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Der alte Kater

Es war einmal ein alter rot getigerter Kater, der hatte kein Vertrauen mehr zu den Menschen, oft genug hatten sie ihn im Stich gelassen. Er war ein Straßenkater und lebte von Ratten, Mäusen und natürlich auch von Katzenfutter, was gute Menschen ihm hinstellten. Das Katzenfutter nahm er sich aber erst, wenn ihn keiner sah.

In letzter Zeit aber sehnte er sich nach einem warmen Plätzchen und genügend Essen, er war jetzt alt und hörte kaum noch, deshalb fing er auch sehr wenig. Außerdem war es schon Dezember und empfindlich kalt. Er schlief in einem alten Karton hinter den Mülltonnen.

Eines Morgens wachte er mit schmerzenden Beinen und großem Hunger auf. Er dachte sich, so kann es nicht weitergehen, ich brauche dringend ein Dach über den Kopf.

So fing er an zu wandern, er lief aus der Stadt und kam auf eine Landstraße, die auch nicht all zu sehr befahren war. Doch gerade als er über die Straße lief, kam ein Auto angefahren, beinahe hätte das Auto den armen Kerl erwisch. Doch Gott sei Dank konnte der Mann, der das Auto fuhr noch rechtzeitig bremsen. Der Mann stieg aus und sah nach dem Kater, der war so erschrocken, dass er wie erstarrt sitzen blieb. Der Mann sprach: „ach du armes Kerlchen jetzt hätte ich dich fast am Heiligenabend noch erwisch, bin ich aber froh, dass du noch lebst“!

Und dann streichelte er den Kater. Dem Roten gefiel diese Zuwendung und ohne dass er es wollte fing er an zu schnurren. Der Mann war ein sehr tierlieber Mensch und fragte sich, ob das Katerchen jemanden gehört, aber wie der aussah, wohl eher nicht.
Er meinte zu ihm: „Du bist ein Streuner, aber in letzter Zeit geht es dir nicht mehr so gut, bist schon ganz abgemagert. Gestreichelt hat dich auch schon lange keiner mehr, was hältst du davon, wenn du mit zu mir kommst? Bei uns bekommst du ein warmes Plätzchen am Ofen und Futter haben wir auch“.

Natürlich verstand der Rote die Worte nicht, aber den Sinn schon und er war auf keinen Fall abgeneigt. Der Mann merkte das auch, wusste aber, dass der Kater sicher nicht mit ins Auto stieg, also lies er den Wagen stehen und lief. Der Rote kam ihm in einigem Abstand hinterher, sie hatten es auch nicht mehr weit bis zum Haus des Menschen. Da angekommen, zeigte der Mann dem Kater erst einmal die warme Scheune und sagte zu ihm, dass er da schon mal bleiben kann. Dann rief der Mann seinen Tierarzt an, ob er schnell noch Wurm- und Flohmittel bekommen kann. Der Tierarzt war sowie so auf dem Weg zu einem Nachbarn und kam an seinem Haus vorbei, er untersuchte das Kerlchen auch gleich noch. Dann gab er ihm die Medikamente und meinte, dass sonst alles in Ordnung mit dem Roten sei.
Da meinte der Mann zum Katerchen: „Gut, mein Roter, jetzt darfst du mit in die gute Stube, meine Frau und mein Sohn werden sich freuen“.

Besonders der Sohn freute sich sehr, er dachte es wäre sein Weihnachtsgeschenk! Aber auch die Frau mochte den Roten, sie hatte erst vor vier Monaten eine Katze verloren.
Und so bekam der Alte, dann doch noch ein schönes zu Hause, wo man ihn liebte und versorgte.

Leider ist es ein Märchen, denn es gibt sehr wenige Menschen, die ein altes Tier zu sich nehmen wollen.

Foto: © chatwisel (Sabine Flaisch) / http://www.pixelio.de

Autor: Gisela Kurfürst-Meins
gisela.meins@gmx.de

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