Wie mein Leben begann

Wie mein Leben begann, weiß ich nicht mehr. Ich kann mich zwar noch ein bisschen an meine Mutter erinnern, aber auch nicht so richtig.

Aber an den gewissen Tag, den werde ich nie vergessen. Ich wurde in einen Karton gepackt und dann musste ich mehrere Stunden im Auto sitzen. Dann wurde ich einfach mit dem Karton auf einen Parkplatz geworfen.

Es dauerte ein bisschen bis ich mich befreit habe. Dann habe ich die ganze Zeit meine Mutti gesucht aber sie war nirgends. Ich habe sie immer gerufen auf einmal kam da so eine Frau und wollte mich fangen aber ich wollte nicht. Doch irgendwann wurde ich total müde und habe aufgegeben und das war gut so.

Sie nahm mich dann mit in ihre Wohnung, natürlich habe ich mich gewehrt, ich wusste ja nicht, dass sie es gut mit mir meinte. Als wir dann in ihrer Wohnung waren, hat sie mich gebadet, da ich doch ein wenig doof gerochen habe, na ja ich hatte eben dolle Angst. Dann wurde ich in eine warme Decke gewickelt und bekam ein Milchfläschchen.

Danach zeigte sie mir mein Klo, aber ich hab’s nicht so richtig mit bekommen, da sie mich getragen hat. Später bin ich dann noch einmal alleine hin, dann hab ich es auch geschnallt. Irgendwann war ich so müde und hab mich auf so was kuschelig Weiches, unter eine Lampe gelegt, da war es schön warm ich bin auch sofort eingeschlafen.

Irgend wann bin ich dann auf Entdeckungsreise gegangen, zuerst die Küche, hmm.. da stand doch tatsächlich leckeres Futter, da habe ich mir erst mal den Bauch voll geschlagen.

Das Wohnzimmer kannte ich ja schon, aber das Schlafzimmer noch nicht, ich also da rein und da lag doch tatsächlich ein großer Kater auf dem Bett. Der hat mich aber auch gleich angefaucht. Na ja da bin ich erst mal wieder raus und hab mit der Frau gespielt. Aber es liess mir keine Ruhe ich musste noch mal nachschauen, was der Kater so macht. Ich hätte mich eigentlich am liebsten zu ihm gelegt aber er wollte das nicht, schade.

Später hat er mir erzählt, dass er furchtbare Schmerzen im Rücken hatte und dann kam ich noch, er dachte seine Menschen wollten ihn nicht mehr, deshalb wollte er sterben. Er hat das ja schon alles Mal durchmachen müssen, seine früheren Leute wollten ihn auch irgendwann nicht mehr und haben ihn ins Tierheim gebracht.

Aber er hätte keine Angst haben müssen, diese Menschen würden nie ein Tier ins Heim geben. Unser Frauchen ist dann ja auch gleich am anderen Tag mit ihm und mir zum Arzt und da bekam er auch ganz schnell Hilfe, ich wurde entwurmt und geimpft. Felix (so war sein Name) gewöhnte sich auch dann schnell an mich, wir sind die besten Freunde geworden.

Nach ca. ½ Jahr musste ich noch mal zum TA, da haben sie mich da behalten, das war so schrecklich für mich. Ich bekam eine Spritze und dann bin ich eingeschlafen, ich wachte dann in so einem Käfig auf und hatte leichte Schmerzen. Ich dachte, dass ich jetzt für immer hier bleiben muss und war furchtbar traurig. Aber dann kam die Tierärztin und setzte mich in so einen Transportkorb. Ich habe erst im Auto gemerkt, dass meine Mama mich abholte, da war ich dann aber sehr froh. Ich musste auch noch so einen blöden Trichter aufsetzen, dass fand ich schrecklich.

Mein Frauchen schmuste ausgiebig mit mir. Ich muss auch noch gestehen, dass ich, wenn sie mit mir schmust, immer zu nuckeln anfange. Sie meinte das ist deshalb, weil ich schon so früh meiner Mutter weggenommen wurde.

Mein Leben bei meinen Menschen gefällt mir sehr gut, mittlerweile bin ich mehr als 16 Jahre bei ihnen. Felix ist schon lange über die Regenbogenbrücke gegangen. Ich habe seit fast 10 Jahre eine neue Freundin, Mienchen, sie war so klein als sie zu uns kam, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir Katzen durften die erste Zeit ja nicht raus, da wir erst in einer Wohnung dicht an der Hauptstraße wohnten. Erst später sind wir in ein Haus mit Garten gezogen, ich kann mich noch genau erinnern als ich zum ersten Mal nach draußen durfte. Ich habe alles ganz genau erkundet, bin ganz lange draußen geblieben, meine Menschen haben sich schon Sorgen gemacht. Aber ich musste doch den anderen Katern in der Nähe meines Gartens zeigen, dass ich der King bin.

Ich weiß auch nicht warum meine Menschen sich immer Sorgen um mich machen, wenn ich mal eine Nacht wegbleibe. Es gibt doch nichts Schöneres als in einer warmen Sommernacht draußen zu sein, da treffe ich immer eine Menge anderer Katzen, Mäuse, Igel und noch anderes Getier. Ist doch super interessant für so einen Kater wie mich.

Einmal habe ich doch tatsächlich so eine aufdringliche Taube erwischt und weil ich Ruhe zum fressen brauchte, bin ich mit ihr ins Haus. Was macht Frauchen? Sie nimmt mir den Vogel weg und schimpft mich auch noch aus. Das kann ich immer nicht verstehen, da ist mein Papa ganz anders, er lobt mich immer ganz dolle.

Aber sonst ist sie in Ordnung ich liebe sie sehr. Ich darf immer mit in ihrem Bett schlafen und dann kuschele ich mich ganz eng an sie.

Leider werde ich jetzt langsam alt, ich will nicht mehr so oft raus und mein Revier ist auch nicht mehr so groß wie früher. Am liebsten liege ich vor der warmen Heizung oder im Bett.

Vor kurzem, es war ein lauer Sommerabend, da kam doch so ein Unkastrierter zu uns und ohne zu warnen fiel er unser Mienchen an. Das war so unfair, sie ist doch blind und konnte sich gar nicht wehren.

Ich wollte ihr helfen, aber er war einfach stärker als ich, dass habe ich noch nie erlebt, nun werde ich wirklich langsam alt.

Eine Zeitlang war ich krank, mir ging es gar nicht gut, ich hatte immer ganz viel Durst und war schlapp. Da ist meine Mama mit mir zum Tierarzt und die haben festgestellt, dass ich Diabetes habe. Da musste ich immer morgens und abends eine Spritze bekommen. Die erste Zeit wurde es nicht besser, aber dann hat meine Mama über ein Forum meine richtige Behandlung erfahren und nach einem halben Jahr brauchte ich keine Spritze mehr. Mienchen und ich haben von da an auch immer anderes Futter bekommen, kein Trockenfutter mehr und das Dosenfutter ist auch viel hochwertiger geworden.

So, nun muss ich aber etwas schlafen! Melde mich sicher später noch mal.

Autor: Gisela Kurfürst-Meins
gisela.meins@gmx.de

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