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Das Pilzkrankenhaus im Tannenwald, Teil 1 von 3

Ein neues Krankenhaus
Im tiefen dunklen Wald stand ein riesiger Steinpilz. Vor dem Pilz hatte sich eine Gruppe kleiner Insekten versammelt. Laufkäfer, Bienen, Fliegen, Mücken, Marienkäfer und viele andere warteten ungeduldig. Der Älteste und Weiseste von allen, ein Hirschkäfer, hielt eine Rede.

“Wir brauchen unbedingt ein Krankenhaus in unserem Wald.”
Der Hirschkäfer holte tief Luft und rollte dabei mit den Augen.
“Der Rat der Maikäfer hat einstimmig beschlossen, ein Krankenhaus in unserem großen Steinpilz zu bauen.”
Alle klatschten Beifall.

Foto: © Thomas Werner / http://www.pixelio.de

Nun wurden alle aufgerufen, fleißig mitzuhelfen. Die Heupferdchen erklärten sich bereit, das Baumaterial zu transportieren. Dieser Erklärung schlossen sich auch die Schmetterlinge an. Die Blattschneideameisen wollten das Baumaterial zusägen. Ein Bautrupp Holzwürmer wollte die Zimmer und Flure aus dem Pilz herausfressen. Für den Möbelbau waren die Ameisen zuständig, die Maikäfer übernahmen den Heizungsbau. Die Leuchtkäfer sollten am Abend für genügend Licht sorgen und die Bienen wollten den Bauarbeitern Honig und Honiglimonade in den Pausen bringen. Die Abfallbeseitigung übernahmen die Mistkäfer. Für die Leitung des Baus wurde der Maikäfer Balduin eingeteilt.

Nun konnte mit dem Bau begonnen werden. Die Sonne lachte und die Arbeit ging den Bauleuten schnell von der Hand. Doch dann begann es zu regnen. Und es regnete und regnete. Alle Grashalme hatten sich mit Wasser vollgesogen oder waren von den schweren Regentropfen umgeknickt. Was nun? Auch mit dem Möbelbau musste aufgehört werden. Wo sollte man denn die neuen Möbel trocken unterstellen? Nun kam noch hinzu, dass 7 von 10 Holzwürmern völlig überfüttert waren und wenigstens für eine Woche im Bett liegen mussten.

Balduin der Maikäfer schüttelte bedenklich den Kopf.
“Es geht einfach nicht weiter. Ob wir das bis zum Herbst schaffen?”
Tatsächlich hatte keiner mehr Lust, bei diesem Wetter zu arbeiten. Mutlos ließ sich Balduin auf einen nassen Kieselstein nieder.
“Wir schaffen es ja nicht einmal mehr, die Bauarbeiter satt zu bekommen, denn die Bienen können bei dem anhaltenden Regen keinen Honig mehr sammeln”, sprach er zu sich selbst.

Armer Balduin. Es musste unbedingt etwas unternommen werden.
So setzten sich am Abend die Bienen, Ameisen und anderen fleißigen Bauarbeiter zusammen. Sie beratschlagten und überlegten, was zu tun sei. Die Mücken, die beim Bau mit ihren Rüsseln den Mörtel in die Fugen spritzten, meinten, man könne doch ein Regenfest feiern. Unter der großen Tanne, beim Ameisenhaufen, ist es schön trocken. Damit waren alle einverstanden. Ein Regenfest konnte genauso schön werden wie ein Sommerfest. Die Arbeiter konnten sich erholen.

Unter der Tanne wurden Bänke und Tische aufgestellt. Die Grashüpfer und die Grillen übten auf ihren Instrumenten, um den Abend mit schöner Musik zu schmücken. Die Ameisen sollten für Essen und Trinken sorgen. Die Schmetterlinge banden bunte Blütenblätter an die Laternen, die überall um die Tanzfläche aufgestellt waren. Die Eltern zogen ihren Kindern Regenmäntel an, damit sie richtig in den Pfützen patschen konnten.

Frau Rotbacke, die Feuerwanze, schüttelte zum Festbeginn etwas verlegen mit dem Kopf. Alle ihre 27 Kinder waren schon nach wenigen Minuten mit Schlamm bespritzt, dass es nur so von ihren Mäntelchen tropfe.
“Wann soll ich das bloß wieder alles waschen?”, jammerte sie leise vor sich hin.
“Keine Sorge, Frau Rotbacke!”, rief eine Marienkäferfrau. “Wir werden Ihnen schon helfen.”

Foto: © Jenzig71 (www.JenaFoto24.de)( / http://www.pixelio.de

Die Kapelle spielte zum Tanz. Alle waren froh und ausgelassen. Keinen störte der Regen mehr. Den Höhepunkt des Abends bildeten drei Regenwürmer, die lustige Gedichte vortrugen und witzige Lieder sangen. Erst spät in der Nacht verließen die letzten Gäste das wirklich gelungene Regenfest.

Frohen Mutes setzten die Arbeiter zwei Tage später den Bau fort. Langsam wurde das Wetter besser, und schon bald lachte wieder die Sonne vom Himmel. Die Bauarbeiter arbeiteten und arbeiteten. Balduin konnte kurze Zeit später dem Hirschkäfer mitteilen, dass mit dem Einrichten des Krankenhauses begonnen werden konnte. Der Hirschkäfer rieb sich vergnügt die Hände und schüttelte Balduin für seine Tüchtigkeit die Hand. Selbstverständlich gab Balduin das große Lob an alle fleißigen Arbeiter und Helfer weiter.

Jetzt konnten die Krankenhauszimmer eingeräumt werden. In jedes Zimmer kamen drei Bettchen, ein Tisch und drei Stühle. Die Kinder vom Tannenwaldkindergarten hatten bunte Bildchen gemalt. Die lustigen Bilder wurden in die Krankenzimmer gehängt, um die Kranken zu erfreuen. Im unteren Stock wurde als nächstes ein Wartezimmer für die Patienten eingeräumt, dann folgte der Behandlungsraum. Der Arzt Doktor Mauritius, eine sehr gelehrte Schnecke aus dem Birkenwald, beaufsichtigte die Arbeit. Es musste im Behandlungsraum sehr, sehr vorsichtig gearbeitet werden, denn es durfte kein Medizinfläschchen zerbrechen. Auch einen Operationssaal gab es für die ganz schwierigen Verletzungen. Im Dach wurde ein Medizinlager mit Binden und Fläschchen eingeräumt. Eine Rennwanze mit Namen Flink richtete sich neben dem Medizinlager eine kleine Wohnung ein. Nun muss jeder wissen, die Rennwanze trieb den Fahrstuhl an. In einem großen Rad lief sie hin und her, so wie der Fahrstuhl gerade fahren soll, hinauf oder hinunter. Im Keller war der Heizungsraum und die Vorratskammern. Neben dem Heizungsraum bekam der Hausmeister Hucksie Laufkäfer ein kleines Büro. Als alles fertig war, kamen die zwei Stubenfliegen Pussel und Fussel. Sie putzten das ganze Krankenhaus bis es blinkte und kein Staubkörnchen mehr zu sehen war.

Das Krankenhaus war fertig. Das Einweihungsfest konnte beginnen. Als Ehrengäste waren der weise Hirschkäfer und der Rat der Maikäfer geladen. Bevor das große Fest eröffnet wurde, durften alle Insekten des Tannenwaldes das neue Krankenhaus besichtigen. In einer großen rede bedankten sich die Ehrengäste für all die Mühen und den Fleiß der Bauarbeiter. Alle klatschten Beifall. Zum Anstoßen schenkten die Bienen Honigsaft aus.
“Auf unser Krankenhaus im Tannenwald!”, rief Balduin den Gästen zu.
Der Hirschkäfer meldete sich noch einmal zu Wort.
“Ich habe noch eine Überraschung”, sagte er und zwinkerte belustigt mit den Augen. Alle waren gespannt. Plötzlich fuhr ein Wagen vor, der von einem Heupferdchen gezogen wurde. Der Wagen war aus einer Nussschale gemacht. Links und rechts von der Nussschale waren zwei Eichelhälften angebracht, die als Krankenbetten dienten. Und wer fuhr den Wagen? Na, unser Balduin, der beste Erfinder im Tannenwald. Stolz fuhr er den Wagen vor die Tribüne.
“Zu einem Krankenhaus gehört auch ein Krankenwagen”, rief der weise Hirschkäfer in die verblüfft dreinschauende Menge. Alle klatschten kräftigen Applaus. Nun konnte das große Einweihungsfest beginnen. Es war das schönste Fest, das der Tannenwald je gesehen hatte.

Der Sturm
Der Himmel verdüsterte sich zusehends. Dr. Mauritius drückte sich die Nase an der Scheibe platt.
“Wenn das man kein schlimmes Unwetter gibt”, sagte er etwas nervös zu Balduin, dem Maikäfer. “So sah der Himmel noch nie aus.”
Balduin stimmte ihm zu.
“Wir werden Vorkehrungen treffen müssen. Am besten ist es, wenn Hausmeister Hucksie und ich einen Graben um das Pilzkrankenhaus legen. Schaden kann es nicht, sollte der Bach über die Ufer treten.”
Balduin war nämlich ins Krankenhaus geeilt, als er sah, was sich da am Himmel zusammenbraute. Er wusste nicht wie das neue Krankenhaus ein schweres Unwetter überstehen würde. So stand er mit Rat und Tat dem Krankenhauspersonal zur Seite.

Die Patienten in ihren Bettchen wurden zusehends unruhiger. Nervös liefen die Krankenschwestern von Zimmer zu Zimmer um zu sehen, ob alle Fenster richtig verschlossen waren. Auf der Kinderstation las Schwester Meislein, eine Ameise, den Kindern lustige Märchen vor. Auf dem Dach wurden alle Lüftungsluken geschlossen und die Kellerfenster mit Blättern und Lehm verschmiert.

Gerade als Balduin und Hucksie den Graben fertig hatten, donnerte das Unwetter los. Blitze zuckten am Himmel, schweres Donnergrollen trat durch die dicke heiße Luft und riesige Regentropfen platzten zur Erde. Der Sturm knickte Äste, Blumen und Gräser. Bis zum nächsten Morgen hielt das Unwetter an, dann von einer Stunde auf die andere schickte die Sonne erneut ihre heißen Sommersonnenstrahlen zum Tannenwald. Im Pilzkrankenhaus konnten keine Schäden festgestellt werden. Eine Pferdefliege, die auf Dr. Mauritius Balkon gelandet war, berichtete gelassen, dass das Wasser vom Bach nur bis zur unteren Mohnblumenwiese angestiegen war.

Doch was war das? Plötzlich heulte eine Sirene auf Biene Simsums Haus. Simsum war eine alte Biene, die nicht mehr im Bienenstock lebte. Es war ihr dort zu aufregend geworden. Aber wenn irgendetwas passierte, alarmierte sie sofort die Feuerkäferfeuerwehr und das Pilzkrankenhaus.

“Dr. Mauritius, Dr. Mauritius – hier Simsum – Ameisenhaufen Tannenwald überschwemmt – schnell Hilfe!”
Simsums Schnellfliegelibelle brachte die Botschaft auf einem Blatt geschrieben zu Dr. Mauritius.
“Oh je, der Ameisenhaufen!”, rief Dr. Mauritius.
Schnell sammelte er alle Schwestern und die Stubenfleiegen Fussel und Pussel zusammen, als auch schon Balduin die Treppe heraufstürmte.
“Die Feuerwehr bringt die Ameisenpuppen. Sie müssen schnell trocken und warm gelagert werden.” Balduin war völlig aufgelöst.
“Hm …”, kratzte sich Dr. Mauritius am Kopf. “Auf dem Boden ist es warm, trocken und ruhig. Hoffentlich passen alle Ameisenpuppen dort hinauf.”
Schon trugen die Feuerwehrfeuerkäfer die ersten Puppen ins Krankenhaus. Auf Bahren wurden die verletzten Ameisen in die Krankenzimmer gebracht. Dr. Mauritius und die Krankenschwestern hatten nun viel zu tun.

“Und was ist mit den frisch geschlüpften Ameisenkindern? Sie müssen auch irgendwo hin, der Ameisenhaufen ist nicht bewohnbar”, sagte der Feuerwehrhauptmann zu Balduin und wischte sich das Wasser aus den Fühlern.
“Wir müssen beraten”, meinte Balduin etwas ratlos. “Das Krankenhaus ist völlig überfüllt”.

Da erschien auch schon der alte, weise Hirschkäfer um zu sehen, wie man mit der Unterbringung vorankam. Balduin erzählte sofort, dass es Probleme mit den Ameisenkindern gibt.
“Wir werden sofort alle Bewohner des Tannenwaldes herbeirufen um zu beratschlagen”, ließ der Hirschkäfer verlauten. Wenig später waren alle auf dem Tannenwaldberatungsplatz versammelt.

Der weise Hirschkäfer berichtete, was vorgefallen war und was nun für ein Problem bevorstand. Ruhig und besonnen erzählte er:
“Ich habe mir den Ameisenhaufen angesehen. Es wird schon einige Zeit dauern, bis er wieder aufgebaut ist.”
Stille trat in die Menge. Da trat eine Weinbergschnecke mit dem Namen Bommel vor uns sagte: “Wir Schnecken haben in unseren Häusern wenigstens 5 Zimmerchen frei. Wenn wir auf der Wiese vor dem Tannenwaldkrankenhaus wohnen dürfen, dann könnten wir alle Kinderchen aufnehmen.”
“Und wir könnten sie betreuen”, sagte die Feuerwanze Frau Rotbacke. “Wir haben doch jeder von uns mindestens 10 Kinderchen. Da kommt es auf ein paar mehr auch nicht mehr an.”
Eine Mücke rief dazwischen: “Und wir bauen einen kleinen Spielplatz!”
Die Bremsen wollten für das nötige Essen sorgen und die Bienen erklärten sich bereit, die Kinderwäsche zu waschen.

Alle waren einverstanden und der weise Hirschkäfer dankte allen für ihre Bereitschaft zu helfen. Der Ameisenhaufen sah wirklich schlimm aus, und es verging fast der ganze Sommer, bis er wieder aufgebaut war.

Dr. Mauritius stand etwas traurig am offenen Fenster und sah auf die nun leere Wiese vor dem Krankenhaus. Das lebendige Treiben hatte nun aufgehört und die seltsame Ruhe stimmte in traurig. Im Krankenhaus ging jeder wieder seiner gewohnten Tätigkeit nach, bis eines Tages …

Die Brücke
Die Sirene der Biene Simsum dröhnte durch den ganzen Tannenwald. Aufregung herrschte unter den Bewohnern. Was war nur geschehen? Die Brücke über dem Bach war eingestürzt, gerade, als Familie Häusle auf dem Weg zur Tannenwaldwiese war. Herr Häusle, eine Weinbergschnecke, krachte mitsamt der Brücke in den Bach. Nun ist der Bach zwar nicht tief, aber seine Ufer steil und steinig. Ohne Hilfe konnte Herr Häusle den Bach nicht verlassen.

Foto: © Peashooter / http://www.pixelio.de

Frau Häusle und die Kinder Hans und Herrmann weinten vor Angst um den Vati, der im Bach feststeckte. Die Feuerwanzenfeuerwehr rückte an.
“Schreckliche Sache, wirklich schreckliche Sache”, meinte der Feuerwehrhauptmann wenig aufmunternd. Frau Häusle weinte nun noch mehr und Frau Rotbacke, die mit ihren Kindern schon auf der Tannenwaldwiese war, fielen nun auch keine tröstenden Worte für Frau Häusle ein. Die vielen Kinder der Frau Rotbacke waren ihrer Mutter nachgeeilt. Und da sie immer lustig und fröhlich waren, hatten sie schnell Hans und Herrmann zum Spielen geholt.

Die Feuerwanzenfeuerwehrmänner ließen lange Stricke zur Weinbergschnecke hinunter. Herr Häusle war sehr tapfer, obwohl er fürchterlich zu frieren begann, denn das Wasser war recht kalt. Die Feuerwehrleute beeilten sich. Schnell banden sie die Stricke um die Schnecke und mit vereinten Kräften zogen sie den Verunglückten aus dem Bach.

Wie es nun bei Alarm im Tannenwald üblich ist, rückte auch Balduin mit dem

Heupferdchenkrankenwagen aus. Er wartete nun, um Herrn Häusle ins Pilzkrankenhaus zu bringen. Aber wie war Balduin erschrocken, als er das Haus der Weinbergschnecke sah! Auf der hinteren Seite war durch den Sturz ein großes Stück Schale herausgebrochen. Niemand sagte etwas, nicht einmal der kauzige Hauptmann. Herr Häusle sollte nicht beunruhigt werden. Frau Rotbacke nahm gekonnt Frau Häusle im richtigen Moment in den Arm und drückte sie rührselig.

Balduin brachte Herrn Häusle zum Krankenhaus. Frau Häusle, Frau Rotbacke und die Kinder waren noch auf der anderen Seite des Baches. Der Feuerwehrhauptmann überlegte angestrengt. Dann kam ihm eine Idee. Er besorgte sich einen großen grünen Grashüpfer. Der stellte sich auch bereitwillig mitten über den Bach. Kopf, Rumpf und Rücken hielt er schön gerade. Zwei Feuerwanzen spannten links und rechts Seile als Geländer zum Festhalten. Eine neue Brücke war entstanden. Frau Rotbacke, Frau Häusle und die Kinder konnten über den Grashüpfer zum Tannenwald gehen. Nach dieser Rettungsaktion dankte man dem Grashüpfer für seine Hilfe mit Klatschen und Beifall. Frau Häusle ging vorerst mit zu Frau Rotbacke, um eine Tasse Lavendeltee zur Beruhigung zu trinken.

Dr. Mauritius machte ein verblüfftes Gesicht, als er den Schaden am Haus des Herrn Häusle sah. Er untersuchte die Schnecke eingehend, konnte aber keine weiteren Verletzungen feststellen. Hucksie der Hausmeister hatte aus der Küche heißen Kamillentee gebracht, denn Herr Häusle war doch recht durchgefroren. Dr. Mauritius musste der Schnecke mitteilen, dass das Schneckenhaus Schaden genommen hatte. Herrn Häusles Kopf lief rot an. Aufregung und Panik machten sich in ihm breit.
“Was soll denn nun werden? Ohne Haus kann eine Schnecke nicht leben!”
Dr. Mauritius beruhigte Herrn Häusle so gut er nur konnte. Dann wurde Herr Häusle in ein Krankenzimmer gebracht. Balduin war im Heupferdchenstall beschäftigt, als Dr. Mauritius ihn aufsuchte.
“Hab schon gesehen”, sagte Balduin, der dem Pferdchen gerade frisches Wasser gab. “Ich habe so etwas noch nie behandelt”, gab der Doktor verlegen zu.
Balduin stellte den Wassereimer ab.
“Das Haus der Schnecke ist doch aus dem gleichen Material wie Eierschale. Wenn wir nun Eierschale zurechtschneiden würden und mit Tannenharz einkleben, dann müsste der Schaden behoben sein.”
Dr. Mauritius schüttelte Balduin anerkennend die Hand.
“Mein Junge, du hast die besten Ideen!”

Am Abend brachten acht Waldameisen eine leere Eierschale vom Specht.
“Wir mussten ganz schön lange danach suchen”, schimpfte der Oberst, und überreichte Balduin noch eine schöne frische Tannennadel. Nachdem die Waldameisen einen guten Tropfen Sonnenblumentau von Dr. Mauritius getrunken hatten, marschierten sie zurück in den Wald. Dr. Mauritius braute mit Balduin aus der Tannennadel einen guten Harzkleber.

Am Morgen fanden sich zwei Wespen vor dem Krankenhaus ein. Nachdem Dr. Mauritius die Bruchstelle an Herrn Häusles Haus genau ausgemessen hatte, bissen die Wespen mit ihren scharfen Zähnen ein Ersatzstück aus der Eierschale. Herr Häusle war furchtbar aufgeregt, als er sah, wie genau die Wespen arbeiteten. Das Stück passte. Balduin verstrich sorgsam mit Harzkleber das neue Stück mit dem Schneckenhaus. Das Loch war zu. Zufriedenheit machte sich breit.
“Wir haben es geschafft.” Balduin strahlte.
Überglücklich bewunderte Herr Häusle das Meisterstück vor einem Spiegel. Zum Dank schüttelte er allen kräftig die Hand. Natürlich musste Herr Häusle noch einen Tag im Krankenhaus bleiben, bis der Kleber richtig trocken war. Dann konnte er zu Frau und Kindern zurück. Balduin und Dr. Mauritius schliefen sich nach dieser Aufregung erst einmal richtig aus, bis eines Tages …

Autor: Britta Kiehl

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