Aus dem Leben einer blinden Katze

Mein Name ist Mienchen, ich bin 10 Jahre alt und eine dreifarbige Hauskatze. Ich lebe mit einem 16 jährigen Kater und zwei Dosenöffner zusammen. Mein Leben besteht aus schlafen, essen, spielen, jagen und wieder schlafen. Ach so, ich muss noch erwähnen, dass ich nichts sehen kann aber ist eigentlich egal, denn mein Tastsinn funktioniert ausgezeichnet. Klar, ab und zu hopse ich mal gegen eine Tür, aber da können meine Dosis dafür, sie müssen sie nur immer ganz weit auflassen.

Nur wenn ich draußen bin ist es etwas gefährlich. Neulich z.B. habe ich nicht gesehen, dass der fremde Kater, der seit kurzem in unseren Garten kommt, es nicht gut mit mir meint. Da ich ja immer sehr große Pupillen habe und auch nicht blinzle, wie es bei uns Katzen Brauch ist, wenn wir einen Artgenossen treffen, dachte doch dieser blöde Macho, dass ich Streit will. Er hat mich ohne Vorwarnung einfach angesprungen. Es tat sehr weh, denn er hat mir eine schlimme Bisswunde zugefügt. Musste sogar operiert werden.

Oder damals als ich die große Docke angeschnüffelt habe. Der Besitzer meinte zu meiner Dosi, oh dass kann in die Hose gehen, mein Hund mag keine Katzen. Tja mich mochte er, ich bin ja auch nicht weggerannt. Er hat mich sogar mit seiner Sabberzunge abgelegt, war ganz schön eklig.

Ich mag sehr gerne Kinder, wenn ich welche höre bin ich gleich da und spreche mit ihnen und gebe Köpfchen. Leider besuchen mich selten welche und aus dem Garten komme ich nicht raus. Obwohl, damals als wir frisch hergezogen sind, bin ich mal ausgebüxt.

Das war furchtbar ich habe nicht mehr nach Hause gefunden, bin die ganze Nacht rumgeirrt, es war schon ganz schön kalt und ich hatte Hunger. Gegen morgen haben mich dann zwei Männer mitgenommen, da war es wenigstens warm, aber zu futtern hatten die auch nichts. Irgendwann kamen dann endlich meine Dosis und holten mich, habe dann später gehört, dass die Männer Polizisten waren. Ich habe meine Dosi sprechen gehört und bin mit Anlauf auf ihren Arm gesprungen und habe ganz dolle Köpfchen gegeben. Ich war gar nicht so weit von zu Hause entfernt, bin nur in die falsche Richtung gegangen.

Zu Hause habe ich erst mal gefuttert und ganz lange geschlafen. Seit dem komme ich nicht mehr aus unseren Garten raus. Obwohl zweimal ich es doch geschafft habe, bin aber nur in den Nachbarsgarten gelaufen und habe ganz laut geschrieen. Da ist meine Dosi aber auch schnell gekommen und hat mich wieder zurückgeschafft. Das Loch im Zaun war dann auch zu, aber ab und zu finde ich doch wieder einen Durchschlupf.

Was ich immer nicht verstehe, dass ich nachts ins Bett darf aber am Tag wird die Schlafzimmertür zugemacht. Ist schon komisch, meine Dosi meint es würde sonst die ganze Wohnung zu kalt. Na ja die Menschen, die soll einer verstehen.

Autor: Gisela Kurfürst-Meins
gisela.meins@gmx.de

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2 Kommentare

    • Renate on 31. Oktober 2012 at 15:45
    • Antworten

    Was für eine süße Geschichte. Man möchte die Katze gerne kennen lernen. Meine zwei Burmakatzen waren die letzten Jahre vor ihrem Tod auch blind, was aber ihrer Lebensfreude keinen Abbruch getan hat. Ich hoffe, es geht Mienchen immer noch gut.

    1. Danke Renate. Leider ist Mienchen am 13. Mai 2012 mit nur 11 Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen.

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