Freezy: Abschied

Hallo, ich heiße Freezy und bin jetzt genau 4 Jahre alt. Ich bin ein süßes Meerschweinchen und mir geht es gut bei meinen jetzigen Besitzern. Hier will ich euch meine Geschichte erzählen.

Ich wurde am 11.8.1989 mit zwei kleinen Geschwistern geboren. Meine Geschwister hießen Sammy und Funny. Meine Mutter hieß Guinny. Uns ging es bei unseren damaligen Besitzern eigentlich ganz gut. Wir wurden jeden Tag gestreichelt und merkten auch, dass wir sehr geliebt wurden. Das Problem aber war der Stall. Unsere Menschen misteten ihn fast nie aus und wir glaubten in dem Gestank zu ersticken. Nichtmal ein Klo hatten wir! Natürlich durften wir jeden Tag eine Stunde ins Freigehege, aber wenn unsere Besitzer uns dann wieder in den Stall tragen wollten, zappelten wir, in der Hoffnung, doch nicht in den Dreckstall zu müssen.

Als ich so ungefähr 10 Monate alt war, geschah es: Unsere Menschen hatten gerade Besuch. Ich sah, wie ein strohblonder Junge auf den Stall zurannte. Schnell versteckte ich mich im Häuschen.
„Mami! Sammy Funny! Da ist so ein fremder Junge draußen, ich habe Angst.“, erzählte ich ängstlich.
„Das brauchst du nicht. Er will dir bestimmt nichts böses tun“, beruhigte mich meine Mama. Da hörten wir eine fremde Stimme: „Mama, Papa! Schaut mal die süßen Meerschweinchen hier an. Ich will auch ein Meerschweinchen haben. Oh, schade, jetzt sind sie alle im Häuschen.“ Gespannt warteten wir im Stall ab, was jetzt passieren würde. „Wir haben 10 Monate alte, kleine Meerschweinchen. Wenn du willst, kannst du sie haben.“, sagte da die vertraute Stimme von Peter, unserem Herrchen.

Haben? Mich? Ich war ganz traurig. Ich wollte doch hier bleiben! Ich wollte nicht weg von meiner Familie. Ich, Funny und Sammy wechselten entsetzte Blicke. „Mama, darf ich?“, fragte die fremde Stimme. „Ja, such dir ruhig eins aus. Aber nur eins!“, hörten wir eine Frauenstimme antworten. Schon wurde die Stalltür aufgerissen. Ich zuckte zusammen und vergrub mich immer tiefer im Stroh.

„Habt ihr auch solche Angst?“, fragte Sammy mit weit aufgerissenen Äuglein. „Natürlich. Aber das Häuschen schützt uns doch hoffentlich, oder?“, fragte Funny, die in einer Ecke kauerte und sich nicht zu rühren wagte. Diese Frage beantwortete sich im nächsten Augenblick von selbst – mit nein. Das Häuschen wurde hochgehoben und wir konnten uns nirgendwo verstecken.

„Oh,das ist ja süß! Das will ich haben“, sagte der strohblonde Junge und deutete auf mich! Ängstlich quiekte ich, ich wollte nämlich auf keinen Fall von meiner Familie fort. Da wurde ich auch schon gepackt. Ich strampelte und quiekte, aber der Junge ließ nicht los. Als er mich dann in eine gemütliche Position gebracht hatte, begann er, mich zärtlich zu streicheln. Und langsam begann ich mich wohl zu fühlen. Aber von meiner Familie und meinen Besitzern wollte ich trotzdem nicht weg. Selbst dieser liebevolle Junge ersetzte sie nicht. Schließlich setzte mich der Junge doch wieder in den Stall und ich war heilfroh, noch nicht mitgenommen zu werden und glaubte, der Junge hätte es sich jetzt doch anders überlegt. Doch da hatte ich mich getäuscht.

Nach ungefähr einer Woche kam der Junge mit seiner Familie wieder. Sie hoben mich in einen dunklen Karton, der zwar mit Heu gefüllt war, aber sehr eng war. Was würde jetzt mit mir passieren? Ich war traurig. Zum Abschied quiekte ich nochmal – und meine Familie quiekte zurück. Ich konnte spüren, dass auch sie sehr traurig waren. Eine ganze Weile musste ich in dem Karton sitzen. Obwohl reichlich Heu da war, fraß ich nichts. Ich hörte immer so ein komisches Brummen. Das war wirklich sehr unheimlich. Aber nach einer Weile hörte es auf.

„Mama, Papa! Ich bin so froh! Jetzt habe ich endlich ein eigenes Meerschweinchen! Freezy ist ein schöner Name. Ich werde ihn nicht umbenennen“, hörte ich den Jungen sagen.

Ich war nun schon einige Tage bei der neuen Familie. Mittlerweile wusste ich, das der Junge Markus heißt. Mein Stall wurde jede Woche ausgemistet und ich fühlte mich dort sehr wohl. Das einzige, was mir fehlte, war Gesellschaft. Wenn Markus in der Schule war, und seine Eltern auf der Arbeit, fühlte ich mich ganz alleine. Und auch sonst fehlte mir ein Freund. Außerdem vermisste ich meine Familie. Aber es hätte mir schon besser gehen können, wenn mir einer einen kleinen Freund gebracht hätte. Aber ich wusste ja nicht, wie schnell mein Wunsch sich erfüllte …

Es war am späten Nachmittag, und Markus verließ mit seinen Eltern das Haus. Ich wartete in meinem Stall, fraß etwas Heu und wartete wieder. Nach einiger Zeit kamen meine Besitzer wieder zurück, und Markus näherte sich mit einem kleinen Karton in der Hand dem Stall. Neugierig sah ich ihn an. Markus setzte den Karton ab und hob ein kleines, zappelndes Meerschweinchen in den Stall. Sein Fell war sehr lang und struppig. Das Meerschweinchen war überall grau, nur auf der Nase hatte es einen großen, weißen Fleck. Mit dem struppigen Fell glich das Meerschweinchen einem kleinen Hausschuh. Neugierig beschnupperten wir uns, stupsten uns an, und als wir uns näher kennen gelernt hatten, trugen wir kleine Kämpfe aus. Schließlich hatten wir uns darauf geeinigt, dass ich der Ranghöhere war. Das Meerschweinchen erzählte mir, dass es Pantoffel heißt, und dass es früher bei einem Bauern gelebt habe. Nach einiger Zeit verstanden wir uns sehr gut. Wir wussten aber noch nicht, dass wir bald ein großes Abenteuer miteinander erleben würden …

Foto: © gleich.a (Anja Gleich) / http://www.pixelio.de

Autor: Katja Reinhardt

* * * * *

Eigene Beiträge einreichen? Mailen Sie Texte und Bilder an feedback@tiergeschichten.de

*** Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Seiten-Relaunchs übernommen von tiergeschichten.de, unserer allerersten, ursprünglichen Tiergeschichten-Seite. ***

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.tiergeschichten.de/2010/11/16/freezy-abschied/

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.