Felix

Es war an einem kalten Novembertag im Jahre 1993, der Winter war schon sehr früh da, mit viel Frost. Wir wohnten damals in einem alten Bauernhaus in einer zwei Zimmerwohnung, ein alter Schornstein ging durch unser Wohnzimmer.

Durch die Kälte draußen sind wohl die Mäuse auf unseren Dachboden gelangt, und da der Schornstein nicht richtig dicht war, auch in unser Wohnzimmer. Mein Mann hatte es schön länger vermutet, da er abends mal beim Fernsehen einen Schatten auf dem Fußboden durchhuschen sah. Ich bin zwar eine Tierliebhaberin, aber Mäuse musste ich nicht unbedingt in der Wohnung haben, also musste eine Katze her.

Gesagt, getan am 11. November sind wir dann ins Tierheim gefahren und wollten uns eine Katze aussuchen. Ich hatte, im Gegensatz zu meinem Mann, keinerlei Erfahrung mit Katzen. Deshalb war ich auch ganz unbedarft. Mein Mann dagegen hatte klare Vorstellungen! Die Katze durfte nicht älter als 1 Jahr sein, sie sollte stubenrein und sehr schmusig sein. So sagte er es auch einer Tierpflegerin, die dann meinte, dann kaufen sie sich doch lieber ein Stofftier.

Ich hatte davon aber nichts mitgekriegt, da ich in einen anderen Raum war und mir schon eine sehr schöne Katze ausgesucht hatte. Aber oftmals kommt es anders als man denkt. Ich stehe so in dem Raum und auf einmal springt mich doch so ein ganz schlanker schwarzer Kater mit weißem Fleck im Gesicht und weißen Schuhen an. Erst war ich total erschrocken aber instinktiv habe ich ihn gehalten, das Katerchen gab sofort Köpfchen und leckte meine Wange ab. Da war für mich klar: den oder keinen. Mein Mann war damit einverstanden, auch als er erfuhr, dass der Kater schon mindestens 5 Jahre alt war und 1.5 Jahre im Tierheim lebte und öfter krank war. Die Tierpflegerin stimmte dann auch zu, vor allem weil ich ihr sagte, dass das Tier sich uns ausgesucht hat.

Wir nahmen den kleinen Kerl dann auch gleich mit. Meine Stieftochter hat selbst Katzen, deshalb versorgte sie uns mit Allem was nötig war, damit der Kater sich bei uns wohl fühlte. Das Katerchen inspizierte auch gleich ganz neugierig unsere kleine Wohnung, weihte das Katzenklo ein. Probierte ein bisschen von dem leckeren Futter und hopste dann auf meinen Schoß um zu schlafen. Später als es Zeit war ins Bett zu gehen, sperrte ich die Schlafzimmertür zu aber Felix, wie wir ihn genannt haben, wollte unbedingt ins Zimmer. Aber das wollte ich nicht, er sollte doch die Mäuse vertreiben.

Mein Mann der von Natur aus sehr gutmütig ist, meinte lass ihn doch rein, es ist seine erste Nacht bei uns, er hat sicher Angst. Ich dachte, so habe ich mir das nicht vorgestellt, den kann ich nicht behalten. Dann werden die Mäuse eben vergiftet und der Kater kommt wieder weg.

Mein Mann hat dann mir zuliebe auf dem Sofa im Wohnzimmer geschlafen. Am anderen Tag hat er seinen Sohn angerufen, ob er einen schönen schwarz, weißen Kater haben wollte? Er meinte, ok ich nehme das Tier, aber erst nächstes Wochenende. Bis dahin waren noch 6 Tage und mein Mann hatte ab Sonntagabend Nachtschicht, ich musste also mit dem Katerchen und den Mäusen alleine bleiben.

Als es dann Abend wurde und mein Mann zur Arbeit war, schlich ich mich ins Schlafzimmer. Ich weiß nicht ob der Kater es nicht bemerkt hat oder ob er instinktiv wusste, dass ich ihn nicht im Schlafzimmer haben wollte. Jedenfalls, Felix blieb im Wohnzimmer. Nachts wachte ich dann auf, weil es im Wohnzimmer rumorte. Erst wollte ich aufstehen, bin dann aber gleich wieder eingeschlafen.

Am anderen Morgen hat mich fast der Schlag getroffen, lagen doch da 3 tote Mäuse vor der Schlafzimmertür. Erst wollte ich hysterisch schreien aber dann setzte endlich mein Gehirn wieder ein und ich lobte unseren Mäusefänger. Ich muss natürlich nicht berichten, dass Felix natürlich bei uns blieb, er hatte ganz schnell mein Herz erobert und nicht nur durch die Mäusejagd. Mäuse hatten wir von da ab nie wieder!

Er lebte bis zum 15. Juni 2001 bei uns. Leider mussten wir ihn einschläfern lassen, da seine Organe durch das hohe Alter versagten. Die Tierärztin meinte, dass er schon viel älter war als wie uns das die Tierpflegerin gesagt hatte. Aber es war uns egal, Felix hatte uns eine sehr schöne Zeit beschert. Durch ihn habe ich Katzen lieben gelernt. Wir vermissen ihn immer noch!

Autor: Gisela Kurfürst-Meins
gisela.meins@gmx.de

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