«

»

Artikel drucken

Transport

Dacca vor der Regenzeit. Das richtige für Frostbeulen wie ich. Endlich mal ausgiebig und mit Grund auf Hitze fluchen! Schön! Tagsüber hieß es Antennenmasten aufstellen, so heiß wie eine auf Stufe 3 vergessene Bratpfanne. Jetzt aber – Feierabend. Da sitz ich auf meinem Stühlchen und schau allem zu, was sich um mich herum bewegt. Ich – bewege mich nicht. Die Temperatur ist etwas gefallen, von 46 auf 44 Grad. Super!

Herr Minze kommt um die Ecke. Streicht einen halben Meter an meinem Sitz vorbei. Somit weiß ich jetzt, daß ich als verachtenswert kraftlose Person eingestuft wurde. Ja danke, Herr Minze, sehr liebenswürdig! Aber, nun ja, seine Einschätzung stimmt eigentlich.
Trotzdem – ein Prachtkater das und kein Schmusetier. Nicht mal die duftfreie Pappnachbildung einer Hand würde an ihn herankommen.

Mein Blick folgt ihm ein paar Meter. Bis zu einem schwarzen Strich quer über dem Plattenweg. Waren sicher die Kinder. Ich drehe den Kopf wieder in eine energiesparende Richtung. Aber da war doch was! Ist das ärgerlich, ich muß den Kopf wieder zurückdrehen. Blöde Neugier!

Da bewegt sich was auf dem Strich. Langsam, aber gleichmäßig. Hat sich also der Trick mit dem Portemonaie am Bindfaden bis hierher eingeschlichen.
Andererseits, ziemlich klein das Ding. Zu klein für ‘nen Taschentresor. Aber bewegt sich, zum Teufel!

Ein Techniker hat interessiert zu sein in solchen Fällen, versuche ich mir einzureden. Nach ein paar Minuten habe ich Erfolg damit und erhebe mich. Für Stolz auf mich habe ich keine Kraft. Ich muß zu meinem Forschungsobjekt.

Allewetter! Die kleinen Biester! Man weiß es natürlich, sie sind kräftig. Aber sowas aus nächster Nähe sehn, ist was Anderes. Da schleppen tausende winzige schwarze Ameisen jede Menge Zeugs wohin auch immer. Und ca. dreißig davon transportieren eine Kakerlake. Von den Ameisen ist keine größer als drei Millimeter. Die Kakerlake ist ca. fünfzig Millimeter groß. Nur der Körper, die Fühler bringen nochmal das Maß. Lecker!

Da hocke ich nun und schau mir das an. Warum eigentlich mache ich sowas nicht auch zuhause? Hach, was für herrliche Moralbetrachtungen könnte man jetzt daraus ableiten. Aber ich bin zu faul und gehe wieder zu meinem Stühlchen.

Foto: © alf1e (Alfred Teske) / http://www.pixelio.de

Autor: Arno Zirm

* * * * *

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de

*** Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Seiten-Relaunchs übernommen von tiergeschichten.de, unserer allerersten, ursprünglichen Tiergeschichten-Seite. ***

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.tiergeschichten.de/2010/12/15/transport/

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>