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Die Stimme der Raupe -– Märchen aus Ostafrika

Es war einmal eine Raupe. Die kroch in den Bau eines Hasen, als dieser nicht zu Hause war, und ließ sich dort häuslich nieder. Als der Hase nach Hause zurückkehrte, sah er frische Spuren auf dem Boden, die in seine Höhle führten. Er rief: „Wer ist in meinem Haus?“

Die Raupe antwortete mit dröhnender Stimme: „Das bin ich! Jawohl, ich, der Nashörner zu Boden wirft und Elefanten in den Staub trampelt!“ Der Hase hoppelte weg und heulte: „Was kann ein kleines Tier wie ich schon gegen eine Kreatur ausrichten, die Nashörner zu Boden wirft und Elefanten in den Staub trampelt?“

Bald schon traf er den Schakal und bat ihn, doch einmal mit der schrecklichen Kreatur zu sprechen, die sein Haus besetzt hielt, und sie davon zu überzeugen, weiterzuziehen. Der Schakal erklärte sich dazu bereit, und als sie an den Bau kamen, bellte er laut und rief: „Wer ist im Haus meines Freundes, des Hasen?“

Die Raupe antwortete mit einer Stimme, die die Erde erbeben ließ: „Das bin ich! Jawohl, ich, der Nashörner zu Boden wirft und Elefanten in den Staub trampelt!“ Als er das hörte, dachte der Schakal: ‚Ich kann ganz sicher nichts gegen so eine Kreatur unternehmen‘, und verschwand eilends.

Dann ging der Hase zu einem Leoparden und bat diesen um Hilfe. Der Leopard versicherte dem Hasen, dass das für ihn gar kein Problem sei. Als sie die Höhle erreichten, fuhr der Leopard seine Krallen aus und knurrte: „Wer ist im Haus meines Freundes, des Hasen?“ Die Raupe antwortete genau so, wie sie es zuvor immer getan hatte. Der Leopard erschrak und dachte: ‚Wenn er Nashörner und Elefanten bezwingt, möchte ich mir gar nicht erst ausmalen, was er mit mir machen kann!‘

Als nächstes ging der Hase zum Nashorn. „Ich bin zweifelsohne das Furcht erregendste Tier“, grunzte das Nashorn. Es marschierte zur Höhle des Hasen, wo es schnaubte und mit seinen gewaltigen Füßen auf dem Boden scharrte. Doch als das Nashorn fragte, wer in dem Bau sei, und der Raupe donnernde Antwort vernahm, dachte es: ‚Wie bitte? Es kann mich zu Boden werfen?‘ Und das Nashorn donnerte davon und rannte quer durch den Wald.

Der Hase geriet so langsam in Panik und bat den Elefanten um Hilfe. Doch als der Elefant hörte, was die Raupe sagte, hatte er, genau wie die anderen, keine Lust, über den Haufen getrampelt zu werden wie Staub und stampfte davon.

In seiner Verzweiflung fragte der Hase einen vorbei gehenden Frosch, ob er vielleicht das Tier, das alle anderen Tiere so verängstigt hatte, dazu bewegen könne, seinen Bau zu verlassen. Der Frosch ging zum Höhleneingang und fragte, wer da drin sei. Er erhielt die selbe Antwort, die die anderen auch bekommen hatten. Der Frosch trat noch näher an den Eingang heran und rief: „Jetzt bin ich da, der Stärkste von allen! Ich bin der, der die zu Boden wirft, die die Nashörner zu Boden werfen. Ich bin der, der die in den Staub trampelt, die die Elefanten in den Staub trampeln!“

Als die Raupe in der Höhle das hörte, fing sie an zu zittern. Sie spürte, wie der Schatten des Frosches näher kam und dachte: ‚Aber ich bin doch nur eine kleine Raupe!‘ Und sie kroch ganz langsam und vorsichtig dicht an der Wand entlang aus dem Bau und bemühte sich, möglichst nicht gesehen zu werden.

Die Tiere, die sich um des Hasen Bau versammelt hatten, schnappten sich die Raupe und zogen sie heraus. „Was? Du?“, riefen sie alle ungläubig.

„Es würde mir nicht mal im Traum einfallen, in dieser Höhle zu bleiben“, sagte die Raupe hochnäsig. „Das Echo da drin ist viel zu brutal für so ein kultiviertes Wesen wie mich!“ Als die Raupe davon kroch, lachten alle Tiere über den Ärger, den sie ihnen bereitet hatte.

Foto: http://www.cartoonclipartfree.info / http://www.ClipProject.info


Quelle http://hazel.forest.net/whootie/stories/caterpillar_africa_masai.html

Übersetzung: Edith Nebel

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