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4. Julchens Geschichte: Lernen und Arbeiten

Frauchen und ich machen fast alles gemeinsam – so auch arbeiten. Damit fing ich schon in München an. Zu Frauchens damaliger Chefin gehörte Asko, ein Dalmatiner in meinem Alter. Wir haben im Büro gespielt und getobt, konnten gar nicht verstehen, warum alle Menschen ausschließlich damit beschäftigt waren, Blumentöpfe und sonstige menschliche Einrichtungsgegenstände zu sichern. Viel lieber hätten wir mit ihnen zusammen gespielt.

Na ja, ganz so wild bin ich heute nicht mehr, und meist arbeitet Frauchen jetzt auch zu Hause. Bevor ich krank wurde, arbeiteten wir in der Freizeit auch zusammen bei der Rettungshundestaffel. Genauer gesagt mußten wir beide zuerst ganz viel lernen. Am schönsten war jedoch, daß wir nach jeder Übung viel spielen durften und belohnt und gelobt wurden. Und mit 15 bis 20 Hunden herumzutoben, das ist schon was Feines!

Eine Methode, einen verletzten Menschen zu “melden”, ist Bellen. Von klein auf war ich aber immer schon ein ruhiges Hundemädchen, und die ersten 2 Wochen nach dem Tierheim wußte mein Frauchen gar nicht, ob ich überhaupt eine Stimme habe. Nun kamen wir zur Staffel, und ich sollte lernen, auf Kommando zu bellen. Armes Frauchen, was hat sie nicht alles veranstalten müssen, um mir ein Wörtlein zu entlocken. Ich fand es manchmal sogar peinlich: Wähnte sie sich im Wald allein mit mir, hat sie sich vor mich gesetzt und mich angebellt. Und natürlich kamen immer gerade dann Menschen – was ich ihr hätte vorher sagen können, schließlich habe ich bessere Ohren als sie. Die Blicke sprachen Bände, ist ja auch wirklich etwas albern, findet ihr nicht auch?! Zwei Wochen habe ich dieses Spielchen mit ihr gespielt, dann siegte mein weiches Herz, und ich tat ihr den Gefallen, sogar nur auf Fingerzeig etwas zu sagen.

Heute haben wir einen tollen Trick: Hin und wieder sammeln wir Geld für unsere Staffel, und Frauchen und ich laufen in “Uniform” mit der Sammelbüchse herum. Wenn eine gute Seele etwas hineingetan hat, hebt Frauchen den Zeigefinger (was nie jemand sieht außer mir), sagt aber laut, ich solle mich bedanken. Als braver Hund erfülle ich ihren Wunsch, und meist klimpert es dann nochmals in der Sammelbüchse. Versteh’ ein normal intelligenter Hund die Zweibeiner und worüber die sich freuen!? Mir könnt ihr mit Leckerlis und Streicheleinheiten Freude bereiten.

So bin ich auch zu meinem Messejob gekommen. Weil ich mich gern von Zweibeinern streicheln lasse und “Je mehr desto besser” mein Motto ist, wurde ich für Toshiba-Ultraschallgeräte Vorführhund. Ich finde es völlig normal, auf den Tisch zu hopsen, mich auf den Rücken zu legen und kraulen zu lassen. Etwas unangenehm ist nur der kalte Glibber auf meinem Bauch, aber das lange Kraulen mit dem hundeknochenähnlichen Ding entschädigt mehr als genug. Und wenn die Interessenten endlich merken, daß da ein lebendiger Hund so verträumt auf dem Tisch döst, kann ich mich vor Lob und Geschenken kaum retten. Hoffentlich ist bald wieder Messe!

Autor: © Angelika Schulze
http://www.angelikaschulze.de

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