervtötend wie die ihnen begegnenden jaulenden Verehrer. Diese Leute zu bitten, ihr Tier bitte anzuleinen, oder sie auf ihren Fehler hin zu weisen, das Weibchen in unverantwortlicher Weise ohne Leine herumlaufen gelassen zu haben, konnte ich mir getrost sparen. Antwort 1: „Ich weiß nicht, ob sie heiß ist!“ ( Im selben Moment legte Madämchen ihren S c h w a n z   p a a r u n g s bereit zur Seite!). Antwort 2: „Vielleicht ist sie ein bisschen heiß!“ So´n Blödsinn hörte ich besonders gerne! Komisch, meine Fee war eigentlich nie nur ein wenig heiß gewesen, sondern wenn, dann richtig. Da hatte ich ja doch noch etwas über Hunde dazugelernt. Es gab also auch ein „bisschen heiß“! Fast wurde ich wegen ihrer ach so tollen Antworten ein wenig neidisch auf deren Phantasie. So etwas hätte ich nicht gebracht.

Die Spitze an Ignoranz und Unwissenheit bewies mir aber das nächste mir entgegen kommende Paar! Auf meine Frage nach „Hitze“ kam tatsächlich doch der folgende Satz. „Die tut nichts!“ Im ersten Moment zweifelte ich am Verstand meiner Gegenüber, dann fast am eigenen! Was hatte denn „Hitze“ mit „Nichts tun“ zu tun? Wahrscheinlich war ich nicht klug genug, um den Zusammenhang zu verstehen. Garantiert schaute ich im ersten Moment ob dieser Auskunft etwas schockiert drein. Dann fing ich mich und meinte trocken: „Wenn sie sie nicht schnell zur Seite nehmen, mein Hund gleich aber!“ Das wie wild hin und her hopsende Etwas an meiner Leine gab mir bester Laune aus vollstem Herzen Recht. Er mochte sich fragen: „Aber, warum lässt sie mich dann nicht einfach…?“ Meinen Hinweis hätte ich mir genauso gut schenken können. Von solchen Exemplaren der menschlichen Rasse war ohnehin keine vernünftige Reaktion zu erwarten. Mir blieb nichts Anderes übrig, als trotz heftigster Gegenwehr meines Wauwaus zuzusehen, dass sich der Sicherheitsabstand zu dem attraktiven Objekt dessen Verehrung so schnell als möglich vergrößerte. Das klappte da nur noch mit „Aktion Wäscheleine!“ Was das schon wieder war?? Ganz einfach: Mittels Griff ins Halsband zerrte und schleifte ich meinen Möchtegern-Casanova neben mir her. Von Matos lautem Jaulquietschgesang bestens unterhalten, erreichte ich schließlich mit meinem Zappelphilipp im Schlepptau unser Haus. Ein erleichterter Seufzer: „Finit!“

Hundefreundschaften

Freunde
Henky wohnte im Nachbarhaus. Als er dort einzog, war Mato mit seinen sechs Jahren bereits im besten Mannesalter. Mein Hund erklärte ihn sofort zum Freund, obwohl der ab dann als zweiter Rüde in allernächster Nähe lebte. Sogar direkt vor unserer Haustür freute Mato sich wie toll, wenn er ihn traf. Dort einfach aufzukreuzen, durfte sich kein anderer fremder Rüde erlauben. Da wäre die Hölle los gewesen! Doch selbst diese innige Freundschaft hatte Grenzen. Matos Revier durfte selbst Henky nicht betreten. Und doch kriegten sich die beiden Rüden nur ein aller einziges Mal in ihrem Leben vor unserem Haus in die Wolle. Frau Haas wollte Mato eine Freude machen und spendierte ihm vor ihrer eigenen Haustür in Henkys Futternapf einige Leckerbissen. Doch ihr Hund beobachtete das und wurde schwer sauer. Erstens war das sein Napf, und zweitens obendrein sein Futter! So nicht! Sein Frauchen bemerkte zu spät, dass sich ihr Vierbeiner an ihr vorbei gedrückt hatte. Böse knurrte er Mato an. Ein paar Sekunden lang ließ mein Hund das mit sich machen. Aber dann verlor er die Geduld und reagierte. Es kam zu einer ernsthaften Keilerei zwischen den beiden Freunden. Meine Nachbarin schnappte sich ihren Liebling im Nackenfell und wies ihn heftig zurecht. Derweil riss ich Mato an der Leine zu mir. Passiert war nichts. Trotzdem entschuldigte sich Frau Haas bei mir ihres Fehlers wegen ganz ausdrücklich. Dabei hatte ich ihr diesen Zwischenfall überhaupt nicht übel genommen.

Unsere beiden Kampfhähne beruhigten sich rasch. Am nächsten Morgen führten wir sie, vorsichtshalber ein wenig Abstand wahrend, behutsam aneinander vorbei. Leises Knurren – das war alles! Einen Tag später herrschte wieder eitel Sonnenschein zwischen den Beiden. Wir Frauchen atmeten auf!

Im Babyalter schloss Mato enge Freundschaft mit einem gleichaltrigen Afghanenjungen, Angelo. Auch als erwachsene Rüden verstanden sie sich ausgesprochen gut. Selbst dann noch, wenn sich beide für ein- und dasselbe Weibchen interessierten. Als dieser Freund starb, machten seine Besitzer mich in Hellerhof ausfindig. Angelo hätte bestimmt, dass sein bester Freund alles erben sollte: die Leinen, die Fressnäpfe samt einer großen Dose Leckereien. Das rührte mich damals sehr!
Eine Querstraße weiter wohnte der Labrador Benny, ein irre freundlicher und lieber, aber auch genauso lebhafter Hund. Mato und Benny waren ein Herz und eine Seele. Übrigens hatte Benny sein Herrchen sehr gut im Griff. Grub Benny nach Mäuschen, half ihm sein Besitzer sogar dabei. Mato stellte fest, dass auch dessen Eltern Benny prima gehorchten. Sein Freund konnte zufrieden sein!

Rico und Bani, zwei superliebe Collies, zählten ebenfalls zu den besten Freunden. Trafen sie sich, war die Freude groß. Besonders mit Rico tobte Mato gern herum. Der war sehr lebhaft und immer fröhlich. Nie gab es Streit. Rico mochte mich ausnehmend gern. Sah er mich von weitem, stürmte er auf mich zu und gab mir vor Freude einen deftigen Nasenstüber. Selbst, als Mato älter geworden war, durfte Rico sich mir gegenüber fast alle Zärtlichkeiten erlauben, ohne von meinem Hund schief angesehen zu werden. Sie waren ihr Leben lang dicke Freunde.

Bonito war ein kleiner schwarzer Mischling, Höhe etwa 30 cm, Aussehen wie ein kleiner Mopp. Wo vorne und wo hinten war, blieb meistens ein Geheimnis. Es sei denn, man spendierte ihm einen Leckerbissen. So etwas nahmen Hunde normalerweise mit der Schnute entgegen. Dann war das Rätsel gelöst! Er war viel temperamentvoller als Mato; doch tat das ihrer lebenslangen Freundschaft keinen Abbruch.

Damit erschöpfte sich der Bekanntenkreis meines Hundes beileibe nicht. Nur würde es an dieser Stelle zu weit führen, wenn ich sie alle namentlich erwähnte. Hätte ich ihn fragen können, worüber ich als Nächstes berichten sollte, forderte er garantiert, dass ich endlich zu einem seiner Lieblingsthemen, den Weibchen, überwechselte. Da gut erzogen, gehorche ich hiermit auf ´s Wort.

Freundinnen
Gleich werden Sie staunen! Hätte ich die Veranlagung meines Hundes erahnen können, hätte ich ihn wahrscheinlich schon in jungem Mannesalter kastrieren lassen. Überlegung: „Tausend kleine Matos …, und erst die Alimente…!“

Als Hundebesitzerin lernte ich während unserer Spaziergängen enorm viele Leute kennen. Kein Wunder! Vierbeiner waren immer ein Grund für tierliebende Zweibeiner, kurz stehen zu bleiben und mit Frauchen und Hund ein paar nette Worte zu wechseln. Eher natürlich mit Frauchen; doch Hund war selig. Denn meistens drehte sich das Gespräch um ihn. So traf ich eine junge Frau, die gleich acht Hundebeine ausführte. Vier davon gehörten zu einer süßen Bernersennen-Hündin, die von einem Collie-Mix begleitet wurde. Beide überaus freundliche Tiere. Wir Zweibeiner unterhielten uns eine Weile und verstanden uns auf Anhieb blendend. So verabredeten wir gemeinsame Ausflüge zu fünft. Mato hatte nicht nur nichts dagegen einzuwenden; nein, er war regelrecht begeistert von diesem Plan. Das Hundemädchen, Balu mit Namen, hatte sein Herz im Sturm erobert.

Doch diese Begeisterung war einseitig. Seine verehrte Balu erwiderte seine Zuneigung nicht und verhielt sich ihm gegenüber weiterhin ziemlich neutral. Da sein Werben absolut nicht den gewünschten Erfolg brachte, stand er enttäuscht neben mir. Trostworte konnte mein Hund ja nicht verstehen. Doch selbst ohne den ersehnten vierbeinigen Flirt wurden die nachfolgenden Ausflüge für uns Zweibeiner und die drei Racker zum Vergnügen. Manchmal allerdings trennten sich relativ plötzlich unsere Wege. Aus dann triftigem Grund!

Menschen haben Termine; die eingehalten werden müssen:

Und da deren Tiere sich nach ihnen zu richten haben, lebten demnach auch die Waulis nach der Uhr. Mato las ja so gerne seine Grashalme auf die altbewährte, nur ihm eigene Art von allen Seiten, und noch mal von vorne. Meine Bekannte meinte dann öfters: „Du, ich geh schon ´mal ein wenig vor. Matos Tempo ist ja einfach umwerfend!“ Dabei schaute sie mich belustigt grinsend an. Oder bildete ich mir das nur ein? Flugs entschwand sie mit ihren Vierbeinern. Ich stand da innerlich seufzend neben meinem geliebten Knuddelvieh und hoffte auf dessen Erlaubnis, mich mit ihm endlich auf den Weg heimwärts machen zu dürfen. Die wurde nur selten schon bereits nach nur ein paar Minuten zusätzlicher Schnüffelei erteilt. Häufig hatte ich bis zu einer halben Stunde Verlängerung des Spazierganges einzuplanen. Spannenderweise ließ sich das nie voraussagen!

Fast jedes entgegen kommende Weibchen begrüßte Mato grundsätzlich mit lautem, freudigem Gequietsche. Doch er war wählerisch. Sein Herz eroberten nur wenige. Sein Schwarm aus Kinderzeiten hatte ihn ja schmählich im Stich gelassen. Auch Hunde kannten Liebeskummer! Doch die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. Älter geworden, stellte er begeistert fest, dass in Hellerhof noch viele andere nette Weibchen herum liefen. Warum sollte eigentlich so ein toller Kerl wie er kein Glück bei denen haben? – Soo ein Macho! Da hielt ich es aber für Mato für angebracht, fix von seinem hohen Ross wieder abzusteigen. So stürmisch und direkt, wie er mit den Weibchen umzuspringen versuchte, erntete er am laufenden Band deftige Körbe. Die diesen Dickschädel aber nicht vernünftiger werden ließen. Er lernte da einfach nichts dazu.

Hoppels Schulfreundin Ines bekam von ihren Eltern ein kleines Schäferhundmädchen geschenkt, das sie Senta nannte. Ines und Sandra hockten sehr oft zusammen. So spielte Senta häufig mit meinen drei Tieren. Die Vier wuchsen fast zusammen auf. Hundekinder werden rasch erwachsen. Senta wurde zur jungen Dame und entdeckte in meinem Mato die große Liebe ihres Lebens. Die gibt es auch im Hundeleben! Sentas Verehrung stieß auf Sympathie. Auch einem vierbeinigen Mann schmeichelt es, umworben zu werden. Doch mehr als Sympathie war nicht drin. Senta gab sich jedoch nicht so schnell geschlagen und warb und warb. Ohne Erfolg! Beim Treffen auf Spaziergängen wusch sie ihm vor Freude minutenlang die Schnute. Gnädigst beschnupperte Mato sie kurz, wandte sich gelangweilt ab und widmete sich mit Inbrunst den aufregenden, frischen Hundenachrichten auf der Wiese. Jedoch bewies Senta eine erstaunliche Hartnäckigkeit und umschmeichelte das Opfer ihrer Verehrung, wo und wann immer sie es erwischen konnte. Mittlerweile war Fee darob sehr eifersüchtig. Sie fand Sentas Anbiederei ziemlich unangebracht und dreist. Wie diese Lieblingsfreundin ihren Mato umgarnte, ging ihr mächtig gegen den Strich. So kam es eines Tages beim Vierertreff direkt vor unserem Haus zu einer heftigen Auseinandersetzung, bei der Fee per Attacke Senta deutlich und vehement in deren Schranken verwies. Doof sind unsere Vierbeiner wahrlich nicht. Senta verstand die Warnung und ließ endlich von Mato ab. Meinem Knödelchen merkte ich deutlich die Erleichterung an, von dieser Schleckerschnute befreit zu sein. Sein Wink mit dem Zaunpfahl, nämlich durch energisches Wegdrehen des Kopfes seinen Unwillen zu zeigen, hatte ja leider nicht gefruchtet. Endlich Ruhe vor dieser Nervensäge! Quinny hatte sich aus diesem Streit vorsichtshalber heraus gehalten. Ihm waren die drei großen Zankhähne in ihrer Wut doch unheimlich geworden.

Kessy, eine zweite Verehrerin in Hellerhof! Die hübsche Retriever-Hündin schwärmte ihr ganzes Leben lang für meinen Mato. Sie schmiss sich vor seine Pfoten und schwebte auf Wolken, wenn er sie dann nicht nur beschnupperte, sondern ihr ab und zu ein Nasenküsschen schenkte. Dann wirbelten die roten Herzchen beinahe sichtbar durch die Luft. Wurde Kessy von ihrer Hundeclique begleitet, ließ sie diese oft einfach stehen, wenn sie ihren Mato entdeckte. Sie hatte nur noch Augen und Nase für ihn. Alle anderen Hundejungen ignorierte sie dann. Was ihr wohl an ihm gefiel? Er konnte doch noch nicht einmal wild mit ihr herum toben, da immer angeleint. Zudem behandelte er sie nach Machoart meistens von oben herab. Doch das bremste ihre Zuneigung zu ihm keinesfalls!

Seine erste große Liebe
Mato war sechs Monate alt, als ihm ein süßes Schäferhundweibchen über den Weg lief. Beidseitig funkte es schrecklich. Sein Hundeherz stand in Flammen! Und nicht nur seins. Es war ein irres Gequietsche und Freudengejaule beiderseits, wenn die Beiden sich vor der Grundschule auf der schönen Spielwiese trafen. Seine kleine Auserwählte, Senta mit Namen, war eine überaus niedliche Ausgabe mit riesigen Kulleraugen. Jedes Mal war es ein echter Kampf, das Liebespärchen nach kurzer Zeit wieder zu trennen. Mein kleiner Twen lebte im siebenten Himmel. Diese Romanze hielt solange, bis Senta nach einigen Wochen der Freundschaft frecherweise untreu wurde und mit ihrer Familie in einen anderen Stadtteil Düsseldorfs zog. Mein Hund litt sehr unter dem Verlust seiner Freundin.

Hund mit Teppich
In Bezug auf alles, was es im Hause toll fand, meldete mein Wollknäuel energisch Besitzansprüche an. Bescheidenheit war für ihn ein Fremdwort; wie gesagt: „Kaiser von China“! In vielerlei Hinsicht teilte er unseren Geschmack. Absolut nicht nur, ging es dabei um Essbares. Als Hund von Fast-Adel (nur der besagte Zettel fehlte!) nannte er vielseitige „Bildung“ sein Eigen und schwärmte wie wir für edle Dinge. Und falls er sogar urgemütlich darauf liegen konnte, dann erst recht. Gemeint war damit der echte Orientteppich im Wohnzimmer, den er seiner Kuscheligkeit wegen einfach zu seinem Eigentum erklärte, ohne unsere Erlaubnis einzuholen. Das per Augenkontakt wäre allerdings der Beweis von Knigge-Kenntnis gewesen. Doch, wieso sollte er denn…? Das hielt mein Hund offensichtlich für unnötig! Fortan durften Fee und Quinny diesen Teppich ausschließlich mit seiner Genehmigung nutzen. Wagten sie es, sich ohne demütige Anfrage zu ihm auf seine geliebte Kuschelunterlage zu lümmeln, schielte er sie ausgesprochen missbilligend an. Mato selber dagegen träumte oft stundenlang darauf vor sich hin.

Der Not gehorchend, stiegen wir auf dem Weg zu unserer Schrankwand über ihn hinweg: Monsieur lag selbstverständlich genau quer zur Laufrichtung und dachte nicht im mindesten daran, vielleicht einmal für seine Menschen ein Stückchen zur Seite zu rücken. Eigentlich wäre er als Hund doch dazu verpflichtet gewesen. Finden Sie nicht auch?

Als der Eigentümer dieses Teppichs verlangte Herr Hund, dass der bitte natürlich ausschließlich auf dem von ihm(!) gewählten Platz läge. Doch sein menschliches Restrudel hatte sich mutig vorgenommen, einmal, ja wirklich nur ein einziges Mal unserem Vierbeiner gegenüber einen Emanzipationsversuch bis zum eventuell dann für uns doch deprimierenden Ende durchzustehen. Waren doch wir die Menschen, und dieses Haus unser Eigentum. Ich hatte nämlich die Idee, dass der „berühmte“ Lieblingsteppich in der Diele noch schmückender wäre als im Wohnzimmer. Also wagte ich es eines Morgens, das gute Stück vor den Augen seines entsetzten Besitzers dorthin zu verfrachten. Die Wirkung war umwerfend, der Raum nicht wiederzuerkennen. Sichtlich verärgert registrierte Mato meine Zufriedenheit deswegen. Als Belohnung meiner dreisten Tat erntete ich einen stinksauren Blick. Der erklärte mich für total übergeschnappt! Wenn Blicke töten könnten, hätte ich innerhalb einer Sekunde platt am Boden gelegen. Ich sah ihm den Vorsatz an, mich für diese Frechheit irgendwie zu strafen. In seinen Welpentagen hatte er von mir gelernt: Strafe folgte immer direkt! Andernfalls ahnte der Sünder nämlich nicht mehr, worum es eigentlich ging. Also Aktion. Er schnappte probeweise nach den Fransen seines Teppichs und versuchte dann, den auf Grund seiner Größe und seines Gewichtes widerspenstigen Kerl ins Wohnzimmer zu zerren. Verdammt, da hatte mein Hund aber arg zu arbeiten. Mato kapierte sehr schnell, dass leichtes Ziehen nicht ausrichtete. Also volle Kraft voraus! Mit einem kräftigen Biss in eine der selbst produzierten Falten klappte alles doch wesentlich besser. Der Teppich gab sich endlich geschlagen. Er schlug rutschend tatsächlich die Richtung ein, die Mato für ihn vorgesehen hatte. Stückchen für Stückchen bewegte sich das Ding auf seinen angestammten Platz zu. Wegen jedes überwundenen Zentimeters an Boden tat Mato mit „Wuwuwuuh!“ die Tonleiter rauf und runter seinen Triumph kund. Unterbrochen wurde sein Jubelgesang nur durch lautes Japsen der ungewohnten Anstrengung wegen. Geschafft. Das 1,20 m mal 1,80 m große Ding landete auf dem alten Fleck! Stolz schielte mein Hund über die Schulter zurück zu mir. Ich hatte doch hoffentlich diese tolle Leistung staunend verfolgt? Eins gestand ich meinem Liebling zu: Trotz plus Hartnäckigkeit gehörten zu seinen charakteristischsten Eigenschaften. Nach diesem erfolgreich abgeschlossenen Manöver doch etwas groggy, ließ sich Mato leicht hechelnd, aber ausgesprochen zufrieden, ostentativ für mich auf seinen(!) Teppich plumpsen. Das sollte mir klar machen: „Frauchen, dir habe ich es aber gezeigt!“ „Matochen, wenn du annimmst, du könntest auf diese Weise dein süßes Trotzköpfchen durchsetzen, dann hast du dich aber verrechnet!“ erklärte ich meinem Liebling. Noch hatte ich das Sagen!! Also die ganze Teppichprozedur von vorne. Die Diele gewann bereits zum zweiten Male an Atmosphäre. Mato beobachtete mein Treiben, konnte es offensichtlich nicht fassen: „Na warte, Frauchen!“ sagte mir der zugeworfene Blick Doch irgendwie gab er dann doch klein bei. Denn die weiche Unterlage blieb tatsächlich dort liegen, wo sie war. Nur, für meinen gekränkten Hund war ich war Luft. Er strafte mich mit absoluter Ignoranz. Ihm reichte es! Tauchte ich in seiner Nähe auf, drehte er ostentativ den Kopf zur Wand. Nee, so durfte ich mit dem vierbeinigen Herrn des Hauses nicht umspringen!
Später nahm er dann seinen Teppich in der Diele in Besitz!!

Autor: Gaby Schumacher, im Nov. 2003

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