Puckis Geschichte, frei Schnabel erzählt

Also, ich heiße Pucki und bin ein grüner Welli. Geboren bin ich im Sommer 1997 bei Faßbenders in Ließem. Im September kam ich zu Frauchen nach Bonn. Die hatte früher schon Wellis und kennt sich prima aus mit unsereins. Ich hab gleich Vertrauen gehabt zu ihr, sie hat immer so lieb mit mir gesprochen. Im Juli 1998 hab ich mich zum ersten Mal aus meinem Käfig rausgetraut. Am Anfang konnte ich nicht so gut fliegen, aber das hat sich gelegt, Übung macht eben immer noch den Meister. Ich war von Anfang an sehr neugierig, und wollte alles probieren, vor allem das, was Frauchen isst und trinkt. Beim Versuch aus einem Glas mit Eistee zu trinken, bin ich auch schon mal ins Glas gefallen, weil ich mich nicht richtig festgehalten habe. Aber das ist schon lange vorbei. Heute trinke ich am liebsten von dem Saft, den Frauchen abends immer trinkt. Der schmeckt lecker, hmmm. Frauchen gefällt das aber gar nicht, weil ich immer rumspritze, denn sie fürchtet um ihre gute Tischdecke. Dasselbe mache ich mit Joghurt. Aber auch Nudeln mit Sauce und Salat mag ich sehr gerne.

Vor einem Jahr habe ich einen Gefährten bekommen. Er heißt Bubi, so steht es jedenfalls mit so komischen Buchstaben, die Frauchen „Window-Color“ nennt auf der Bodenschale von unserem Käfig, mein Name übrigens auch. Frauchen sagt aber immer Bübchen zu ihm. Bübchen lebte vorher bei einer alten Dame, die mein Frauchen „Oma“ nannte, war aber gar nicht ihre richtige. Die ist dann verstorben, und Bübchen war plötzlich ganz alleine. Also kam er zu uns. Frauchen hat gesagt, Bübchen sei mein Brüderchen, aber das kann ich gar nicht glauben, so schlecht, wie er sich immer benimmt. Am Anfang hat er dauernd versucht, die Deckel von den Näpfchen und die Näpfchen selber runter zu werfen. Die sind jetzt mit Gummibändern gesichert, ätsch, das kommt davon. Dann hat er einen Pickstein im „null-komma-nichts“ zerlegt, auch den nächsten. Frauchen war schon ganz verzweifelt, aber da hat er wieder damit aufgehört. Neulich hat er mich ganz unhöflich in den Schwanz gezwickt, weil er auf die Schaukel wollte, auf der ich gerade sass. Mann, ich sag euch, das hat vielleicht weh getan, ich bin vor Schreck im Dreieck gesprungen. Ausgerechnet auf meine Schaukel wollte der, dabei haben wir doch zwei davon im Käfig. Überhaupt haben wir hier alles doppelt drin, damit wir uns nicht streiten um unsere Spielsachen. Ich dagegen bin doch ein ganz liebes Vögelchen, ehrlich. Einmal habe ich Frauchen gezwickt, weil ich doch keine Ahnung hatte, dass ihr das wehtut weil sie doch keine Federn hat wie unsereins. Da hab ich mich doch ganz furchtbar erschrocken, weil sie ganz laut „Aua“ gemacht hat. Seitdem bin ich ein wenig vorsichtiger.

Jetzt im Sommer dürfen wir immer auf dem Balkon draußen stehen, ist ja ganz schön warm, aber wenn der Wind weht, finde ich das toll, der geht mir immer so durch die Federn. Manchmal kommt Frauchen an mit so einer Sprühflasche, da ist so´n Zeug drin, Wasser mit noch was. Ich habe gehört, wie Frauchen zu ihrer Mama sagte, das wäre dasselbe, als wenn die Menschen sich mit Creme einschmieren würden. Igitt, das mögen wir gar nicht, aber Frauchen sagt, das muß sein, das wär gut für unsere Federn. Pah. Wenn schon Wasser, dann mag ich lieber das aus dem Hahn. Immer wenn Frauchen Geschirr spült, darf ich raus und zu ihr in die Küche fliegen. Und wenn sie dann hinterher kaltes Wasser drauflaufen läßt, fliege ich ins Becken und lasse mich vom Wasser berieseln. Einmal habe ich mich so naß gemacht, dass ich nicht mehr wieder ins Wohnzimmer fliegen konnte. Da bin ich auf den Boden gesegelt, wie ein Papierflieger, wie Frauchen sagte, und zu Fuß zurück ins Wohnzimmer gelaufen. War ganz schön mühsam, schließlich sind wir doch zum Fliegen gemacht, oder? Dann konnte ich noch nicht einmal wieder in den Käfig, weil ich immer noch zu naß war. Als Frauchen aus der Küche kam, hat sie sich kaputtgelacht, weil ich immer noch auf dem Boden sass. Dann hat sie mich aber doch auf die Hand genommen, und mir in den Käfig geholfen. Peinlich, so was mache ich nie wieder.

A propos fliegen. Bübchen kann überhaupt nicht richtig fliegen, er hat gar keine Kondition. Naja, bei Ersatz-Oma konnte er ja nicht so viel raus, die sah so schlecht, dass sie ihn nicht beaufsichtigen konnte. Aber heute hat er keine Übung darin und so sitzt er nur auf dem Käfig herum und guckt. Frauchen schubst ihn dann immer an und sagt „flieg mal“. Da hebt er dann auch ab, schafft aber keine Runde durchs Zimmer, sondern landet immer irgendwo „zwischen“, auf dem Tisch, dem Sofa oder in einer Topfpflanze. Manchmal auch auf dem Boden. Ach ja, was er letztens gemacht hat, das war echt der Hammer. Frauchen putzte nämlich unseren Käfig im Badezimmer und ich bin hinter ihr her geflogen und machte eine Punktlandung auf ihrer Schulter. Bübchen kam hinter mir her, schaffte aber nur eine Landung auf dem Badewannenrand, der noch nass war. Da rutschte er aus und schlitterte auf dem Bauch die Badewanne runter bis zum Abfluß. Frauchen und ich haben uns schier kaputtgelacht.

Ich dagegen kann fliegen wie ein Weltmeister, drehe die rasantesten Runden durchs Wohnzimmer, und das ist ziemlich groß. Frauchen klatscht dann immer in die Hände und ruft „Bravo“ und dann mache ich es gleich noch einmal, eine Ehrenrunde sozusagen. Sie sagt immer, bei den Kurven, die ich drehe würde sogar „Schumi“ vor Neid erblassen, wenn man es denn vergleichen könnte. Also, wenn das der Kerl ist, der manchmal Sonntags in einem roten Flitzer über den Bildschirm rast, dann kann ich mir doch was auf meine Flugkunst einbilden …

Hey Du, jetzt lass mich aber auch mal an den PC, Du hast genug erzählt!

Jetzt will ich mich aber auch mal zu Wort melden. Was Pucki da erzählt hat, das stimmt Wort für Wort. Die Geschichte ließe sich endlos fortsetzen, denn in den sechs Jahren, die er schon bei mir lebt, ist eine ganze Menge mehr passiert. Jetzt möchte ich aber auch mal meine Sichtweise des ganzen erzählen.

Ich habe schon viele Wellis gehabt in meinem Leben, aber keiner ist so zahm wie Pucki. Ein richtiger Ausbund an Lebensfreude und Zärtlichkeit. Es ist wunderbar, schon beim Heimkommen mit Gezwitscher begrüßt zu werden. Außerdem spricht er auch ein bißchen, so ein Mix aus Menschen- und Wellensittichsprache. Da hört man dann raus „Tschüss“, „Pucki“, „bis bald“ oder vielleicht soll es auch heißen „bis nachher“ usw. Zu mir sagt er manchmal „Süße“, was er natürlich von mir hat, denn ich sage immer „mein Süßer“ zu ihm. Bübchen hat es dagegen eher mit Geräusch-Imitationen. Bei Nenn-Oma klingelte oft das Telefon, weil sie sehr viele Anrufe bekam und das Radio war auch immer an, denn die Ärmste konnte nicht mehr Zeitung lesen, wegen extremer Kurzsichtigkeit. Mein Bruder war letztes Jahr in meiner Wohnung um Türen zu streichen, und er ist nach eigener Aussage mindestens 2mal zum Telefon gelaufen, weil er dachte, es hätte geklingelt, war aber bloß Bübchen. Radio hören wollen sei zwecklos bei den beiden, sie würden alles übertönen. Komisch nur, dass das bei mir nie so ist, wenn ich Radio höre. Ich glaube einfach, dass es die beiden einfach aufregt, wenn jemand in der Wohnung ist, wenn ich bei der Arbeit bin und dann sind sie eben etwas lauter.

Viele Leute sagen, was sind denn Wellis schon gegen Katzen oder Hunde. Klar, man kann Wellis nicht streicheln und kraulen, denn anfassen lassen sie sich nicht gerne. Aber man braucht auch nicht mit Ihnen auf die Straße zum „Bäume suchen“, wie Hunde. Und man muß ihnen nicht immer Tür und Tor offen halten, damit sie raus und rein können, wie einer Katze. Außerdem sage ich immer, Hund oder Katze den ganzen Tag alleine lassen, das geht nicht, bei Hunden schon wegen dem „Gassi gehen“. Zumal nicht in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung. Doch auch ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich morgens zur Arbeit gehe, vor allem als Pucki noch Einzelvogel war. Jetzt hat er ja einen Gefährten, da gehts ja noch. Gern würde ich den beiden den ganzen Tag den Käfig auflassen, damit sie fliegen können, wann sie wollen, aber das ist mir dann doch wieder zu gefährlich. In so einer Wohnung lauern Gefahren, von denen man als Zweibeiner gar nichts ahnt.

Aber auch ich träume von einem Haus mit Garten, und darin soll es natürlich auch Katzen und Hund geben und selbstverständlich auch Wellis. Ob der Traum wahr wird, das weiß ich nicht …

Autor: Cordula Radde

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1 Kommentar

    • Cordula Radde on 12. April 2011 at 15:53
    • Antworten

    Hallo, ich bin die Autorin dieses Artikels. Ich wollte nur sagen, mein Pucki
    ist im November 2010 im stolzen Alter von 13 Jahre über die Regenbogen-
    brücke geflogen.

    Ich vermisse Dich unendlich, mein Süsser! 🙁

    Und Deine Freunde Poldi, Pixi und Peggy sicher auch.

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