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Geier

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Was wollt ihr denn noch?

Manchmal kann man es nicht glauben, warum die jungen Frauen von heute so rumjammern. Alles ist soviel Arbeit und sie haben fast keine Freizeit mehr. Haushalt und Kinder sind echt der totale Stress und sie fühlen sich ausgebrannt und überfordert. Fast jede zweite Frau ist unzufrieden und fühlt sich nicht verstanden, sucht nach neuen Wegen um sich selbst zu finden.

Ja, und wie war das bei uns als wir jung waren? Ganz anders …

Fangen wir beim Waschtag an. Wir hatten einen Waschkessel, der mit Holz und Kohle beheizt wurde. Die Wäsche wurde nach dem Waschen und Spülen zum Bleichen in die Sonne gelegt. Beim Wäschespülen fielen einem fast die Arme ab, so schwer war die nasse Wäsche.

Kochen durften wir meist mit einem Küchenherd, der natürlich auch mit Holz und Kohle befeuert wurde, und in einem so genannten Wasserschiffchen hatten wir immer heißes Wasser. Das Gemüse war meist im heimischen Garten gezogen und später eingeweckt, viel Arbeit und schwer noch dazu. Batterien von Einweckgläsern stapelten sich in der Küche und später im Keller, in den kleinen Gläsern die Marmelade und das Obst. Sogar Saft haben wir gemacht, es duftete im ganzen Haus und wir standen schwitzend aber glücklich mittendrin.

Damals brauchten wir keine Diät, so manches Kilo verloren wir bei der Hausarbeit. Unsere Männer halfen nicht dabei, es war „Frauensache“.

Gebadet wurde einmal in der Woche, der Badezimmerofen wurde mit Holz und Kohle gefüttert und heizte auch noch das Badezimmer. Damals hatten wir noch die gute alte Kernseife und natürlich keine Hautkrankheiten. Und wer ein Baby groß zog, der musste Stoffwindeln waschen, denn die Papierwindel kam erst 1972 nach Deutschland, die gute „Pampers“.

Und jetzt sagt mir mal, ihr jungen Frauen: Was wollt Ihr eigentlich, es geht euch doch gut. Alles ist einfacher geworden, der Haushalt, die Kinder, der Mann. Vielleicht zu leicht. Es geht euch zu gut, und das ist nie gut.

Foto: © Random-HH (Barbara Eckholdt) / http://www.pixelio.de

Autor: Ursula Geier
UrsulaGeier@web.de
     
http://www.urska.jimdo.com

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4 Kommentare

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  1. edithtg

    Ja, so hat das Säugetier Mensch Probleme, die die restliche Tierwelt gar nicht kennt … 🙂

    Vielleicht ist es so, wie meine Kollegin sagt: „Arbeit dauert immer ein bisschen länger als man Zeit dafür hat“. Wenn man theoretisch frei hätte, weil manches nun automatisch geht, wofür man früher Zeit und Kraft aufwenden musste, kriegt man andere Arbeit dafür aufgebremst. Oder halst sie sich selber auf.

    Den Waschtag mit Waschkessel und ohne Waschmaschine kenne ich auch noch aus meiner Kindheit – von Mutter und Oma. Den Holz- und Kohleofen ebenfalls, genau wie den Nutzgarten, das Einkochen und Einwecken.

    So einen Aufwand muss ich zum Glück nicht mehr betreiben. Und Kochen und einkaufen, das macht meine Bessere Hälfte.

    Warum fühle ich mich dann trotzdem mindestens so gestresst wie Mutter und Großmutter? Auch sie waren keine „Nur-Hausfrauen“, hatten ihre Arbeitsplätze aber im Haus bzw. in unmittelbarer Nähe. Aber keine von ihnen war 13 Stunden am Tag beruflich aus dem Haus und musste sich danach noch um Familie und Haushalt und den umfangreichen Papierkram kümmern. Ich glaube nicht, dass bei Mutter und Großmutter auch nur annähernd so viel Schriftliches angefallen ist wie bei mir. Mutters Buchführung war recht übersichtlich, die meiner Oma sicher nicht aufwändiger. Und ich sitz schon seit drei Abenden bis in die Nacht hinein an den vermaledeiten Nebenkostenabrechnungen und bin immer noch nicht fertig damit.

    Bei meinen Vorfahrinnen ging Erwerbsarbeit und Haus- und Familienarbeit aufgrund der räumlichen Nähe ineinander über. Bei mir sind das zwei verschiedene „Schichten“. Ist die Arbeit am einen Ort beendet, geht sie nach einer Stunde Fahrt am anderen Ort weiter.

    Was die Kinder angeht … ich hab das Gefühl, mit uns damals hat man sich nicht so viel zu tun gemacht wie heut mit den Kindern. Wir gingen in die Schule, haben die Hausaufgaben gemacht – oder auch nicht – und ansonsten mit Freunden „auf der Gass“ herumgetobt, bis es Zeit zum Abendessen war. Betüteln? Ständig von A nach B karren? Bei den Hausaufgaben helfen? Ah, geh, woher denn!

    Das verwildert-verlotterte Aufwachsen auf dem Land ist sicher nicht das Nonplusultra, auch wenn mir das gut gefallen hat. Es ist für die Eltern auf jeden Fall lange nicht so zeitaufwändig wie das, was man heute so alles mit den Kindern veranstalten muss um sie angemessen zu fördern.

    Dass die Frauen voriger Generationen kaum gejammert haben, führe ich u.a. darauf zurück, dass ihnen das Konzept „Freizeit“ fremd war. Meine Großmutter wäre nie auf die Idee gekommen, dass ihr so was zustünde. Vermutlich hat sie gedacht, das sei nur was für Männer … wenn sie ins Wirtshaus gehen zum Trinken und Kartenspielen. Oder vielleicht war sie nach ihrem Arbeitspensum auch nur zu müde, um darüber nachzudenken.

    Und in den Augen meiner Mutter war Freizeit was für reiche Leute. Sowas hatten die Fernsehmenschen in „Dallas“ und im „Denver-Clan“. Und wozu hat’s geführt? Zu Langeweile, Übermut und zu allerhand fatalen Hirnfurzideen. Das konnte man ja jede Woche aufs Neue sehen.

  2. Ursula Geier

    Ja, stimmt alles und ich meine nicht die Frau die arbeitet sondern die „Nurhausfrau“ die so rumjammert. Und das verstehe ich nicht.Ich weiß doch daß die Frau von „Heute“ es viel schwerer hat als die Frau von „Damals“. Das hätte ich deutlich zum Ausdruck bringen müßen. Und ich hoffe, Sie bleiben mir trotzdem gewogen, denn ich wollte doch nicht ins „Fettnäpfchen“ treten.
    In diesem Sinne einen ganz lieben Gruß ich hoffe Sie verzeihen mir, daß ich so harsche Worte gebraucht habe.

    1. edithtg

      Deutliche Worte zu gebrauchen, wenn einen was aufregt, dafür hab ich Verständnis. 😉 Mich hat das Thema auch schon beschäftigt und ich hatte mich erst vor ein paar Tagen mit meinem Vater darüber unterhalten. Er bedauerte, dass seine Mutter so ein schweres und anstrengendes Leben hatte. Und damit war sie zu ihrer Zeit, in ihrer Rolle und in der Region, in der sie lebte, ganz sicher keine Ausnahme.

      Wir spekulierten auch darüber, dass es für die Frauen eigentlich heute leichter sein müsste … aber nicht wirklich ist.

      Die allein erziehenden berufstätigen Mütter sind wohl diejenigen, die heut am meisten rödeln müssen, um finanziell über die Runden zu kommen. Und die gab’s in der Zeit und im Kulturkreis meiner Großeltern so gut wie nicht. Damals kam ein „lediges Kind“ entweder zu Verwandten, die schon Kinder hatten, oder man hat die Mutter an irgend einen Kerl verheiratet. (Bei manchen der Geschichten, die man dazu von älteren Verwandten zu hören kriegt, zieht’s einem echt die Schuhe aus.)

      Mein Vater wird nicht müde zu betonen, dass die gute alte Zeit gar nicht so gut war. Stress und Probleme hatten damals nur ein anderes Gesicht.

      Ein interessantes Thema, über das ich immer wieder gerne diskutiere.

  3. Ursula Geier

    Ach, Frau Nebel, das haben Sie richtig schön gesagt. Jetzt fühle ich mich schon ein wenig besser.Aber so war ich schon immer, wenn mich etwas aufregt, dann schreib ich einfach drauf los und presche nach vorne. Hab gedacht das wird im Alter besser,besteht ja noch Hoffnung, ich bin erst 72, mit 80 hab ich dann bestimmt noch etwas dazu gelernt. Einen lieben Gruß und ein sonniges Wochenende wünscht Ihnen und Ihrer Familie
    Uschi Geier

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